Pharma-Unternehmen Krewel Meuselbach

Vom Pulver zur Pille

EITORF. Das Eitorfer Pharma-Unternehmen Krewel Meuselbach liefert Arzneimittel in 25 Länder.

Das "Allerheiligste" dürfen Besucher nur in Ausnahmefällen und dann auch nur unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften betreten. Der Weg führt durch extra gesicherte Türen zunächst in Umkleideräume und schließlich weiter in deckenhoch geflieste Produktionshallen. Maschinen, die an überdimensionierte Küchengeräte erinnern, rühren, rütteln, trocknen, sieben und pressen.

Vom Pulver zur Pille: Ein, höchstens zwei Tage dauert die Tablettenherstellung beim Eitorfer Pharmaunternehmen Krewel Meuselbach. "In einer Charge werden dann zwischen 300 000 und 1,5 Millionen Tabletten produziert", erläutert Herstellungsleiter Peter Stahn. Unterm Strich verlassen jedes Jahr rund 140 Millionen Tabletten das Eitorfer Werk. Hinzu kommen noch 500 Tonnen Säfte und Sirupe.

Das Eitorfer Pharma-Unternehmen Krewel Meuselbach dürfte vielen Verbrauchern weit weniger bekannt sein als die Produkte, die in Eitorf und im Schwesterwerk in Thüringen hergestellt werden: Aspecton, Hedelix, Mallebrin, Rivoltan und Regulax sind die wohl bekanntesten Mittel bei Erkältung, Schmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden.

Die Hälfte des Jahresumsatzes von rund 50 Millionen Euro erwirtschaftet das Unternehmen mit pflanzlichen Präparaten. Als Basis dienen etwa Thymiankraut, Traubenschalen, Tomaten-Extrakt, Isländisch Moos (eine Flechtenart, die bis zu zwölf Zentimeter groß wird und in arktischen Regionen sowie im Gebirge vorkommt) und Cistuskraut (ein aromatisch duftender, wild wachsender Strauch, der vorwiegend in Griechenland beheimatet ist).

"Wir hüten insgesamt 140 Rezepturen", sagt Geschäftsführer Thomas Quadt. Die Produkte werden in 25 Länder geliefert. "Mittelfristig wollen wir die Zahl verdoppeln", sagt Quadt.

Schon jetzt laufen die Geschäfte gut. In den vergangenen drei Jahren legte das Unternehmen Jahr für Jahr rund fünf Prozent beim Umsatz zu, wie Quadt berichtet: "Wir sind fest davon überzeugt, dass wir die Entwicklung in diesem und im nächsten Jahr fortsetzen können."

Umsatzstärkstes Produkt ist Hedelix, ein Hustensaft auf Basis eines Extraktes aus Efeublättern. Fünf Millionen Fläschchen werden in Eitorf im Jahr abgefüllt. Die Menge variiert. "Husten ist ja nicht planbar", witzelt Herstellungsleiter Stahn. Schon in der Antike und später auch im Mittelalter wurde die heilende Wirkung des Kletterstrauchs etwa bei Erkrankungen der Atemwege geschätzt, obgleich das Fruchtfleisch der Beeren für den Menschen und auch die Blätter für viele Tierarten giftig sind. Die nachgewiesene Heilwirkung machen sich seit Jahrzehnten auch die Eitorfer zunutze.

Der Pflanzenextrakt wird eingekauft und in Eitorf weiterverarbeitet. In raumhohen Rührmaschinen entsteht ein zähflüssiger Sirup, der durch ein Rohrsystem in die darunter liegende Etage fließt und dort maschinell in Glasfläschchen abgefüllt, etikettiert und verpackt wird.

Die meisten Arbeitsvorgänge haben längst Maschinen übernommen. Eines allerdings ist immer in Eitorf weiterhin reine Handarbeit: die Reinigung der Maschinen. Stahn: "40 bis 45 Prozent der Arbeitszeit unserer Mitarbeiter ist Produktion, der Rest sind Reinigung und Dokumentation." Sauberkeit hat oberste Priorität, nach jeder Produktionseinheit müssen Maschinen und Werkzeuge gründlich gesäubert werden, um Verunreinigungen nachfolgender Produkte zu vermeiden.