Do-It-Yourself-Jubiläum auf rheinisch

Vor 50 Jahren eröffnete der erste Knauber-Markt in Bonn

Bonn. Vor 50 Jahren gründete Carl Ernst Knauber in Bonn seinen„Hobby Markt“. Heute zählt das Unternehmen 800 Mitarbeiter.

Im Jahr 1967 reist der Bonner Unternehmer Carl Ernst Knauber nach Amerika. Was ihn in den USA beeindruckt, beschreibt er wenig später in einem Aufsatz mit dem Titel „Meine Gründe, einen Hobby-Markt zu eröffnen!“ Während 1968 die Studentenbewegung an der Gesellschaftsordnung rüttelt, will der Geschäftsmann das amerikanische Do-It-Yourself-Prinzip im deutschen Einzelhandel umsetzen.

Vor 50 Jahren eröffnete er den ersten Knauber-Markt an der Endenicher Straße. Die Kunden sollten sich als Hobby-Bastler selbst verwirklichen und dabei noch das Geld für den Handwerker sparen: „Selbst der Mann, der schon in den besten Jahren ist, kann plötzlich noch eine wahre Leidenschaft für ein Handwerk entdecken und damit den Platz finden, an dem er uneingeschränkt Herrscher ist“, schreibt Knauber. Denn: „Der erfreuliche Effekt, den eine Eigenanfertigung für die Haushaltskasse hat, erklärt noch nicht allein die weltweite Verbreitung des Hobbygedankens.“

„Wir haben unsere Nische gefunden“

Die Beweggründe der Kunden mögen heute andere sein, aber der Grundgedanke der Knauber-Märkte hat sich über ein halbes Jahrhundert gehalten: Zu einem klassischen Baumarktsortiment kommen Hobbyartikel von Bastelzubehör über Handarbeitswaren bis hin zu Pflanzen und Küchenutensilien. „Es geht nach wie vor um Kreativität“, sagt Ines Knauber-Daubenbüchel, die das Familienunternehmen in vierter Generation führt.

Heute betreibt Knauber sechs Filialen in Ahrweiler, Bensberg, Bonn, Bad Godesberg, Pulheim und Troisdorf sowie einen Online-Shop. Die Hobby-Märkte wurden in Freizeit-Märkte umgetauft, die sich von den großen Baumarktketten durch ihr Sortiment und eine besonders personalintensive Beratung absetzen wollen. „Wir haben unsere Nische gefunden“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin.

Offenbar funktioniert das stark regional ausgerichtete Konzept – alle Knauber-Filialen liegen maximal 100 Kilometer im Umkreis von Bonn – nicht überall. In Montabaur hat das Unternehmen im vergangenen Jahr eine Filiale geschlossen. Als Ursache für das Aus nennt Knauber-Daubenbüchel zum einen eine „verschärfte Wettbewerbssituation“ an dem Standort. Zum anderen gefiel das in Bonn zusammengestellte Warensortiment in Montabaur offenbar nicht, was die Unternehmerin auf eine „andere Kultur und Mentalität im Westerwald“ zurückführt. Auch den Versuch, mit kleineren Läden für Hobbyköche („Estella KochLust“) in Innenstädten zu punkten, hat Knauber abgebrochen. Die Filialen in Köln und Münster wurden 2016 geschlossen. „Wir wollten damit ein Franchise-System aufbauen, aber das hat nicht funktioniert“, zieht Knauber-Daubenbüchel Bilanz.

Heute konzentriere sich das Unternehmen auf die Digitalisierung des Geschäfts, sagt die Bonnerin. Mit der Eröffnung des eigenen Onlineshops 2013 gehört Knauber zwar nicht zu den Vorreitern der Branche. Bei innovativen digitalen Ladenkonzepten gelten die Bonner jedoch als fortschrittlich. In der Endenicher Filiale testet Knauber eine vom Bonner Softwarehaus Tarent entwickelte App, die noch in diesem Jahr den Kunden ermöglichen soll, ihre Ware per Handy selber abzurechnen und zu bezahlen. „Es sind viele Funktionen denkbar, wir finden gerade heraus, was die Kunden wollen“, sagt Knauber-Geschäftsführer Alexander Peinemann. In Pulheim bei Köln betreibt Knauber einen Test-Markt, in dem neue Technologien für den Einzelhandel ausprobiert werden. Gerade für die Hobbybastler und Handarbeiter unter den Knauber-Kunden seien außerdem die Auftritte des Unternehmens bei Internet-Diensten wie Instagram oder Pinterest wichtig, sagt Geschäftsführer Peinemann. Denn Selbstgemachtes werde gerne der Online-Öffentlichkeit präsentiert.

Das Unternehmen Knauber ist deutlich älter als seine Freizeitmärkte. Im Jahr 1880 gründeten Anna und Michael Knauber in Bonn ihr Kolonialwarengeschäft. Sie handelten mit Haushaltswaren, Futtermitteln und Brennstoffen. 1901 gründeten ihre Söhne Karl und Josef die Firma „Gebrüder Knauber“ und übernahmen das elterliche Geschäft. Die zweite Generation der Unternehmerfamilie Knauber spezialisierte sich auf den Handel mit Energieträgern. 1923 eröffneten sie in Endenich die erste Tankstelle im Rheinland unter der Bezeichnung „Westtank“.

1949 stieg mit Carl Ernst Knauber die dritte Generation in die Geschäftsführung ein. Er wandte sich vom Kohlehandel der neuen Geschäftssparte Flüssiggas zu. Noch heute wird der Jahresumsatz der Knauber Holding von rund 450 Millionen Euro vorwiegend im Energiehandel erwirtschaftet. Knauber verkauft unter anderem Erdgas, Heizöl, Strom und Holzpellets. Die Bonner betreiben Tankstellen und bieten komplette Energieversorgungskonzepte für Wärme- und Kälteanlagen an.

Gesellschafterin Ines Knauber-Daubenbüchel ist mit dem Unternehmen aufgewachsen. „Als Fünfjährige habe ich schon die Briefmarken im Büro von den Umschlägen ausgeschnitten“, erinnert sie sich. Im Gegensatz zu ihren zwei älteren Brüdern sei ihr immer klar gewesen, dass sie im elterlichen Geschäft arbeiten möchte. „Es ist mir wichtig, dass wir ein regionales Familienunternehmen bleiben“, sagt sie.