Gründer von Streetscooter

Innovative Projekte dank Günther Schuh

Günther Schuh, Gründer von Streetscooter und e.Go, steht in Aachen vor einer Produktionsanlage, in der der kleine Elektrowagen e.Go gefertigt wird.

Günther Schuh, Gründer von Streetscooter und e.Go, steht in Aachen vor einer Produktionsanlage, in der der kleine Elektrowagen e.Go gefertigt wird.

Aachen. Batteriezellen, Elektromobilität, Olympia-Bewerbung: Günther Schuh mischt bei vielen innovativen Projekten mit. Er wird auch der "Lieblingsberater der Landesregierung" genannt.

Neulich war Günther Schuh zu Besuch bei der Kanzlerin – zusammen mit Top-Managern von Volkswagen, Mercedes und BMW. Angela Merkel hatte den Professor für Produktionstechnik eingeladen, um mal zu erklären, wie diese Elektromobilität doch noch zu einem Erfolg werden könnte. Die Antwort kennt Schuh, wenn man ihm glaubt, eigentlich schon seit Jahren. Aber erst jetzt, so könnte man ihn verstehen, hören ihm die Menschen auch richtig zu: „Die Menschen sind dank der Klimadebatte momentan offenbar endlich ein bisschen mehr an großen Zielen interessiert.“

Am Selbstbewusstsein mangelte es dem Zwei-Meter-Mann nie, der im Porsche Panamera zum Termin vorfährt. Aber seit er mit dem Elektrotransporter Streetscooter und dem Elektroauto e.Go gezeigt hat, dass Zukunftstechnik auch in Aachen und nicht nur bei Tesla produziert werden kann, ist er zu einem der wichtigsten Berater der Politik, insbesondere der Landesregierung, geworden. Hier ist er allgegenwärtig: Er half mit, die Forschungsfabrik für Batteriezellen, die der Bund mit 500 Millionen Euro fördern will, nach NRW zu holen. Er arbeitet gemeinsam mit Sportmanager Michael Mronz daran, die Olympischen Spiele an Rhein und Ruhr zu holen. Und er berät Ministerpräsident Armin Laschet in dessen Beirat Elektromobilität.

Speziell im Aachener Laschet hat der Aachener Professor einen großen Befürworter gefunden. Laschet hat das Potenzial erkannt, das von Schuhs Projekten ausgeht. „Aus der RWTH heraus entstehen industrielle Arbeitsplätze. Diesen Pioniergeist brauchen wir im ganzen Land“, sagte Laschet beim Produktions start des Elektroautos e.Go Life. Klar, dass der Ministerpräsident auch als erster Kunde privat einen der kleinen E-Wagen orderte.

Viel Sendebewusstsein

Schuh ist eloquent, innovativ und verfügt über viel Sendebewusstsein. Schon 2012 war er während des Landtagswahlkampfs Teil des Schattenkabinetts des damaligen CDU-Kandidaten Norbert Röttgen. Dieser wollte ihn als Wirtschafts- und Wissenschaftsminister holen. Schuh habe gezeigt, sagt Röttgen heute, dass er in der Lage sei innovative Ideen umzusetzen und dass ihm Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Zukunft wichtige Kriterien für seine Projekte sind.

Und diesmal? Schuh grinst bei der Frage. Armin Laschet habe ihn irgendwann gefragt, ob die beiden mal über Schuhs Rolle nach der Landtagswahl reden könnten. „Ich glaube schon, dass er mir ein Ministeramt angeboten hätte, wenn ich ja gesagt hätte“, sagt Schuh. „Ich habe aber nein gesagt. Ich glaube, ich kann dem Land auch in meiner jetzigen Rolle ganz gut nutzen.“

Das sehen Kritiker anders. „Die Tonlage bei Herrn Schuh ist zuletzt eine andere geworden. Inzwischen redet Herbert Diess ja sogar visionärer. Herr Schuh hat zuletzt eher wie andere Vertreter aus der Automobilindustrie geklungen“, sagt Oliver Krischer, Vizechef der Grünen-Bundestagsfraktion. „Er hält sich ja selbst für ein bisschen schlauer als alle anderen, vielleicht merkt er jetzt einfach, dass er an Grenzen stößt. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass er es schafft. Er hat alles in allem viel in der Branche bewegt.“

Mehrere Wetten laufen

Derzeit laufen mehrere Wetten in der Autoindustrie – und noch ist nicht klar, welche aufgeht. Während VW-Chef Diess massiv auf Elektroautos setzt, wollen andere wie BMW technologieoffen bleiben. Aber keine Wette ist so riskant wie die von Schuh. Der setzt nicht nur auf Elektroautos, sondern auf verändertes Kundenverhalten: Sein e.Go Life ist der Gegenentwurf zu Fahrzeugen großer Hersteller. Während diese suggerieren, dass man beim Elektroauto auf nichts verzichten muss, geht Schuh den entgegengesetzten Weg.

Aber: Der Automarkt ist kein Hörsaal, Käufer sind keine technikaffinen Studenten – und Schuh hat bislang noch nicht den Beweis erbringen können, dass seine Ideen nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich am Markt bestehen können. Den Elektrotransporter Streetscooter, den Schuh und sein Hochschulkollege Achim Kampker 2014 erfunden und dann an die Deutsche Post verkauft hatten, will diese jedenfalls wieder loswerden.

Deshalb braucht er die Hilfe der Politik. Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen für eine Mobilitätswelt nach Schuh’schen Vorstellungen.