Konzernumbau

Ford streicht Stellen

Ford-Werk in Köln-Niehl: Dort wird der Fiesta gebaut.

Ford-Werk in Köln-Niehl: Dort wird der Fiesta gebaut.

Köln. Der Autobauer Ford kämpft mit roten Zahlen im Europageschäft. Jetzt will der Konzern einen Umbau angehen - Stellenabbau inklusive. Tausende Jobs sind gefährdet.

Konkreter hätte es Ford-Betriebsratschef Martin Hennig doch gerne gehabt. Im am Donnerstag von Ford-Europa angekündigten Umbauplan fehlt ihm auch die strategische Perspektive. Letztlich brauche die durchaus verunsicherte Belegschaft konkrete Aussagen, wie das Unternehmen sich in der Neuausrichtung der Autoindustrie mit einer zunehmenden Bedeutung der Elektromobilität positionieren wolle. Positiv bewertet er, dass Ford Gesamtkosten in den Blick nehmen will und strukturelle Probleme angeht. Ford will Kosten senken, effizientere Strukturen schaffen und sein Produktangebot verbessern, um mittelfristig, wie Europachef Steven Armstrong sagte, eine Gewinnmarge von sechs Prozent erzielen zu können. Dabei werden auch massiv Stellen gestrichen, Armstrong sprach in einer Telefon-Konferenz von einem signifikanten Abbau, machte aber keine konkreten Angaben.

„Personalüberhänge“ sollen abgebaut werden

Der US-Autobauer, der sein Europageschäft von Köln aus steuert, spricht in einer Mitteilung von „Personalüberhängen“ im gewerblichen und im kaufmännischen Bereich, die abgebaut würden. Das solle „so weit wie möglich durch freiwillige Auflösung von Arbeitsverhältnissen“ erreicht werden. Das Unternehmen wolle dazu Gespräche mit Betriebsrat und den Gewerkschaften führen. Ford hat rund 52 000 Mitarbeiter in Europa, rund 24 000 in Deutschland. Angesichts dieser Zahl dürften Tausende Stellen wegfallen. Der Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach erwartet einen Abbau von etwa zehn Prozent der Stellen in den nächsten zwei Jahren. Das wären dann rund 5000 in Europa. Ford hat ehrgeizige Kostensenkungsvorstellungen weltweit. Bis zum Jahr 2022 sollen mehr als 25 Milliarden Dollar eingespart werden. Und um die angestrebte Gewinnmarge von sechs Prozent in Europa zu erreichen, muss das Ergebnis bei einem Umsatz von 28,5 Milliarden Dollar auch um zwei Milliarde gedreht werden.

Auto-Experte kritisch

Bei der Modellpalette setzt Ford auf profitablen Wachstumssegmente wie etwa leichte Nutzfahrzeuge, wo Ford stark unterwegs ist, und sportliche Geländewagen. Andere Modellreihen sollen optimiert oder sich von ihnen zurückgezogen werden. Jedes Modell soll künftig eine elektrifizierte Variante erhalten, vom Mild-Hybrid, mit dem wenige Kilometer elektrisch gefahren werden können, bis zu batterie-elektrischen Autos. Dass diese Maßnahmen ausreichen, bezweifelt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg Essen. „Ford kann mit dieser Aufstellung nicht in die Zukunft gehen“, sagt er. Die Entwicklungskosten seien zu hoch für die Zahl der Fahrzeuge, die Ford für den europäischen Markt baue. Er kann sich eine Aufspaltung des Unternehmens in eine Nutzfahrzeugsparte vorstellen, die Ford weiter führe. Für die Pkw benötige Ford einen Partner. Finde der sich nicht, kann er sich auch einen Rückzug von Ford aus dem Pkw-Geschäft in Europa vorstellen.

Dass Ford einen Kooperationspartner für die Pkw braucht, glaubt auch Bratzel. „Stand heute bleibt Ford in Europa“, sagt er. Das Geschäfts müsse aber nachhaltiger angelegt werden. Herausforderungen gibt es dabei genug. Neue Modelle müssen her, in autonomes Fahren und die E-Mobilität muss investiert werden. Und dann droht auch noch ein Brexit, der Ford mit seinem hohen Marktanteil in Großbritannien und Motorenwerken dort besonders treffen würde.