Weitere Krankmeldungen

Air Berlin muss erneut Flüge in Köln/Bonn streichen

Düsseldorf/Berlin. Piloten der insolventen Fluglinie versuchen, mit Massenkrankmeldung Druck auszuüben. Allein in Köln/Bonn fielen 45 Flüge am Dienstag aus. Am Mittwoch gibt es erneut dutzende Flugausfälle - auch am heimischen Flughafen.

Die Krise bei Air Berlin spitzt sich weiter zur: In einer offensichtlich konzertierten Aktion haben sich am Dienstag rund 200 Piloten der insolventen Fluggesellschaft flugunfähig gemeldet. In der Folge fielen bundesweit zahlreiche Flüge aus, Tausende Passagiere waren betroffen.

Allein in Düsseldorf mussten rund 100 Flüge gestrichen werden – darunter praktisch alle Langstreckenflüge wie nach Miami, New York, Fort Myers oder Boston. Am Airport Köln/Bonn waren laut Flughafen 45 Flüge betroffen, davon 21 Air-Berlin- und 24 Eurowings-Flüge. Eurowings setzt gemietete Air-Berlin-Maschinen und Crews ein. Auch für Mittwoch gibt es wieder viele Flugausfällen, da sich erneut Piloten krankgemeldet haben. So mussten am Mittwochmorgen bereits 32 Flüge gestrichen werden.

Der Flughafen Köln/Bonn sei mit neun Flügen (vier Starts und fünf Landungen) der Fluggesellschaft Eurowings betroffen, die bei Air Berlin Flugzeuge mit Besatzung gemietet hatte, teilte der Airport auf Anfrage mit. Es könne im Laufe des Tages zu weiteren Unregelmäßigkeiten kommen, heißt es weiter.

"Die Ereignisse gefährden das Insolvenzverfahren"

Das Unternehmen reagierte mit scharfen Worten auf die Aktion. „Das, was wir bei einem Teil der Belegschaft sehen, ist ein Spiel mit dem Feuer“, sagte Thomas Winkelmann, Vorstandsvorsitzender von Air Berlin. Frank Kebekus, der für ein korrektes Insolvenzverfahren zuständige Generalbevollmächtigte, erklärte: „Die Ereignisse gefährden das gesamte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung massiv. Wenn sich die Situation nicht kurzfristig ändert, werden wir den Betrieb und damit jegliche Sanierungsbemühungen einstellen müssen.“ Intern ergänzte Kebekus in einem unserer Redaktion vorliegenden Brief an die Mitarbeiter, dann würde die „vollständige Liquidation der Air Berlin“ drohen – alle Flugrechte würden an Wettbewerber wie Ryanair fallen.

Hintergrund des Krankmeldungen ist der Streit darüber, zu welchen Bedingungen Piloten und Mitarbeiter zu anderen Unternehmen wechseln, falls diese, wie erhofft, Betriebsteile von Air Berlin übernehmen. Die Vereinigung Cockpit (VC) fordert einen Übergangstarifvertrag für alle Piloten, der ältere, sehr gut verdienende Kollegen bevorzugen würde. Aber der Lufthansa-Ableger Eurowings und andere Interessenten an Air Berlin, wie beispielsweise Condor, sind nur bereit, neue Mitarbeiter in bereits abgeschlossene Tarifverträge zu integrieren – lange Berufserfahrung will zumindest Eurowings anrechnen.

Die Störungen im Flugbetrieb gefährden die Rettung von Firmenteilen dagegen weiter: „Die Leute sägen den Ast ab, auf dem sie selber sitzen“, sagt der Hamburger Insolvenzverwalter Jörn Weitzmann, „der laufende Betrieb inklusive der Landerechte ist sowieso der wesentliche Wert an Air Berlin. Und dass bei einem Verkauf von Betriebsteilen alte Tarifverträge nicht einfach weitergelten, ist für die Käufer sehr wichtig.“ Zum Vergleich: Ein Kapitän bei LTU als Teil von Air Berlin erhält laut Branchenschätzungen im Jahr 227.000 Euro Bruttolohn, bei Eurowings sind es 173.000 Euro im Jahr.

Auch Jörg Herling, Betriebsratschef der Düsseldorfer Technik von Air Berlin, ist alles andere als begeistert: „Die Situation ist schon schlimm genug. Solche Aktionen machen die Lage aber noch schwerer für die Belegschaft.“

Kosten von bis zu fünf Millionen Euro

Eine interne Schätzung bei Air Berlin geht davon aus, dass die Flugausfälle vom Dienstag kurzfristig vier bis fünf Millionen Euro gekostet haben. Von „purem Gift“ für die Zukunft des Unternehmens spricht der Generalbevollmächtigte Kebekus. Denn der Imageschaden sei gewaltig, nun werde es noch schwerer, bis Freitag gute Angebote für den Fortbetrieb von möglichst großen Teile von Air Berlin zu erhalten – bis zum 21. September soll dann auch entschieden werden, welche Interessenten welche Teile von Air Berlin erhalten. Die Vereinigung Cockpit stritt jede Mitverantwortung ab: Es handele sich um eine „spontane Aktion“ der Piloten. Diese sind allerdings fast alle Mitglied bei Cockpit.