Neuzulassungen

Automarkt in Europa brummt

Neuer Rekord: Im März wurden in Europa so viele Autos zugelassen wie nie in einem Frühlingsmonat.

Neuer Rekord: Im März wurden in Europa so viele Autos zugelassen wie nie in einem Frühlingsmonat.

FRANKFURT/M. Vor allem die Zahl der Neuzulassungen in Italien ist gestiegen. In Deutschland profitiert Daimler.

Es brummt auf dem europäischen Automarkt. Im März wurden 1,89 Millionen Autos neu zugelassen, so viel wie nie in einem Frühlingsmonat und 11,2 Prozent mehr als im März vorigen Jahres. Der europäische Autoherstellerverband Acea, der diese Zahlen am Mittwoch veröffentlichte, gestand aber ein, dass auch ein Kalendereffekt geholfen habe: Im vorigen Jahr habe Ostern im März gelegen, dieses Jahr im April. Es kann also sein, dass die Zulassungszahlen im April nicht so berauschend werden.

Stark gestiegen sind die Neuzulassungen im März vor allem in Italien (plus 18,2 Prozent), aber auch in Spanien (plus 12,6 Prozent) und mit ebenfalls überdurchschnittlichen 11,4 Prozent in Deutschland. Die großen deutschen Marken hatten daran teil, vor allem Daimler. Die Stuttgarter verkauften im Vorjahresvergleich im März 12,7 Prozent mehr Autos und BMW 7,7 Prozent mehr.

VW steigerte die Verkäufe immerhin um 6,5 Prozent. Die Wolfsburger mussten mit diesem unterdurchschnittlichen Verkaufserfolg zwar einen Prozentpunkt beim Marktanteil abgeben. Doch kamen 21,3 Prozent aller Neuzulassungen aus dem VW-Konzern. Er blieb der größte Hersteller in Europa. Daimler steigerte seinen Marktanteil um 0,1 Prozentpunkte auf 5,9 Prozent. BMW gab 0,2 Prozentpunkte ab, blieb aber mit 6,7 Prozent Marktanteil in Europa größer als Daimler.

Fern von diesen Märkten, bei der Automesse im chinesischen Shanghai, versuchte der deutsche Branchenverband VDA die Marktmacht der deutschen Hersteller kleinzureden. VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig gestand zwar ein, fast jedes fünfte Auto, das weltweit gebaut werde, trage eine deutsche Konzernmarke. Doch seien von den 15,8 Millionen Pkw, die unter diesen Marken voriges Jahr gebaut worden waren, 10,1 Millionen an ausländischen Standorten gefertigt worden, „also fast doppelt so viel wie im Inland“, so Bräunig. Die Branche spürt aus Amerika, China und auch ans europäischen Partnerländern Kritik wegen angeblich zu hoher Exportleistung.

In Schanghai bekräftigten aber alle relevanten Hersteller und Zulieferer, in China wachsen und auch dort produzieren zu wollen. Dem Land wird noch mindestens zehn Jahre ein Wachstum von fünf Prozent und mehr auf dem Automarkt zugetraut. „China ist die Zukunft für alle“, sagt etwa Jürgen Pieper, der Autoanalyst des Bankhauses Metzler. Am Mittwoch wurde nochmals deutlich, dass auch Zulieferer dorthin drängen. Bosch gab bekannt, künftig mit dem chinesischen Internetkonzern Baidu und den beiden dortigen Kartenherstellern AutoNavi und NavInfo zusammenzuarbeiten. Bosch-Sensoren sollen die Daten liefern, die ein Kartenhersteller und letztlich ein Konstrukteur selbstfahrender Autos braucht.

Selbst der fränkische Familienkonzern Schaeffler, bekannt für so boden- wie rückständige Dinge wie Wälzlager, will verschärft im Bereich Elektromobilität investieren. Für die kommenden Jahre sollten 1200 neue Ingenieure eingestellt werden. Denn Elektro- und Hybridfahrzeuge dürften schon 2030 einen Marktanteil von 70 Prozent haben, schätzte Schaeffler-Vorstand Klaus Rosenfeld im „Handelsblatt“.

Kommt es so, wird das auch die Beschäftigung revolutionieren. Denn ein elektrischer Antrieb besteht nur aus einem Zehntel der Teile, die in einem Verbrennungsmotor verbaut werden. Das bedroht auch die Beschäftigung: Von den rund 880 000 Beschäftigten im hiesigen Fahrzeugbau sind 250 000 im Bereich Antriebe tätig. Hätten E-Autos im Jahr 2030 einen Marktanteil von etwa 25 Prozent, würden damit mehr als 60 000 Arbeitsplätze überflüssig.