Di Fabio als Grünkohlkönig

Wirtschaftspolitischer Club ehrt den Ex-Verfassungsrichter aus Bonn

Udo Di Fabio lehrt Staatsrecht an der Bonner Universität.

BONN. Diesen gedanklichen Bogen muss ein Redner erst einmal hinkriegen: vom Grünkohl zur Freiheit. Dass einer wie Udo Di Fabio diese Herausforderung mit brillantem Wortwitz zu meistern versteht, war dem Wirtschaftspolitischen Club Deutschland wohl klar: Und so erkor der traditionsreiche Verein den Bonner Staatsrechtslehrer und Publizisten am Freitagabend zum mittlerweile 45. Grünkohlkönig.

Der 1952 in Bonn gegründete, mittlerweile in Berlin ansässige Club ist eine Kommunikationsplattform für Wirtschaftsverbände, Politiker, Diplomaten und Bundesbeamte. Unter den früheren Grünkohlkönigen finden sich Walter Scheel, Johannes Rau und Jürgen Rüttgers. Anders als sein Laudator, Deutsche-Welle-Intendant Erik Bettermann, vermutete, ist Di Fabio mit der grünen Köstlichkeit gut vertraut.

In Duisburg aufgewachsen, bekam er das Gericht als Kind häufig vorgesetzt. Für ihn sei Grünkohl ein kulinarisches Sinnbild für Alltagsvernunft, sagte der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht in seiner ironischen Dankesrede im Restaurant "Zur Lese". "Es ist ein Statement für Bodenhaftung, und die hat unsere Gesellschaft dringend nötig."

Di Fabio nahm die Schuldenstaaten Südeuropas und die europäische Finanzpolitik ins Visier. Schilderte, wie er ein Sparbuch für seine Töchter einrichten wollte und ihnen kaum erklären konnte, warum sie bei einer Inflation um die zwei Prozent und Zinsen von 0,15 Prozent ihr Geld nicht lieber ausgeben sollten.

Seit den 70er Jahren habe der Westen verlernt, "dicke Bretter zu bohren", um seine Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Stattdessen stiegen die Steuern in Deutschland in "beispiellose Höhen", kritisierte Di Fabio, weil Politiker stets über ein "Einnahmeproblem" klagten.

Mehr Bodenhaftung (siehe Grünkohl) sei nötig. Für Investitionen mehr Geld auszugeben als man habe, sei kurzfristig in Ordnung. Aber den Konsum über Kredite zu finanzieren - das führe in die Unfreiheit. Da war er, der gedankliche Bogen.