Nach Monsanto-Urteil in den USA

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will schnellen Glyphosat-Ausstieg

Vor der Fusion von Bayer und Monsanto gab es viele Proteste.

Vor der Fusion von Bayer und Monsanto gab es viele Proteste.

Berlin. Nach dem Urteil gegen Monsanto in den USA wird die Diskussion in Deutschland um den Einsatz von Glyphosat wieder intensiver. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) fordert ein rasches Ende.

Nach dem Urteil eines amerikanischen Geschworenengerichts gegen den Glyphosat-Anbieter Monsanto hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf einen schnellen Ausstieg aus der Anwendung entsprechender Pflanzenschutzmittel in Deutschland gedrängt: „Wir haben als Regierung einen klaren Auftrag aus dem Koalitionsvertrag, den Glyphosat-Einsatz in dieser Legislaturperiode grundsätzlich zu beenden“, sagte Schulze unserer Redaktion.

Es sei wissenschaftlich belegt, dass Glyphosat maßgeblich die natürliche Artenvielfalt beeinträchtige. „Umweltpolitisch ist deshalb die Beendigung der massenhaft zum Einsatz kommenden glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel unbedingt erforderlich“, sagte die Ministerin.

Monsanto soll 250 MillionenEuro zahlen

Eine Geschworenenkammer in San Francisco hatte Monsanto zu einer Zahlung von umgerechnet 250 Millionen Euro an einen 46-jährigen Mann verurteilt, der an Lymphdrüsenkrebs leidet und seine Erkrankung auf Glyphosat zurückführt. Das Gericht hatte den Zusammenhang zwischen dem Einsatz des Unkrautvernichters und der Krebserkrankung als erwiesen angesehen. In den Vereinigten Staaten wird nun eine Flut von Sammelklagen Tausender anderer Betroffener gegen Monsanto erwartet.

Schulze rief ihre Kabinettskollegen Julia Klöckner (CDU, Landwirtschaft) und Jens Spahn (CDU, Gesundheit) dazu auf, die Einschätzung des US-Gerichts zum Krebsrisiko durch Glyphosat zu prüfen. Das Urteil beziehe sich auf Krebsrisiken, die zuletzt von den zuständigen europäischen Behörden verneint worden seien, so Ministerin Schulze. „Ich bin sicher, dass die für Fragen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes und für die Gesundheitspolitik insgesamt zuständigen Ministerien für Landwirtschaft und Gesundheit sich die Einschätzungen des US-Gerichtes sehr genau daraufhin ansehen werden, ob eine veränderte Beurteilung des Krebsrisikos durch Glyphosat auch bei uns in Europa erforderlich ist“, sagte die Umweltministerin.

Das Ressort von Klöckner teilte mit, dass man sich grundsätzlich nicht zu Gerichtsurteilen äußere. Die Bundesministerin habe bereits im April einen Verordnungsvorschlag vorgelegt, mit dem der Einsatz von Glyphosat deutlich eingeschränkt werden solle.