Zustellunternehmen mit Problemen

Kampf der Paketdienste verschärft sich

Laut EU-Verordnung müssen Paketdienstleister in den Mitgliedstaaten künftig ihre Preise für Auslandssendungen weitgehend offenlegen.

Das Paketgeschäft ist hart umkämpft.

Berlin. Ständig steigende Zahlen im Paketgeschäft. Onlineriesen wie Amazon und Zalando drücken die Preise. Nun wollen die Zustellkonzerne den Spieß umdrehen.

Ein Blick aus dem Fenster auf die Straße gibt schon Aufschluss über den bundesdeutschen Paketmarkt. Da steht der gelbe Transporter von DHL, gleichzeitig klingelt der Paketbote von Hermes. Und dann biegt der UPS-Lkw um die Ecke. Die Bundesbürger bestellen immer mehr online, deshalb boomt das Paketgeschäft. Die Zahl der verschickten Sendungen steigt unablässig. Trotzdem ringen auch die großen Zustellunternehmen mit Problemen. Die Gewinne sinken. Ein Paradox.

Kampf der Paketdienste: Marktführer Deutsche Post DHL versucht, seinen Marktanteil auf Kosten der Konkurrenz zu steigern. Die vier anderen großen Wettbewerber halten dagegen. Grundsätzlich haben jedoch alle die gleichen Probleme. Die Zahl der Pakete wächst, parallel nehmen die Kosten zu. So, wie der Paketmarkt bisher funktionierte, geht es wohl nicht weiter. Onlinehändler wie Amazon und Zalando müssen sich darauf einstellen, mehr Porto zu zahlen. Und das könnte schließlich auch höhere Versandkosten für die privaten Haushalte bedeuten.

2017 beförderten die fünf größten Paketdienstleister DHL, DPD, Hermes, UPS und GLS 2,73 Milliarden Kartons. Gegenüber 2010 war das ein Zuwachs von rund 570 Millionen Sendungen. Diesen teilten sich die fünf Großen untereinander auf. Die Marktanteile beim Umsatz mit Paketen verschoben sich dabei nur wenig. Nach Zahlen des auf die KEP-Dienste spezialisierten Beratungsunternehmens MRU in Hamburg hat DHL zwischen 2014 und 2017 ein Prozent gewonnen. Der Marktanteil des Marktführers stieg von 44 auf 45 Prozent. Die Ausweitung erfolgte auf Kosten der beiden Nächstplazierten, DPD und UPS. Die haben laut MRU jeweils ein Umsatzprozent eingebüßt und kamen im vergangenen Jahr auf 17 beziehungsweise 16 Prozent. Bei Nummer vier und fünf, Hermes und GLS, änderte sich demnach mit 13 und acht Prozent nichts. In seiner Studie 2018 für die Kurier-, Paket- und Expressbranche (KEP) schreibt der Bundesverband Paket- und Express Logistik (BIEK), dass die Umsätze steigen, die Durchschnittserlöse pro Sendung allerdings zurückgehen. Eine Erklärung liefert MRU-Geschäftsführer Horst Manner-Romberg: "Großkunden und Onlinehändler wie Amazon und Zalando nutzen ihre Marktmacht. Sie zahlen den Paketdiensten teils nur 1,80 Euro pro zugestelltem Paket." Die flächendeckende, bundesweite Zustellung mit den entsprechenden Kosten der Infrastruktur "rechnet sich zu solchen Preisen nicht", so Manner-Romberg. Dies sei einer der Gründe, warum beispielsweise Hermes 2017 Verluste erwirtschaftet habe.

Die großen Paketdienste geben den Druck dann weiter. Die Leidtragenden sind einerseits die angestellten Fahrer, die mehr Kartons in weniger Zeit abliefern sollen. Andererseits geraten die Subunternehmer in den Fokus, die für die Großen einen Teil der Pakete regional mit eigenen Fahrzeugen verteilen. "Anhand einer repräsentativen Untersuchung konnten wir 2016 in einzelnen Regionen Zustellpreise von nur 52 Cent pro ausgeliefertem Paket nachweisen", sagt der MRU-Geschäftsführer. "Zustellfirmen sind damit nicht lebensfähig."

Der Preisdruck aus dem Handel ist ein Faktor. Zusätzlich machen sich weitere Tendenzen bemerkbar. So herrscht ein Mangel an Zustellfahrern. Rund 9000 Stellen sollen unbesetzt sein. Hier schlagen sich die Hochkonjunktur, die niedrige Arbeitslosigkeit und eine grundsätzliche Knappheit an Arbeitskräften nieder. Jedenfalls steigen dadurch die Löhne. In München soll es mittlerweile schwierig sein, Fahrer unter 17 Euro brutto pro Stunde zu bekommen.

Die verschiedenen Entwicklungen führen dazu, dass bei den Zustellunternehmen weniger Gewinn hängen bleibt. Außerdem müssen sie investieren, um die zunehmende Flut der Sendungen zu bewältigen. Sie brauchen mehr Logistikzentren, Sortieranlagen, Lkw und Mitarbeiter. Anlässlich der kürzlich veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal 2018 sagte Melanie Kreis, Finanzvorständin der Post DHL: "Unsere Organisation ist in Teilen zu kompliziert aufgestellt, und die indirekten Kosten sind zu rasch gewachsen." Der Marktführer hat sich deshalb dringend vorgenommen, unnötige Ausgaben zu kürzen. "Wir investieren verstärkt in Automatisierung und Digitalisierung im Betrieb", kündigte Kreis an. Zudem will Post DHL den Spieß umdrehen. Statt immer weniger sollen auch Großkunden wie Amazon mehr Porto pro Sendung zahlen. Die Verhandlungen laufen bereits.