Geldflut der EZB

Europäische Zentralbank plant Ende der Anleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt betreibt seit Jahren eine sehr lockere Geldpolitik, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt betreibt seit Jahren eine sehr lockere Geldpolitik, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Frankfurt. Die Hinweise mehren sich, dass die Europäische Zentralbank das Programm bald einstellt. Seit 2015 hat die Notenbank Anleihen und Wertpapiere von gut 2,3 Billionen Euro am Markt gekauft. Jetzt sind bestimmte Grenzen erreicht.

Es könnte spannend werden an diesem Donnerstag, wenn der Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank zusammentritt, um über die Geldpolitik zu beraten. Denn die Hinweise mehren sich, dass die EZB wohl ihr Anleihekaufprogramm allmählich zurückfahren wird. Noch im April hatte EZB-Präsident Mario Draghi versichert, der Rat habe die nächsten Schritte der Geldpolitik nicht diskutiert. Vergangene Woche aber sagte Peter Praet, Chefvolkswirt der EZB, man werde am Donnerstag diskutieren, ob das Kaufprogramm für Anleihen fortgesetzt werden solle.

Seit dessen Beginn 2015 hat die Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von gut 2,3 Billionen Euro am Markt gekauft. Mit dieser Liquiditätsflut hat sie dazu beigetragen, dass die Wirtschaft im Euroraum wieder in Schwung gekommen ist und Jobs aufgebaut wurden. Das Wichtigste aber ist für die EZB die Inflationsrate, die sie knapp zwei Prozent sehen will, damit Preisstabilität gegeben ist. Die Preise stiegen im Mai gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent nach 1,2 Prozent im April, getrieben jedoch vor allem durch höhere Energiepreise. Doch zu dem stärkeren Preisdruck trage auch der Wirtschaftsaufschwung in den Staaten der Währungsunion bei, der sich in höheren Löhnen bemerkbar mache, sagte Praet.

„Es ist nicht ganz klar, ob die EZB kalte Füße bekommt und das Anleiheprogramm auslaufen lassen will, bevor es zu spät ist oder ob sie einfach beweisen will, dass sie sich an die Makrodaten halten will“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba. Doch die Konjunkturindikatoren im Euroraum haben in der letzten Zeit eher enttäuscht, hinzu kommt die politische Unsicherheit in Italien. Deshalb vermutet Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, dass die EZB allein aus rechtlichen Überlegungen ein Ende der Anleihekäufe zum Jahresende ankündigen werde.

Ökonomen rechnen weiter mit negativem Zinssatz

Der Grund: Sie darf nicht mehr als ein Drittel der Anleihen eines einzelnen Staats halten. In Deutschland hat sie diese Marke fast erreicht, aber auch in Frankreich, Spanien und Italien ist diese Grenze nicht mehr weit entfernt. Allerdings bedeutet das Ende der Anleihekäufe noch nicht, dass die EZB damit nicht noch weiter präsent ist. Denn sie wird ihre auslaufende Anleihen wieder neu anlegen. Damit bleibt die Geldpolitik also locker.

Dass die EZB nach einem möglichen Ende des Kaufprogramms bald die Zinsen erhöhen werde, damit rechnen die Finanzmärkte nicht. Denn die Kerninflationsrate, in der die schwankungsanfälligen Preise für Lebensmittel und Energie nicht berücksichtigt sind, ist bisher kaum gestiegen. Sie schwankt aktuell um ein Prozent. Hinzu kommen die Probleme Italiens. Die neue italienische Regierung dürfte das Haushaltsdefizit eher erhöhen statt zu sparen, vermutet Krämer. Dass sich diese Erwartung bisher nicht allzu stark in den Renditen italienischer Staatsanleihen gezeigt hat, dürfte auch an der Notenbank und ihrem Anleihekaufprogramm liegen.

All das sind Gründe für mittelfristig niedrige Zinsen: Ökonomen glauben, dass die EZB den Einlagenzinssatz erst ab Mitte 2019 schrittweise erhöht. Somit würde der Zinssatz auf längere Sicht negativ bleiben – er liegt aktuell bei -0,4 Prozent. Auch wenn die EZB ihr Kaufprogramm auf absehbare Zeit beenden wird, so dürfte sie doch darauf bedacht sein, sich von der amerikanischen Geldpolitik weiter abzukoppeln. Die hat längst mit der Straffung begonnen, an diesem Mittwoch, also einen Tag vor dem EZB-Rat, wird die amerikanische Notenbank Fed wahrscheinlich die Leitzinsen weiter erhöhen. Deshalb ist das Niveau der Renditen in den USA höher als im Euroraum. Begänne die EZB ebenfalls mit der Straffung, müsste sie jedoch damit rechnen, dass dann die Renditen im Euroraum schneller steigen könnten als von ihr gewünscht, erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. Steigende Zinsen aber machen Kredite teurer, ebenso die Rückzahlung der Schulden. Das würde der Wirtschaft im Euroraum wieder einen Dämpfer versetzen.