Bonner von Floerke bleibt bei Spirituosenhandel

Von Floerke verkauft Alkohol bei Amazon

Mit Fliege: Firmengründer David Schirrmacher vom Start-up Von Floerke.

Mit Fliege: Firmengründer David Schirrmacher vom Start-up Von Floerke.

Bonn. Nach Lieferkrise und Filialschließungen setzt das Bonner Start-up von Floerke auf einen neuen Vertriebsweg für seinen umstrittenen Spirituosenhandel.

Mit dem Vertrieb von Spirituosen hat das Bonner Herrenmode-Start-up von Floerke nicht die besten Erfahrungen gesammelt. Nachdem die durch bunte Fliegen und Einstecktücher bekannt gewordene Firma im vergangenen Oktober in den Onlinehandel mit Hochprozentigem eingestiegen ist, sind Image und Geschäftsbetrieb ramponiert. Kunden warten seit Monaten auf bereits bezahlte Ware, die Läden in besten Innenstadtlagen von Köln, Düsseldorf und Münster sind – zumindest vorübergehend – geschlossen, die großen Handelsketten haben von Floerke ausgelistet.

Trotzdem kann sich der Bonner Jungunternehmer David Schirrmacher offenbar nicht von seiner neuen Geschäftsidee trennen. Von Floerke bietet jetzt auch über den Online-Handelsriesen Amazon Spirituosen von Gin bis Wodka an. Von Floerke verspricht dabei nicht nur „garantiert der Günstigste“ zu sein, sondern auch den Versand innerhalb von 24 Stunden.

Die Reaktionen der Kunden im Internet, die seit Monaten auf ihre Lieferungen warten oder ihr Geld bereits über den Bezahldienst Paypal mühsam zurückgeholt haben, sind entsprechend kritisch: „Bin ein geduldiger Mensch, aber sowas geht gar nicht. Selbst die Chinesen liefern schneller und sind kommunikativer“, lautet einer der gemäßigteren Kommentare auf die neue Vertriebsoffensive von Floerkes. Auch die Staatsanwaltschaft Bonn beschäftigt sich mit dem Unternehmen, unter anderem wegen Vorwürfen des Betrugs und der Insolvenzverschleppung.

Amazon wollte sich am Donnerstag auf Anfrage nicht zu von Floerke konkret äußern, verwies aber auf eine Garantie, dass der Konzern Kunden seiner Handelsplattform Marketplace das Geld für nicht erhaltene Ware erstatte. „Alle Amazon-Marketplace-Verkäufer müssen sich an unsere Verkaufsbedingungen halten – erlangen wir Kenntnis über einen Verstoß, ergreifen wir entsprechende Maßnahmen, die die Schließung des Verkäufer-Kontos beinhalten können“, so eine Amazon-Sprecherin.

Floerke-Anteilseigner Frank Thelen hält sich bedeckt

Außerdem müssten Verkäufer auf dem Amazon-Marktplatz einen nicht näher definierten „Prüfprozess“ durchlaufen. Was von Floerke sich von dem neuen Vertriebsweg verspricht, bleibt offen. Denn Jung-Gründer David Schirrmacher äußert sich seit Wochen nicht mehr öffentlich zur Zukunft seines Unternehmens.

Auch am Freitag blieb eine Anfrage des General-Anzeigers unbeantwortet. Lediglich auf Facebook versucht das Unternehmen, die aufgebrachten Kunden zu beruhigen. 85 Prozent der eingegangenen Bestellungen seien mittlerweile bearbeitet, hieß es dort am Donnerstag. Außerdem wurden die Käufer auf ein neues Beschwerdeformular hingewiesen, mit dem das alte Auftragschaos aufgearbeitet werden soll.

Auch der Bonner Floerke-Anteilseigner Frank Thelen hält sich bedeckt, wenn es um die turbulenten Geschäfte seines Schützlings geht. Die Beteiligung könnte sich für Thelen, der weiterhin in der TV-Show „Höhle der Löwen“ als Investor und Berater von Unternehmensgründern auftritt, zum Image-Desaster ausweiten. Nach Medienberichten will er daher so schnell wie möglich und ohne Rücksicht auf Verluste seine Anteile an von Floerke loswerden. Von Thelens Homepage ist das Investment längst verschwunden. Auf Anfrage wollte sich der Investor am Donnerstag zu einem Ausstieg nicht äußern.

Dass sich Käufer für das angeschlagene Bonner Unternehmen finden, galt lange als unwahrscheinlich. Nach einem Bericht des Internetblogs Deutsche-startups.de soll Schirrmacher derzeit jedoch mit einem noch ungenannten Investor verhandeln, der von Floerke übernehmen möchte – allerdings ohne Jungunternehmer und Gründer Schirrmacher als Geschäftsführer.