Rekordjahr in Sicht

Goldener Oktober für deutschen Export

Der Exportmotor läuft: Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns werden im Hafen auf ein Autotransportschiff verladen.

Der Exportmotor läuft: Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns werden im Hafen auf ein Autotransportschiff verladen.

10.12.2018 Wiesbaden. Handelskonflikte bereiten Sorgen, die Weltwirtschaft kühlt ab. Dennoch gewinnen die Ausfuhren "Made in Germany" zum Jahresende an Tempo. Das fünfte Rekordjahr in Folge scheint in Sicht.

Deutschlands Exportunternehmen gehen trotz handelspolitischer Stürme mit Schwung ins Jahresendgeschäft. Im Oktober führten sie Waren "Made in Germany" im Wert von 117,2 Milliarden Euro aus.

Das waren 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Die Importe legten um 11,3 Prozent auf 98,9 Milliarden Euro zu. Auch gegenüber dem schwachen Vormonat gewann der Außenhandel an Tempo.

"Mit einem guten Einzelergebnis meldete sich der deutsche Außenhandel im Oktober zurück und zeigte sich zum Auftakt des vierten Quartals äußerst dynamisch", sagte Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

Zu dem Wachstum trugen sowohl die wichtigen europäischen Handelspartner als auch Länder außerhalb der EU bei. Größter Einzelmarkt für "Made in Germany" waren die Vereinigten Staaten, trotz der vor allem von Washington angeheizten Handelskonflikte.

In den ersten zehn Monaten stiegen die Ausfuhren aus Deutschland um 4,1 Prozent auf 1105,3 Milliarden Euro. Die Importe kletterten um 6,6 Prozent auf 912,8 Milliarden Euro. Der BGA rechnete zuletzt für das Gesamtjahr mit einem Exportwachstum von 3,5 Prozent. Die Branche würde damit das fünfte Rekordjahr in Folge verbuchen. Das Wachstumsziel von ursprünglich 5 Prozent hatte der Verband angesichts internationaler Handelskonflikte allerdings kassiert.

Bingmann warnte daher auch vor Sorglosigkeit. "Es gibt weltweit viele Baustellen, die ein großes Risiko für den Welthandel bedeuten." Allein die Abstimmung im britischen Unterhaus am (morgigen) Dienstag über den Austritt Großbritanniens aus der EU werde maßgeblich mitentscheiden, wie es weitergehe. "Sollte das Abkommen scheitern, wäre der ungeordnete Brexit fast unausweichlich – mit unabsehbaren Folgen für die europäische und britische Wirtschaft." Hinzu komme der weltweite Trend zu wirtschaftlicher Abschottung bei gleichzeitig schwächerem Wirtschaftswachstum.

Auch ING-Chefvolkswirt Deutschland Carsten Brzeski sieht keinen Anlass für Euphorie. Die Oktober-Daten brächten "etwas Erleichterung" für die deutsche Exportwirtschaft nach den schwachen Sommermonaten. Allerdings sei es noch ein langer Weg, bis die Wachstumsmaschine der deutschen Wirtschaft wieder ihre volle Stärke erreichen werde. Handelskonflikte und eine Abkühlung der Weltwirtschaft hinterließen ihre Spuren.

Der deutschen Elektroindustrie brachte der Oktober ebenfalls Aufwind. Die Bestellungen stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat kräftig um 10,1 Prozent. Von Januar bis Oktober verzeichnete die Branche ein Plus von 0,9 Prozent. Während Kunden im Inland mit Bestellungen zögerten (minus 2,7 Prozent), gingen aus dem Ausland 4,0 Prozent mehr Aufträge ein. Die Produktion stieg in den ersten zehn Monaten um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. (dpa)