Flughafen Köln/Bonn

Vor zehn Jahren flog die erste Maschine von Germanwings nach London

Ein Airbus der Fluggesellschaft Germanwings landet auf dem Flughafen Köln/Bonn.

KÖLN/BONN. Der Start war turbulent. Am 27.Oktober 2002 flog die erste Germanwings-Maschine im Sturm von Köln/Bonn nach London. Damit begann der Billigflug am Flughafen Köln/Bonn. Dafür stark gemacht hatte sich Michael Garvens, seit Februar 2002 Flughafen-Geschäftsführer. Damit setzte er sich gegen kritische Stimmen im Aufsichtsrat durch, die befürchteten, Billigflieger könnten etablierte Airlines vertreiben.

Und ertragen musste er auch den Spott des Nachbarn Düsseldorf, der erklärte, bei ihm gebe es Feinkost, in Köln/Bonn Low-Cost.Aber die Idee vom billigen Fliegen elektrisierte. Wer früh buchte, kam für 19 Euro nach Rom oder Paris. Das Taxi zum Flughafen war meist teurer. Ab November startete auch die Tui-Tochter Hapag-Lloyd-Express aus der Wahner Heide und machte den Flughafen damit zum Drehkreuz für die Billigflieger in Deutschland. Der Flughafen selbst erwachte aus dem Dornröschenschlaf. Gerade einmal 5,4 Millionen Fluggäste hatte er im Jahre 2002.

Da ging es in den Terminals ausgesprochen gemächlich zu. 7,8 Millionen Fluggäste zählte der Airport bereits 2003 und wurde damit der am schnellsten wachsende Flughafen Deutschlands. Terminal 1 wurde um den Starwalk erweitert, zahlreiche neue Geschäfte siedelten sich an. Tausende Parkplätze wurden gebaut, der Flughafenbahnhof eingeweiht. Und weitere Gesellschaften siedelten sich an, darunter Easyjet und in diesem Jahr auch Ryanair.

2007 übersprang die Zahl der Fluggäste die Marke von zehn Millionen. 1922 Beschäftigte hatte die Flughafengesellschaft, rund 250 mehr als fünf Jahre zuvor. Insgesamt 12.500 Menschen arbeiteten 2007 in Köln/Bonn, viele davon im Frachtflug, dem zweiten Standbein. Andererseits fühlen sich immer mehr Anwohner durch Fluglärm belästigt, auch wenn die Zahl der Flugbewegungen seit 2005 um rund 25.000 auf knapp 131.000 im vergangenen Jahr gesunken ist.

Freilich erfüllten sich nicht alle Hoffnungen von Garvens. Die Billigflieger sollten so viele Fluggäste nach Köln/Bonn bringen, dass Fluggesellschaften hier auch Langstreckenverbindungen einrichten. Continental nahm 2006 auch eine Verbindung nach New York auf, stellte sie nach gut zwei Jahren aber wieder ein. Auch eine Verbindung nach Rio gibt es nicht mehr, erhoffte Flüge kamen bislang nicht zustande. Seit 2007 geht auch die Zahl der Fluggäste zurück. Im laufenden Jahr erwartet Garvens noch 9,3 Millionen Passagiere.

Dabei ist nicht etwa die Idee des Billigflugs gescheitert. Der ist zwar längst nicht mehr so billig wie vor zehn Jahren, er setzt seinen Siegeszug in Europa aber fort. Die Billig-Airlines haben sich etabliert, sagt Flughafenchef Michael Garvens. Mehr als jeder dritte Flug in Deutschland sei inzwischen "Low-Cost". "Und auch in Zukunft werden die Low-Cost-Airlines ihren festen Platz am Himmel haben, denn gerade auf Kurz- und Mittelstrecken zählt heute für die meisten Passagiere vor allem eins: der Preis", sagte Garvens.

Vielmehr haben andere Flughäfen das zunächst belächelte Konzept von Köln/Bonn kopiert.

Machen Sie mit!
Der Start des ersten Billigfliegers vor genau zehn Jahren hat einen Boom ausgelöst: mehr Flüge, mehr Passagiere und mehr Jobs am Flughafen Köln/Bonn. Das ist gut für die Wirtschaft in der Region. Fragt sich aber: Ist es auch gut für die Anwohner und für die Umwelt? Und: Hat sich die Idee des preiswerten Fliegens grundsätzlich bewährt? Vermisst noch jemand besonderen Komfort an Bord, solange das Ticket für den Flug nach London, Rom oder Istanbul erschwinglich bleibt? Diskutieren Sie mit uns im Aktionsblog des General-Anzeigers unter blog.ga-bonn.de