Messung der Bundesnetzagentur

Internetanschlüsse sind langsamer als versprochen

Schneckentempo: Die Internetverbindung ist oft langsamer als im Vertrag festgelegt.

Schneckentempo: Die Internetverbindung ist oft langsamer als im Vertrag festgelegt.

Bonn. Die Bundesnetzagentur hat ihren Bericht zur Breitbandmessung vorgestellt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Oft erhalten Kunden nicht die Leistung, die vertraglich versprochen ist.

100 Megabit wurden versprochen, aber am Ende sind es maximal 20: Das passiert etlichen Breitbandkunden in Deutschland. Viele Internetnutzer erhalten nicht die vertraglich vereinbarten Geschwindigkeiten. Das geht aus dem Jahresbericht zur Breitbandmessung der Bundesnetzagentur (BNetzA) hervor.

Das Ergebnis: Nur rund 12,8 Prozent der Anschlussinhaber erhielten deutschlandweit die mit dem Anbieter vereinbarte Maximalgeschwindigkeit oder mehr, 71,3 Prozent kamen auf mindestens die Hälfte. In den Stadtgebieten Bonn und Köln erreicht die Internetgeschwindigkeit mindestens 80 Prozent oder mehr. Außerhalb der Ballungsgebiete erreichten die untersuchten Breitbandanschlüsse teilweise nur zwischen 60 und 80 Prozent der vereinbarten Leistungen. Betroffen sind dem Bericht zufolge beispielsweise Sankt Augustin oder Bad Honnef. In ländlichen Gebieten der Region fällt die Leistung noch stärker ab. Zudem gibt es ein Stadt-Land-Gefälle In Much und Ruppichteroth lag die Geschwindigkeit der Messung zufolge nur bei 40 bis 60 Prozent des vereinbarten Niveaus.

Auch im Tagesverlauf verzeichnete die Messung Unterschiede: Laut BNetzA ließen die Leistungen erneut in den abendlichen Peak-Zeiten nach, in denen besonders viele Nutzer in das Netz gehen.

Im Mobilfunk sind die Abstände noch größer. Kunden kamen nur bei 16,1 Prozent der Messungen über die Hälfte der vereinbarten Maximalgeschwindigkeit, mehr Tempo als vereinbart gab es nur bei 1,5 Prozent der Messungen. Insgesamt zeigten die Messungen, dass es für deutsche Endkunden keine Verbesserung gegenüber den Vorjahren gegeben hat, erklärte BNetzA-Präsident Jochen Homann. Er sieht weiterhin Handlungsbedarf bei den Breitbandanbietern. Datenbasis für den Bericht sind 900 579 Messvorgänge von Festnetz- und 384 999 Messungen von Mobilfunkanschlüssen, die zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 über die Breitbandmessung der Netzagentur durchgeführt wurden. Internetanbieter müssen in Festnetz und Mobilfunk seit 2017 über Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung informieren.

Unter www.breitbandmessung.de stellt die Bundesnetzagentur ein Messtool zur Verfügung, um die Surfgeschwindigkeit eigenständig zu testen. Eine interaktive Landkarte veranschaulicht die Messergebnisse für ganz Deutschland. Verbraucher können mit der Landkarte herausfinden, wie der persönliche Wohnort in der Messung abgeschnitten hat. Die Tools sind im Netz frei zugänglich.

Ist die Internetleitung nachweislich schlechter als vertraglich zugesichert, sollten Kunden ihre Anbieter schriftlich über das Problem informieren und eine angemessene Frist zur Abhilfe setzen, rät die Verbraucherzentrale NRW. Zwei Wochen reichten dazu normalerweise aus. "Bleibt die Geschwindigkeit weiter hinter der vereinbarten zurück oder ist es dem Anbieter technisch am Wohnort gar nicht möglich, die vertraglich vereinbarten Leistungen dauerhaft zu erbringen, kann der Vertrag außerordentlich gekündigt werden", so die Verbraucherzentrale weiter.

(Mit Material von dpa)