Bezahlen im Internet

EU-Richtlinie: Reiseportale kassieren weiter ab

Einige Urlauber beschweren sich über Reiseportale im Internet, die trotz neuer Rechtslage Gebühren für Zahlfunktionen erheben.

Einige Urlauber beschweren sich über Reiseportale im Internet, die trotz neuer Rechtslage Gebühren für Zahlfunktionen erheben.

Bonn. Einige Anbieter im Internet ignorieren eine EU-Richtlinie zu Bezahlfunktionen. Denn egal, ob Visakarte, Girokarte oder Lastschrift: Händler dürfen eigentlich keine Gebühren mehr erheben.

Bei einem großen Reiseportal kostet ein Flug von Köln nach Fuerteventura 234 Euro, wenn der Kunde mit Mastercard bezahlt. Wer Besitzer einer Visakarte ist, hat das Nachsehen und zahlt 16 Euro mehr – 250 Euro. Ein Flug, zwei Preise – je nachdem, mit welcher Kreditkarte der Kunde bei der Buchung zahlt. Eigentlich ist genau das seit dem 13. Januar dieses Jahres nicht mehr erlaubt. Einige Reiseportale bitten den Kunden offenbar dennoch zur Kasse. Denn wie die Verbraucherzentrale NRW bestätigt, handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall.

Bis Mitte Januar war es so, dass Händler – egal ob on- oder offline – mindestens eine kostenlose Bezahloption anbieten mussten. Die Umsetzung einer EU-Richtlinie verbietet allerdings künftig so gut wie alle Gebühren. Das heißt, das Bezahlen per Überweisung, Lastschrift, aber auch mit den gängigen Kreditkarten wie zum Beispiel Master- und Visacard, darf keinen Einfluss auf den Endpreis zum Beispiel bei einer Buchung haben. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Darunter fällt auch American Express.

„Uns liegen Beschwerden über einige Flug- und Reiseportale vor, dass diese sich nicht an die neuen Vorschriften halten“, erklärt Michelle Jahn von der Verbraucherzentrale NRW auf Anfrage des General-Anzeigers. Namen möchte die Verbraucherzentrale derzeit nicht nennen. Denn obwohl die Lage eigentlich klar scheint, könnten Anbieter mit geschickten Tricks damit durchkommen. Wie Jahn erklärt, machen es ein paar Reiseanbieter folgendermaßen: Anstatt eine Gebühr auf bestimmte Bezahlmethoden zu erheben, gewähren sie auf einige einen Rabatt. Aber eben nicht auf alle. Ein Rabatt ist offiziell nicht verboten. „Diese Fälle beobachten wir kritisch“, so Jahn.

Da es noch keine Rechtsprechung zu dem Thema gibt, sei eine Bewertung dieser Fälle nicht ganz einfach. Aus der Sicht der Verbraucherschützer sind solche Rabattsysteme allerdings eine klare Umgehung. Bei Anbietern, die keine zusätzlichen Gebühren oder Rabatte ausweisen, ist allerdings auch nicht zu kontrollieren, ob sie eine unsichtbare Preiserhöhung vollzogen haben.

„Ebenfalls unklar ist bisher, wie es sich mit Paypal verhält“, erklärt Jahn. Es sei nicht eindeutig klar, ob Händler dafür Gebühren erheben dürften oder nicht. Allerdings hat Paypal im Januar seine AGB sowieso geändert. Demnach untersagt das Unternehmen Händlern für die Nutzung des Bezahldienstes Gebühren zu verlangen. Was der Verbraucher tun kann? Er kann versuchen, seine Gebühr zurückzufordern. „Am besten schriftlich. Es ist aber die Frage, ob das Unternehmen darauf eingeht oder man erst rechtliche Schritte einleiten muss“, so Jahn.

Die Wettbewerbszentrale hat auf ihrer Internetseite www.wettbewerbszentrale.de ein Beschwerdeformular eingerichtet, bei der Verbraucher und Gewerbetreibende entsprechende Fälle melden können, bei denen das Gesetz nicht eingehalten wird. Die Wettbewerbszentrale setze sich dann – notfalls per Klage – für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ein, heißt es.