Unruhe im Bärchenland

Wie Haribo in der Grafschaft mit Schwierigkeiten kämpft

Der Goldbär ist das bekannteste Haribo-Produkt. In Deutschland schrumpfte der Absatz zuletzt. FOTO: DPA

Der Goldbär ist das bekannteste Haribo-Produkt. In Deutschland schrumpfte der Absatz zuletzt. FOTO: DPA

Bonn. Lieferprobleme, Personalwechsel und Zucker-Kritik: Haribo will nach einem schwierigen Jahr wieder Fuß fassen. Im laufenden Jahr will das Management unter Hans Guido Riegel wieder an alte Zeiten anknüpfen.

Das waren noch Zeiten, als Thomas Gottschalk sich bei „Wetten, dass...“ die Goldbären in den Mund stopfte und Hans Riegel in der Kessenicher Versuchsküche Comicfiguren aus dem Kinderfernsehen in Fruchtgummi nachbaute. Die Ära des scheinbar mühelosen Wachstums ist in der Haribo-Welt jedoch vorbei. Zumindest hat der Umbau vom Bönnschen Familienunternehmen zum internationalen Konzern mit Sitz auf der Grafschaft im vergangenen Jahr deutliche Spuren hinterlassen.

Die Aufräumarbeiten dauern an. So sind die Lieferprobleme, die eine SAP-Einführung verursacht hat, noch nicht komplett gelöst. Das Ausgangsniveau sei „bei einem Großteil der Produkte wieder erreicht“, teilt Haribo auf Anfrage mit, „die aktuelle Lieferquote hat sich stark verbessert“. Dass Süßwarenregale in den Supermärkten leer bleiben mussten war für den Marktführer ein Desaster. Die Lieferschwierigkeiten seien größer als erwartet gewesen, räumt das Unternehmen ein.

Sie dürften jedoch nicht die einzige Ursache für den Umsatzrückgang in Deutschland im vergangenen Jahr gewesen sein, den Haribo nicht näher beziffern möchte. Ein WDR-Bericht über unfaire Praktiken bei Haribo-Zulieferern von Gelatine und dem Trennmittel Carnauba-Wachs dementierte der Konzern zwar, aber ein Sturm der Entrüstung von Kunden im Internet blieb dem Bärchenhersteller nicht erspart und mag einigen Konsumenten nachhaltig den Appetit verdorben haben. Dazu kommt: Zucker ist out.Ein Trend, auf den Haribo spät reagiert hat. Erst im vergangenen Jahr hat der Konzern nach eigenen Angaben zuckerreduzierte Produkte auf den Markt gebracht und verweist auf „ein buntes Sortiment in unterschiedlichen Verwendungsgrößen“, um auch Gesundheitsaposteln das Naschen zu ermöglichen. Gleichzeitig brachten Supermarktketten schon eigene Produktreihen mit weniger süßen Süßigkeiten auf den Markt. Bei Haribo sieht man auch den langen und heißen Sommer als Schuldigen, der den Deutschen im vergangenen den Appetit auf Gummibärchen und Co. gezügelt hat.

Im laufenden Jahr will das Management unter Hans Guido Riegel wieder an alte Zeiten anknüpfen. „Unser Fokus wird stärker auf unserem Kernsortiment und hier vor allem auf unseren Top-Produkten Goldbären, Color-Rado imd Pico-Balla liegen“, heißt es aus der Konzernzentrale. Damit die Bärchen reibungslos vom Band laufen, soll die Produktion auf der Grafschaft in diesem Jahr „sukzessive hochgefahren werden, bis die Vollauslastung in einem Drei-Schicht-System erreicht ist“, heißt es weiter. Nach der Beseitigung von Mängeln am Neubau war die Fertigung an dem Standort mit 50 000 Quadratmetern Nutzfläche offiziell gestartet. Die Weichen sind also bei Haribo gestellt, welche Führungsmannschaft den Plan weiter verfolgt, wird sich zeigen. Seit dem Tod des Patriarchen Hans Riegel im Jahr 2013 gab es in der Chefetage zahlreiche Wechsel. Zuletzt verließ Konzernsprecher Sven Jacobsen das Unternehmen, die Pressearbeit solle sich vermehrt dem Thema Nachhaltigkeit widmen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Arndt Rüsges, bisher für das Deutschland-Geschäft zuständig, soll sich nun um das neue Bärchen-Werk in den USA kümmern. Zahlreiche andere Manager verließen in den vergangenen Monaten den Konzern.

Auch von Gottschalk-Nachfolger Michael „Bully“ Herbig als bezahltem Bärchen-Fan hat sich Haribo verabschiedet und sein Konzept des prominenten „Markenbotschafters“ durch andere Werbespots ersetzt. Jetzt futtern in einem Business-Meeting Manager mit Kinderstimmen die traditionsreichen Gummibärchen. Ob das die Deutschen wieder auf den Geschmack bringt, wird sich im Jahresverlauf zeigen.