Konsum in der Kritik

Aktivisten wollen Primark nicht in Bonn

Primark-Filiale in Berlin

Blick in eine neu eröffnete Primark-Filiale in Berlin. Foto: Britta Pedersen/Archiv

Bonn. Fördert die Modekette eine Wegwerfkultur? Bonner Aktivisten stellen sich gegen die Ansiedlung von Primark am Hauptbahnhof.

Mit T-Shirts für drei Euro kann sich Gisela Burckhardt nicht anfreunden. „Billig ist eigentlich teuer, weil viele Kosten sozialisiert werden“, kritisiert die Buchautorin („Todschick: Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“). So müsse die Gesellschaft beispielsweise für Umweltschäden aufkommen, die die Bekleidungsindustrie verursacht.

Die Frauenrechtlerin stellt sich mit anderen Bonner Aktivisten gegen die Ansiedlung von Primark am Hauptbahnhof: „Für eine Fair-Trade-Stadt wie Bonn ist die Ansiedlung einer Billigkette an so einer prominenten Stelle einfach unmöglich“, sagt Burckhardt.

Primark verkörpert für sie eine verwerfliche Wegwerf-Kultur: „Was nicht mehr getragen wird, landet in der Tonne“, kritisiert Burckhardt, die sich in der Kampagne für „Saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign) engagiert. „Das Prinzip des Billigen ist für die ganze Stadt katastrophal.“ „Wenn Primark die Preise vorgibt, ziehen die anderen nach“, sagt sie. Darunter litten vor allem die Näherinnen, die in den Produktionsländern wie Bangladesch zu Hungerlöhnen arbeiten müssten.

Doch Burckhardt räumt ein, dass auch ein höherer Preis für den Kunden keine Garantie beinhaltet, dass ein Kleidungsstück unter fairen Bedingungen hergestellt wurde. Burckhardt verweist auf den Einkaufsführer des Vereins Femnet über fair produzierte Kleidung in Bonn (www.femnet-ev.de), der die Sortimente verschiedener Modehändler bewertet. „Es gibt auch einen Gegentrend zu billig“, sagt die Aktivistin. „In Bonn gibt es mehrere kleine Geschäfte, die sich auf fair gehandelte Kleidung spezialisiert haben.“

Mit bundesweit rund 100 Mitgliedern setzt sich das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ für bessere Produktionsbedingungen in der Bekleidungsindustrie ein. Zu dem Zusammenschluss zählen Organisationen wie Verbraucherzentralen und Bekleidungsunternehmen, darunter auch Discounter wie Aldi, Lidl oder NKD.