Vom Dorfladen bis zum Test-Supermarkt

<b>Auf der Spur der Kunden:</b> Hit-Vertriebschef Benno Brill testet in Siegburg neue Marketing-Konzepte.

<b>Auf der Spur der Kunden:</b> Hit-Vertriebschef Benno Brill testet in Siegburg neue Marketing-Konzepte.

Die Siegburger Dohle Handelsgruppe behauptet sich mit ihren 85 Supermärkten und einem Milliardenumsatz neben den großen Handelskonzernen

Siegburg. Im neu eröffneten Siegburger "Hit"-Supermarkt bleibt kaum etwas unbeobachtet: Wählt der Kunde den roten Plastik-Einkaufswagen oder doch lieber den ratternden Klassiker aus Metall? Wie oft bringen Kinder per Knopfdruck den elektronisch gesteuerten Stoffaffen über der Bananen-Auslage zum Zappeln? Und sorgen cremefarbene Wände eher für Kaufstimmung als weiße?

"Der Markt ist für uns eine Art Testlabor", erklärt Hit-Vertriebschef Benno Brill. "Was gut läuft, übernehmen wir in den anderen 84 Geschäften."

Von Siegburg aus tritt die Dohle Handelsgruppe mit ihren Supermärkten gegen Giganten wie Rewe oder Metro an, denen mit Abstand die meisten Läden in Deutschland gehören. Als Handels-Kette in Familienbesitz stehen die Betreiber der "Hit"-Märkte mit einem geschätzten Umsatz von 2,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr an zwölfter Stelle der Rangliste des deutschen Lebensmittel-Einzelhandels. Rund 5 700 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, davon 300 in der Siegburger Zentrale.

Unter der derzeitigen Konsumflaute leide die Dohle-Gruppe zwar auch, so Brill. "Aber die Konkurrenz durch Discounter hat uns weniger stark getroffen als unsere Konkurrenten." Dem Trend zum Billigsteinkauf mit kleinem Sortiment will Dohle mit mehr Auswahl begegnen.

"Im 19. Jahrhundert hatte jeder Kolonialwarenhändler mehr Produkte zur Auswahl als heute Aldi", meint Brill und sieht darin auch wieder einen Trend für die Zukunft.

Offenbar wollen sich die Siegburger Händler aber nicht allein darauf verlassen, dass den Deutschen der Sinn bald wieder nach Konsum steht. Noch für dieses Jahr plant Dohle die Eröffnung seiner ersten zwei Supermärkte in Bulgarien. "Ein interessanter Markt, der für viele der ganz großen internationalen Wettbewerber aber zu klein ist", so die Einschätzung Brills.

Auslandserfahrung hat das Unternehmen bereits in Polen gesammelt. 1994 eröffneten die Siegburger dort ihren ersten Supermarkt - acht Jahre später verkauften sie ihre 13 Geschäfte an einen Konkurrenten. "Der Wettbewerb der Großkonzerne um Marktanteile in Polen ist zu hart geworden", erklärt Brill.

Von eigenen Läden im Ausland hat Firmengründer Jean Dohle wahrscheinlich nicht einmal geträumt. 1927 eröffnet der Kaufmann im Siebengebirgs-Dorf Quirrenbach sein erstes Lebensmittel-Geschäft. Bald folgen Großhandel und Weinvertrieb. Die zweite Generation legt den Grundstein für die Handelsgruppe in ihrer heutigen Form.

Dohles Sohn Kurt - heute mit 67 Jahren noch in der Unternehmensführung aktiv - heiratet "branchenintern": Seine Frau Maria Dohle, geborene Schröder, bringt einen Kölner Lebensmittel-Großhandel samt Kaffeerösterei und Likörfabrik mit in die Ehe. 1960 fusionieren die beiden Unternehmen zur Dohle Handelsgruppe mit Sitz in Sankt Augustin.

Rund zehn Jahre später eröffnet das Handelsunternehmen in Bonn-Tannenbusch das erste "Discount-Warenhaus" nach amerikanischem Vorbild. Es werden immer mehr "Hit"-Märkte: 1986 betreibt Dohle 17 Filialen, 1998 sind es 56, 2000 bereits 75. Sie werden entweder von selbstständigen Händlern oder der Handelsgruppe selbst geführt.

Den starken Zuwachs hat das Unternehmen vor allem Übernahmen zu verdanken. Vor fünf Jahren kaufte Dohle acht Geschäfte der "TOP"-Supermarktkette, später 19 "Grosso"-Filialen und 2002 vier Läden der "Grenzland"-Kette.

Dabei gilt das Traditionsunternehmen in Branchenkreisen selbst als attraktiver Übernahmekandidat, den sich verschiedene Handelskonzerne nur zu gerne einverleiben würden. Brill wehrt solche Spekulationen ab. Dohle bleibe ein Familienunternehmen: "Unsere Perspektive heißt wachsen und nicht gewachsen werden."