Studie im Auftrag der Deutschen Post DHL

Globalisierung ist noch ausbaufähig

Blick auf Den Haag, Sitz der Regierung der Niederlande. Das Land ist stark global vernetzt.

Blick auf Den Haag, Sitz der Regierung der Niederlande. Das Land ist stark global vernetzt.

Amsterdam. Eine DHL-Studie sieht für die Globalisierung noch viel Luft nach oben. Deutschland steht auf Platz zehn von 169 Ländern.

Die Vernetzung der Welt hat 2017 zwar einen Höchststand erreicht. Erstmals seit 2007 haben die grenzüberschreitenden Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströme wieder deutlich zugenommen. Allerdings weniger stark, als viele meinen.

Das ist ein Hauptergebnis des Global Connectedness Index 2018, den die Deutsche Post DHL Group am Dienstag in Amsterdam vorstellte. Der Index wird alle zwei Jahre von US-Wissenschaftlern anhand von drei Millionen Statistikdaten erarbeitet. 2001 lag der Index bei 100 Prozent. 2017 kam er auf 125 Prozent.

Die Niederlande bleiben in der fünften Auflage der Studie das am stärksten vernetzte Land der Welt. Danach folgen Singapur, die Schweiz, Belgien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Deutschland liegt auf Platz zehn und hat damit einen Rang gegenüber der letzten Studie verloren. Die USA kommen auf Platz 30. Acht der zehn am stärksten vernetzten Länder befinden sich in Europa. Damit ist der Kontinent auch die Region mit dem insgesamt größten Globalisierungsgrad, insbesondere im Hinblick auf die Handels- und Personenströme. Deutschland ist bei ausländischen Direktinvestitionen führend.

Studie hilft, Bedenken entgegenzutreten

„Ein überraschendes Ergebnis unserer Studie ist, dass die Welt trotz der jüngsten Globalisierungsfortschritte immer noch weniger vernetzt ist, als die meisten Menschen meinen“, erläuterte Steven Altman, einer der Autoren der Studie und Wissenschaftler an der Stern School of Business der New York University sowie Direktor am Center for the Globalization of Education and Management der Stern School. Dies sei wichtig, weil Menschen, die das Ausmaß der internationalen Vernetzung überschätzten, tendenziell größere Bedenken im Hinblick auf mögliche negative Auswirkungen hätten. „Die Fakten aus unserer Studie können derartigen Bedenken entgegenwirken und helfen, die Aufmerksamkeit auf tatsächliche Lösungen für gesellschaftliche Sorgen im Zusammenhang mit Globalisierung zu lenken“, so Altman.

Die Studie zeige, dass nur rund 20 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung exportiert werden, etwa sieben Prozent der Telefonminuten auf internationale Gespräche entfallen und lediglich drei Prozent der Menschen in einem anderen Land als ihrem Geburtsland leben. Auch die Überzeugung, dass Entfernungen keine Rolle mehr spielen, widerlege der Bericht.

Die meisten Länder pflegen einen deutlich intensiveren Austausch mit ihren Nachbarstaaten als mit entfernter gelegenen Nationen, so Altman. Wenn man den Sorgen der Menschen klare Daten entgegen stelle, könne das helfen.

Die Studie zeige, dass trotz fortschreitender Globalisierung überall auf der Welt noch immer enorme unausgeschöpfte Potenziale für eine stärkere Vernetzung bestehen, sagte John Pearson, Vorstandsmitglied der Post und Leiter von DHL Express: „Die zunehmende internationale Zusammenarbeit wirkt stabilisierend.“ Daher könnten sowohl Unternehmen als auch Länder enorm vom Ausbau ihrer internationalen Verbindungen profitieren.

Rückgang der Kapitalflüsse prognostiziert

Die Global-Connectedness-Studie gibt nach Aussage der Autoren den ersten umfassenden Überblick über die Entwicklung der Globalisierung in 169 Ländern und Territorien seit dem Brexit-Referendum in Großbritannien und der Präsidentschaftswahl in den USA im Jahr 2016.

Das Jahr brachte für den Welthandel neue Herausforderungen. Handelsstreitigkeiten zwischen Europa und den USA sowie zwischen China und Europa und der Brexit sind Grund für Unsicherheit in der Weltwirtschaft. Und das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Für 2018 deutet sich eine Dämpfung der Zunahme im Index an, erläuterte Altman. Der Welthandel wächst mit einem geringeren Tempo, aber die Handelsströme würden genauso weiter zulegen wie grenzüberschreitende Information- und Personenflüsse. Lediglich für die Kapitalflüsse sei ein Rückgang absehbar.