Zusammenarbeit der Uni Bonn und Jerusalem

Warum sich Preise schnell ändern

Preise für Flugtickets ändern sich kurzfristig. FOTO: DPA

Preise für Flugtickets ändern sich kurzfristig.

BONN. Die Preise für Flugtickets ändern sich äußerst kurzfristig. Welche Optimierungsmethoden sich zur Preisfindung für solche knappen und kurzlebigen Güter anwenden und wie sie sich weiter verbessern lassen, untersuchten Benny Moldovanu von der Universität Bonn und Alex Gershkov von der Hebrew University in Jerusalem.

Beide Wirtschaftswissenschaftler haben das Buch "Dynamic Allocation and Pricing - A Mechanism Design Approach" veröffentlicht, das nun im Verlag "MIT Press" erschienen ist. Gerade hat man im Internet ein verlockendes Angebot für einen Flug von Frankfurt nach New York ausgemacht und möchte wenige Minuten später buchen - doch dann wird ein ganz anderer Preis angezeigt. "Solche Angebote wirken auf den ersten Blick wie ein Lotteriespiel - doch dahinter stecken Computerprogramme, die für ein begrenztes Angebot nach dem angemessenen Preis suchen", sagt Moldovanu, Sprecher der Bonn Graduate School of Economics (BGSE) und Leiter des Instituts für Mikroökonomik der Universität Bonn. Gemeinsam mit seinem israelischen Kollegen Alex Gershkov hat er mit mathematischen Modellen die Hintergründe zur Preisbildung von knappen, kurzlebigen Gütern bei stark fluktuierender Nachfrage untersucht.

Zurück zum konkreten Beispiel: Das Ziel der Fluggesellschaften ist, für die Plätze im Flugzeug einen möglichst hohen Preis zu erzielen. "Bei den Flugtickets handelt es sich um ein verderbliches Gut, wie etwa einen Joghurt aus dem Supermarkt", sagt Moldovanu. Denn es gibt nur eine begrenzte Zahl an Sitzplätzen, und der Flug findet an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit statt - wer also zu lange wartet, hat nichts mehr davon.

Wie immer in der Marktwirtschaft bestimmen die Nachfrage und das Angebot den Preis. "Die Unternehmen wissen aber gar nicht, wie viele Interessenten es für einen solchen Flug gibt. Sie versuchen deshalb, aus dem Buchungsverhalten Rückschlüsse auf das Kaufinteresse insgesamt zu ziehen", sagt der Ökonomie-Professor der Uni Bonn. Computerprogramme werten deshalb ständig Daten aus: Manche Software zählt etwa, wie viele Internetnutzer bestimmte Angebote anklicken. Bei anderen Anbietern kann man zum Beispiel eingeben, wie viel man für den Flug zu zahlen bereit ist. Liegt das Angebot des Interessenten unter dem vom Computerprogramm zum jeweiligen Zeitpunkt errechneten Preis, bekommt der Käufer nicht den Zuschlag. Sinkt der Preis später, wird dem Bieter automatisch eine Nachricht mit dem neuen Ticketpreis zugestellt. Er kann dann entscheiden, ob er jetzt bucht.

Viele Computerprogramme nutzen zur Preisgestaltung bereits Daten zum Kundenverhalten. Die beiden Autoren gehen weit darüber hinaus und stellen in ihrem Buch ein an dynamische Verhältnisse angepasstes theoretisches Modell für die optimale Preisfindung und Zuteilung der Güter vor. Moldovanu ist eine internationale Kapazität auf dem Gebiet des Mechanismus-Designs.

Alex Gershkov, Benny Moldovanu: Dynamic Allocation and Pricing - A Mechanism Design Approach, Verlag MIT Press, 208 S., 35 US-Dollar.