Bedingungsloses Kapitaleinkommen

Interview mit der Ökonomin Judith Niehues

Judith Niehues vom Institut für Wirtschaft (IW) in Köln.

Judith Niehues vom Institut für Wirtschaft (IW) in Köln.

Köln. Ein „bedingungsloses Kapitaleinkommen“ für alle Bürger steht seit Längerem zur Debatte. Es soll die soziale Ungleichheit bekämpfen. Die Ökonomin Judith Niehues sieht dabei vor allem einen großen Finanzierungsaufwand.

Die soziale Ungleichheit habe nur zeitweise zugenommen, sagt die Ökonomin Judith Niehues vom Arbeitgeber-orientierten Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Mit ihr sprach Hannes Koch.

Soziale Ungleichheit und Spannung wachsen, sagen Gewerkschaftsökonomen. Die Wissenschaft streitet über diese These. Wie sehen Sie das?

Judith Niehues: Es ist richtig, dass um die Jahrtausendwende die oberen Einkommen stärker zugelegt haben als die unteren und mittleren Einkommen, die Ungleichheit also gestiegen ist. Seit 2005 hat sich die Einkommensschere allerdings nicht weiter geöffnet – um einen kontinuierlichen Anstieg handelt es sich somit also nicht. Bei den Bruttoerwerbseinkommen konnten in den letzten Jahren die Beschäftigten mit geringen Löhnen sogar relativ am stärksten zulegen.

Nach der Bundestagswahl muss die Grundsteuer für Immobilien reformiert werden. Sollte sie steigen?

Niehues: Eine Reform der Grundsteuer ist in der Tat wünschenswert. Die Steuer sollte Gebäude außen vor lassen und als Bodensteuer konzipiert werden – aufkommensneutral. Unbebaute Grundstücke werden so deutlich stärker belastet, Grundstücke mit Mehrfamilienhäusern hingegen entlastet. Gerade in Zeiten knappen Wohnraums in vielen Ballungsräumen wäre dies ein wünschenswertes Signal an die Investoren.

Was halten Sie von dem Vorschlag eines „bedingungslosen Kapitaleinkommens“, um die Mittel- und Unterschicht durch die Gewinne eines Staatsfonds besser zu fördern?

Niehues: Der Aufbau eines Staatsfonds zur Finanzierung eines „bedingungslosen Kapitaleinkommens“ erfordert einen erheblichen Finanzierungsaufwand. Vor dem Hintergrund der Konkurrenz um knappe finanzielle Mittel erfüllen notwendige Investitionen in Bildung und Infrastruktur sicherlich eher das Prinzip der Generationengerechtigkeit.