Neues Marktstammdatenregister

Bundesnetzagentur sorgt für transparenteren Energiemarkt

Wer Sonnenkollektoren auf dem Dach hat und ans öffentliche Netz angeschlossen ist, muss sich im Marktstammdatenregister anmelden.

Wer Sonnenkollektoren auf dem Dach hat und ans öffentliche Netz angeschlossen ist, muss sich im Marktstammdatenregister anmelden.

Bonn. Ein neues Register der Bundesnetzagentur erfasst alle Strom- und Gaserzeuger bis zum privaten Selbstversorger. Die Bonner Behörde verspricht weniger Bürokratie.

Achim Zerres vergleicht die Energiewende mit einem Unternehmen, das zu schnell gewachsen sei. „Es ist nicht auf einem abgestimmten, soliden Stand“, erklärt der Abteilungsleiter Energieregulierung bei der Bundesnetzagentur. Früher nahmen auf dem Strom- und Gasmarkt 400 bis 500 Akteure teil, heute sind es zwei Millionen. Zu den großen Versorgern mit ihren Kohle- und Gaskraftwerken sind inzwischen 1,7 Millionen Photovoltaik-Anlagen hinzugekommen. Darüber hinaus gibt es zehntausende Windkrafträder und Biogasanlagen. Alle Marktteilnehmer müssen sich ab Ende Januar im neuen Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur anmelden.

Mehr als zwei Jahre hat die Bonner Behörde an dem Projekt gearbeitet. Ziel ist die Beschneidung des Wildwuchses an Meldepflichten für die Erzeuger, Händler, Netzbetreiber und Dienstleister bis hinunter zu den Betreibern einer Kleinstanlage mit Sonnenkollektoren auf dem Privathaus. Auch Notstromaggregate und ortsfeste Batteriespeicher (keine Batterien von E-Autos) müssen registriert werden. Die Netzagentur hofft, am Ende exakte Zahlen zu den Anlagen wie ihren Standorten und die technischen Daten zu erhalten. Das sei etwa sehr wichtig für die weitere Entwicklung der Übertragungsnetze, die den überschüssigen Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands transportieren, so Zerres.

Klein bleibt nicht klein

„Das Kleine kann nur vernachlässigt werden, wenn es klein bleibt“, erklärt Peter Stratmann, Referatsleiter Erneuerbare Energien in der Netzagentur, die das Register am Mittwoch in Bonn vorstellte. Stratmann bezieht das auf die Selbstversorger, die ihren Strom auf dem Dach oder durch Sonnenkollektoren im Garten erzeugen. Durch ihre Masse beeinflussen sie heute den Markt sehr wohl. Wegen des Datenschutzes werden die persönlichen Daten der Anlagenbetreiber im neuen Register nicht frei zugänglich sein, bei Kollektoren, die weniger als 30 Kilowatt-Peak erzeugen, auch nicht der genaue Standort.

Stratmann verspricht, dass die Registrierung nicht länger als 20 Minuten dauert, wenn man alle Angaben einschließlich der technischen Datenblätter zur Hand habe. Was die Qualität der Daten angeht, soll das IT-Programm in der Lage sein, unplausible Zahlen sehr schnell zu erkennen. Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW kritisiert, dass das Marktstammdatenregister für Selbstversorger erst einmal einen „Zusatzaufwand“ bedeute. Im Gegenzug müsse der Gesetzgeber jetzt die rechtlichen Hürden für gemeinschaftliche Stromeigenversorger beseitigen. „Die Anforderungen an die Meldepflichten sind an manchen Stellen geradezu grotesk“, erklärt Sieverding.

Weitere Infos über das Marktstammdatenregister Internet und über die Hotline: 0228/14-3333