Bonner Investor setzt auf Leichtflugzeuge

Frank Thelen investiert in elektrischen Senkrechtstarter

Bonn. Der elektrisch angetriebene Flugapparat soll für Berufspendler und als Flug-Taxi geeignet sein und hat jetzt seinen Jungfernflug absolviert. Bis zur Markteinführung dauert es noch.

Jeder, der öfter im Stau steht, hat sich wohl schon gewünscht, zur Arbeit fliegen zu können. Mehrere Dutzend Firmen arbeiten weltweit an der Entwicklung leicht zu bedienender Flugapparate. Der Bonner Investor Frank Thelen setzt auf das Münchner Start-up-Unternehmen Lilium, das nach eigener Aussage den weltweit ersten elektrisch angetriebenen Senkrechtstarter entwickelt hat.

Der Lilium-Jet sei das einzige elektrische Flugzeug, das sowohl senkrecht starten und landen als auch vorwärts fliegen könne, indem es seine Flügel wie ein normales Flugzeug zum Auftrieb nutze. Mit dieser Fähigkeit verbrauche der Jet bis zu 90 Prozent weniger Energie als drohnenähnliche Luftfahrzeuge. Dadurch könne der Lilium-Jet eine Reichweite von über 300 Kilometern mit einer Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern erreichen. Doch bis der Jet auf den Markt kommt, werden noch Jahre vergehen.

Thelen hat sich, wie er sagt, „mit einem zweistelligen Prozentanteil“ an der jungen Firma beteiligt. Über Bayern hat der Lilium-Jet jetzt seinen unbemannten Jungfernflug absolviert. Dazu gehörten auch komplexe Manöver wie der nahtlose Übergang vom Schwebeflug in den Vorwärtsflug. Der 41-Jährige ist Vorstandschef der Bonner Risikokapital-Firma e42. Er finanziert und unterstützt technologieorientierte Jungunternehmer in der Frühphase ihrer Unternehmen. Seit 2014 ist Thelen einer von fünf Investoren der Vox-Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“, in der junge Unternehmer finanzkräftige Geldgeber von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen versuchen.

Der Kontakt zu den Münchner kam ohne Fernsehsendung zustande: Daniel Wiegand, Sebastian Born, Patrick Nathen und Matthias Meiner haben 2015 Lilium gegründet und arbeiten seitdem mit Hochdruck an der Entwicklung des Luftfahrzeugs. „Daniel Wiegand und seine Mitgründer sind das eindrucksvollste Gründerteam, das ich in meiner bisherigen Karriere erlebt habe“, sagt Thelen.

Auch Atomico, die Investmentfirma von Skype-Gründer Niklas Zennström, haben die Münchner Gründer überzeugt. Zennström hat zehn Millionen Euro in das Start-up investiert, wie er im Dezember bekanntgab. Unterstützung erhält die Firma auch durch ein Inkubatorprogramm der Europäische Weltraumorganisation (ESA).

„Das erfolgreiche Flugtest–Programm zeigt, dass unser innovatives technisches Design genauso funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, meinte Lilium-Vorstandschef Daniel Wiegand. Jetzt könne sich das Team an die finale Entwicklung des fünfsitzigen Flugzeugs begeben. Der Jet solle besonders das Leben aller Berufspendler leichter machen. Das Reisen mit dem Lilium-Jet werde mindestens fünfmal schneller sein als mit dem Auto und vor allem in überfüllten Städten viel effizienter. Das Starten und Landen benötige nur einen kleinen offenen Platz oder eine Fläche auf dem Flachdach eines Gebäudes. Ein Flug von Manhattan zum John F. Kennedy International Airport in New York werde nur rund fünf Minuten dauern anstatt der üblichen 55 Minuten mit dem Auto.

Im Flug sei der Energieverbrauch des Jets pro Kilometer vergleichbar zu dem eines elektrischen Autos. Die Kombination von minimaler Infrastruktur auf dem Boden und energieeffizientem Fliegen mache es möglich, einen Flug-Taxiservice zu vergleichbaren Preisen anzubieten wie Auto-Taxis. Passagiere sollen einen Flug per App buchen können.

„Lilium wurde in der Überzeugung gegründet, dass Fliegen als Alltags-Transportmittel für jeden erschwinglich sein sollte und nicht nur für diejenigen, die sich ein Flugzeug kaufen können“, so Weigand. Die Möglichkeit, mit dem Jet, dessen Preis noch nicht bekannt ist, große Distanzen in kurzer Zeit und zu geringen Kosten zurückzulegen, werde es Menschen ermöglichen, weiter entfernt von ihrem Arbeitsplatz zu leben.

Auch andere Firmen arbeiten an Flugzeugen, die leicht zu bedienen sind. Noch ist der Preis nichts für Jedermann. Das niederländische Unternehmen Personal Air and Land Vehicle (PAL-V) bietet das Unternehmen nach eigenen Angaben ab sofort mit dem Modell „Liberty“ das erste serienproduzierte fliegende Auto weltweit an – für 499 000 Euro. 20 Stück sollen noch Ende 2018 ausgeliefert werden. Es ist eine Mischung aus Motordreirad und Gyrocopter, bei dem anders der Rotor durch den Fahrtwind in Drehung versetzt wird.

Flugexperten sind noch skeptisch, was die Entwicklung fliegender Autos betrifft. Das Fraunhofer-Institut: „Trotz der vielen Fortschritte und sichtbaren Erfolge in Form von Demonstratoren und Prototypen besteht jedoch noch ein großer Forschungsbedarf, bis diese tatsächlich massentauglich sind.“

Auch die Lilium-Gründer wissen, dass sie noch einen langen Atem brauchen: „Es wird noch mehrere Jahre dauern, bis wir auf dem Markt sind“, sagt Wiegand. Investor Frank Thelen beglückwünschte die Jungunternehmer zum Jungfernflug: Das Lilium-Team sei bedeutend Schritt für die deutsche Gründerszene. „Für mich repräsentieren sie den Pioniergeist, den Deutschland braucht, um weiterhin weltweit führend im Bereich Mobilität zu bleiben.“