„RWE will Energie-Feuerwehr sein“

Düsseldorf ·

 RWE-Vorstandsvorsitzender Rolf Martin Schmitz war von 2006 bis 2009 Chef der Rheinenergie.

RWE-Vorstandsvorsitzender Rolf Martin Schmitz war von 2006 bis 2009 Chef der Rheinenergie.

Foto: picture alliance / dpa

Die Zukunftsgeschäfte haben Sie in die Innogy abgespalten. Macht es Spaß, Chef einer Resterampe zu sein?

Martin Schmitz: Die Aufgabe macht einen Riesenspaß. Wir haben jetzt ein klares Geschäftsmodell, nämlich für Versorgungssicherheit zu sorgen. Das sagen wir auch in unserem neuen Motto: Zukunft. Sicher. Machen. In der Belegschaft herrscht Aufbruchstimmung.

Mit einem Plus von 30 Prozent seit Jahresbeginn führt die RWE-Aktie den Dax an. Unter Peter Terium war sie abgestürzt. Was können Sie besser als Ihr Vorgänger?

Schmitz: Peter Terium und ich haben gemeinsam mit dem erfolgreichen Börsengang der Innogy dafür die Basis gelegt. Und nach einer langen Talfahrt ist es immer leichter, zuzulegen. Zugleich erkennen die Anleger nun deutlich unser Geschäftsmodell und finden es überzeugend. Das habe ich vergangene Woche auch auf der Roadshow bei Investoren in USA und Kanada gespürt.

Viele RWE-Blöcke verdienen aber kein Geld. Und Hartz IV für Kraftwerke wird es nicht geben, hat Minister Gabriel einst gesagt.

Schmitz: Wir wollen keine Staatshilfe, sondern wir wollen, dass Versorgungssicherheit einen Preis bekommt ...

... den der Stromkunde bezahlen soll.

Schmitz: Das ist wie mit der Feuerwehr. Die bezahlen die Bürger auch, um abgesichert zu sein. RWE will die Energie-Feuerwehr sein. Wir sind in Deutschland der größte Betreiber von Gaskraftwerken, die man besonders leicht zuschalten kann.

Wie teuer würde ein Kapazitätsmarkt werden, wie es heißt, wenn Versorger allein für die Bereitstellung von Kraftwerken Geld bekommen?

Schmitz: Wir gehen davon aus, dass ein Kapazitätsmarkt für Deutschland zwei Milliarden Euro pro Jahr kosten könnte. Das ergibt sich aus den Erfahrungen in Großbritannien. Zwei Milliarden sind nicht viel gemessen daran, dass der Stromkunde Versorgungssicherheit für alle Tage bekommt, an denen keine Sonne scheint und kein Wind weht. Es ist auch nicht viel gemessen daran, dass Stromkunden 25 Milliarden Euro im Jahr für die Ökostrom-Förderung zahlen. Im Übrigen wird so vermieden, dass bei Stromknappheit die Preise durch die Decke gehen.

Trotz Ökostrom-Boom hat es bisher noch keinen Blackout gegeben. Warum sollte der Bund etwas tun?

Schmitz: Bis 2022 werden alle Kernkraftwerke abgeschaltet und über 70 weitere Kraftwerke stillgelegt. Damit fallen in Deutschland mehr als 30 von 107 Gigawatt Kapazität weg. Um künftig Ausfälle zu verhindern, brauchen wir ein verändertes Marktdesign.

Womit will RWE in 30 Jahren sein Geld verdienen?

Schmitz: Wir sind der Garant für Versorgungssicherheit, und wir setzen auf Märkte, in denen wir Erfahrung haben. Wir schauen uns auch an, wo wir vielleicht punktuell Zukäufe tätigen können. Dabei interessieren uns Kraftwerke ebenso wie große Batteriespeicher.

Geld brauchen Sie auch für den Atomfonds. 6,8 Milliarden sind bis Juli fällig. Woher nehmen Sie es?

Schmitz: Der Börsengang von Innogy hat uns 2,6 Milliarden Euro in die Kasse gespült, auch Mittel aus dem Dea-Verkauf hatten wir zur Seite gelegt. Wir können das zahlen.

Lassen Sie denn nun die Klage gegen Schäubles Atomsteuer fallen?

Schmitz: Nein, an der Klage halten wir fest. Wir haben 1,7 Milliarden Euro Brennelemente-Steuer gezahlt. Aber diese Klage hat nichts mit der Entsorgung des Atommülls zu tun.

Die Bundestagsfraktionen haben ein Fallenlassen aber gefordert.

Schmitz: Im März haben wir die Verträge zum Atomfonds paraphiert. Darin haben wir zugesagt, die Klagen im Zusammenhang mit dem Moratorium und der Entsorgung fallen zu lassen. Zur Brennelementesteuer sagen die Verträge nichts. Hier warten wir gespannt auf die Entscheidung des Verfassungsgerichts.

RWE ist der größte Emittent von Kohlendioxid (CO2) in Europa. Macht es Freude, einen Klimakiller zu führen?

Schmitz: Bis 2030 werden die CO2- Emissionen unserer Braunkohlekraftwerke um 40 bis 50 Prozent gegenüber heute zurückgehen. Auch der weitere CO2-Minderungspfad ist im Einklang mit den europäischen Klimazielen. Ich kenne keinen anderen Sektor, der so klar und so konsequent CO2 reduziert. Nun kommt es darauf an, dass auch andere Sektoren wie der Verkehr einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Umweltministerin will bis 2035 aus der Braunkohle aussteigen, die Grünen bis 2025. Ginge das?

Schmitz: Nein, wir brauchen Braunkohle für die Versorgungssicherheit. Dem Klima würde es nicht helfen, wenn RWE weniger Braunkohle verfeuerte. Da die Zahl der Verschmutzungszertifikate in Europa nicht sinkt, würden dann eben andere mehr CO2 emittieren.

Aber selbst Verdi denkt über einen sozialverträglichen Ausstieg bis 2040 nach. Warum so dogmatisch?

Schmitz: Wir halten an unseren Plänen fest, bis Mitte des Jahrhunderts die Tagebaue im rheinischen Revier zu betreiben. Bis dahin ist es noch lange hin. Ob wir am Ende wirklich alle Braunkohle zur Stromerzeugung nutzen, die uns die Leitentscheidung der Landesregierung zugesteht, werden wir sehen.

Im rheinischen Revier sorgt man sich vor weiterem Stellenabbau. Können Sie den ausschließen?

Schmitz: Unser Sparprogramm Neo läuft wie geplant: Bis 2020 sollen in der gesamten Erzeugung 2300 Stellen abgebaut werden, davon 800 bis 1000 Stellen in Braunkohle-Kraftwerken, die bis 2023 in die Reserve gehen. Über die 2300 Stellen hinaus ist kein weiterer Abbau geplant.

RWE hat seine Anleger, vor allem die Kommunen, zuletzt mit Dividenden-Ausfall verprellt. Nun haben Sie für 2017 wieder eine Dividende versprochen. Können Sie das halten?

Schmitz: Ja, wir sind gut ins neue Jahr gestartet. Wir wollen für das laufende Jahr eine Dividende von 50 Cent für Stamm- und Vorzugsaktien zahlen – und zwar aus dem laufenden Geschäft und ohne in die Reserven zu greifen. Für 2018 soll die Dividende mindestens so hoch ausfallen.

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