"Wir finden keine deutschen Erntehelfer"

<b>Zur Spargelernte</b> werden im Vorgebirge wieder hunderte von polnischen Erntehelfern allein in Bornheim anpacken. Die Diskussion um deutsche Helfer auf den Feldern können die meisten Bauern nicht verstehen.

<b>Zur Spargelernte</b> werden im Vorgebirge wieder hunderte von polnischen Erntehelfern allein in Bornheim anpacken. Die Diskussion um deutsche Helfer auf den Feldern können die meisten Bauern nicht verstehen.

Bauern der Region berichten von negativen Erfahrungen mit hiesigen Saisonarbeitern - Ohne die Polen läuft die Ernte von Erdbeeren und Spargel nicht

Region. Es wirkt fast wie ein Beitrag zur Völkerverständigung: Wenn die deutschen Landwirte der Region von ihren polnischen Erntehelfern reden, schwingen stets warme Töne mit, hört man nur Positives: "Zuverlässigkeit", "Arbeitseifer", "Kompetenz" - die Polen werden mit großem Lob überschüttet und sind jedes Jahr aufs Neue herzlich willkommen, wenn der Spargel gen Tageslicht schießt und sich die Erdbeeren leuchtend-rot färben.

Für die Vorstöße von Politikern und Arbeitsagenturen, verstärkt deutsche Arbeitslose in der Ernte einzusetzen, können sich die Landwirte der Region dagegen nicht begeistern. "Wir würden Deutsche sogar bevorzugt einstellen", meinte zwar der Mertener Landwirt Elmar Schmitz-Hübsch auf Anfrage des General-Anzeigers, "aber wir finden einfach keine."

Denn die Landwirte machen mit den deutschen Erntehelfern Jahr für Jahr nur negative Erfahrungen, wie eine Umfrage bei hiesigen Bauern ergab. "Das ist ziemlich frustrierend: Die Deutschen kommen an, sind oft alkoholisiert und schlecht gelaunt, holen sich ihren Stempel ab, und spätestens nach zwei Tagen auf dem Feld sind sie nicht mehr zu sehen - allerspätestens, wenn der erste Regen fällt", berichtet Bio-Bauer Heinz Bursch aus Bornheim-Waldorf.

Denn die Arbeit, die etwa die Spargel- oder Erdbeer-Bauern von ihren Erntern verlangen, ist hart: "Morgens um fünf Uhr gehen wir auf das Feld, bei vielen Aufträgen auch schon mal samstags und sonntags, bei Sonnenschein und Regen", so Erdbeer-Produzent Ralf Hensen aus Swisttal-Mömerzheim. Dann wird geerntet, zehn Stunden lang, meist in gebückter Haltung. "Für viele Deutsche ist das eine untergeordnete Arbeit, die sie nicht gerne machen."

Dabei würde Hensen, der bis zu 200 Polen gleichzeitig auf seinem Hof unterbringt, gerne bürokratischen Aufwand für die Bestellung und Sozialversicherung der Erntehelfer sowie teure Unterbringungskosten sparen.

Wenn Bauer Schmitz-Hübsch jedoch das Schild "Erntehelfer gesucht" an die Straße hängt, melden sich zwar Deutsche, oft zehn Mann am Tag. "Die wollen aber alle nur schwarz arbeiten", meint der Mertener enttäuscht.

Josef Klein, Präsident des "Provinzialverbands der Rheinischen Obst-und Gemüsebauer", kennt die Nöte seiner Kollegen aus eigener Erfahrung. Ihm gehen ebenfalls in seinem Herseler Apfelhof Polen beim Pflücken zur Hand. "Aber die Situation für die Familien der Landwirte ist nicht eben einfach, wenn mal wegen schlechter Witterung nicht gearbeitet werden kann und dann die Stimmung einiger hundert unbeschäftigter Männer auf dem Hof sinkt", so Klein.

"Da hätten wir gerne einen höheren Prozentsatz von Deutschen, die dann nicht einen so langen Weg nach Hause haben." Die Bundesrepublikaner waren jedoch vor fünf Jahren nicht einmal mit der Drohung, das Arbeitslosengeld zu kürzen, auf das Feld zu bringen, erinnert sich Peter Muß, Vize-Geschäftsführer des Provinzialverbandes: "Die Resonanz war sehr gering. Nur ein Viertel nahm die Arbeit auf, und bis auf ganz wenige Ausnahmen brachen sie alle nach ein paar Tagen wieder ab." 303 000 ausländische Erntehelfer arbeiteten 2004 in Deutschland.

Sparen können die Landwirte an den Helfern aus dem Osten nicht: Gezahlt wird nach Tarif, derzeit 5,17 Euro pro Stunde. "Zu motivierten Deutschen würde sicher keiner Nein sagen, aber wir brauchen zuverlässige Mitarbeiter. Und das ist nun einmal ein Vorteil der Osteuropäer: Die sind noch mehr körperliche Belastung gewöhnt", meint Josef Klein.

Die Politiker macht er darauf aufmerksam, dass mit Saisonarbeit der Arbeitsmarkt nicht dauerhaft entlastet werden könne: "Die einzigen festen Arbeitsplätze haben wir in den Bereichen Verpackung, Vertrieb und Verkauf. Die sind aber gefährdet, wenn die Saisonarbeit nicht zuverlässig funktioniert." Die zurzeit geführte politische Debatte über das Thema hält er für ein reines Ablenkungsmanöver, um scheinbar einfache Lösungsmöglichkeiten anzubieten, die Zahl von fünf Millionen Arbeitslosen abzubauen.

Bauer Hensen wäre trotzdem bereit, es wieder mit heimischen Erntehelfern zu versuchen. "Aber nur, wenn uns die dabei vielleicht entstehenden Schäden ersetzt würden." Bei den letzten Versuchen vor einigen Jahren hätten nämlich Kollegen von ihm die Ernte ganzer Felder verloren, weil nicht genügend Helfer erschienen waren und der Spargel ungestochen bis ans Tageslicht durchbrechen konnte.

"Ich muss aber bei den heutigen Qualitätsansprüchen perfekte Ware abliefern" - deswegen zahle er den Polen auch einen Bonus für gute Ernteergebnisse. 2011 sei der Spuk sowieso am Ende: Ab dann dürfen die Bürger des EU-Staates Polen das ganze Jahr in Deutschland arbeiten.