Genossenschaftsbanken

Volksbanken-Fusion soll 2020 kommen

Führen die Institute zusammen: (v.l.) Ingo Stockhausen (Oberberg) und Martin Schilling (Rhein-Sieg).

Führen die Institute zusammen: (v.l.) Ingo Stockhausen (Oberberg) und Martin Schilling (Rhein-Sieg).

Windeck. Die Fusion ist vereinbart, jetzt müssen nur noch die Mitglieder zustimmen: Zum Jahresbeginn 2020 wollen die VR-Bank Rhein-Sieg mit Sitz in Siegburg und die Volksbank Oberberg aus Wiehl zur VR-Bank Rhein-Sieg Oberberg verschmelzen.

Die Fusionspläne teilten die Vorstände der beiden Institute gestern in Windeck mit, genau auf halber Strecke zwischen den beiden Standorten.

Auf Parität wurde offenbar bei der Planung genau geachtet. Sowohl Siegburg als auch Wiehl sollen Vorstandssitze bleiben. „Wir setzen weiterhin auf Dezentralität und eine starke Präsenz in den einzelnen Orten“, sagte Ingo Stockhausen. Der jetzige Vorstandsvorsitzende der Volksbank Oberberg soll das fusionierte Institut bis zu seiner Pensionierung Ende 2023 leiten. Danach soll das bisherige Siegburger Vorstandsmitglied Holger Hürten an die Spitze rücken.

Mit dem Zusammenschluss lassen sich die Geldhäuser allerdings Zeit. Erst Anfang 2020 sollen die Institute fusionieren. Als Grund nannten die Banker eine aufwendige Umstellung auf ein neues Rechenzentrum, mit der im Moment alle regionalen Genossenschaftsbanken befasst sind. „Eine Fusion wäre zusätzlich technisch nicht zu verkraften“, so Stockhausen. Dazu kommt: Genau im Fusionsjahr 2020 tritt der langjährige Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Rhein-Sieg, Martin Schilling, laut Plan seinen Ruhestand an. „Es ist zwar schade, aber ich werde mir den Vollzug dann aus der Ferne anschauen müssen“, sagte Schilling gestern.

Immerhin werden die Banken durch die Fusion ihr Geschäft in etwa verdoppeln. Mit einer gemeinsamen Bilanzsumme von rund 5,9 Milliarden Euro, 900 Mitarbeitern, 215.000 Kunden und 59 Filialen steigen die Institute in die Oberliga der Genossenschaftsbanken auf und überholen ihren frisch fusionierten Nachbarn, die Volksbank Köln Bonn.

Sowohl die Standorte als auch die Zahl der Mitarbeiter will die neue VR-Bank Rhein-Sieg Oberberg nach Aussage Stockhausens halten. Mit langfristigen Zusagen hielten sich die Banker jedoch zurück und verwiesen auf den starken Wandel in der Kreditwirtschaft: „Keiner kann heute sagen, was in ein paar Jahren ist“, so Stockhausen. In der Regel werden bei Fusionen dieser Art zumindest durch Pensionierung frei werdende Stellen nicht neu besetzt. Wenn Stellen aufgrund von Doppelfunktionen wegfallen, wollen die Vorstände nach eigenen Angaben dafür andere Bereiche wie die digitalen Bankdienstleistungen ausbauen.

Aus steuerlichen Gründen werde die VR-Bank Rhein-Sieg das übernehmende Institut und Siegburg juristischer Sitz der fusionierten Bank sein, hieß es weiter. Das hat für die Kunden aus der Region Rhein-Sieg den Vorteil, dass sie sich anders als die Kunden aus dem Oberbergischen nicht an eine neue Iban und Kontonummer gewöhnen müssen.

Das 1072 Quadratkilometer große Verbreitungsgebiet der fusionierten Institute ist nach Angaben der Banken „doppelt so groß wie der Bodensee“. Die Bankvorstände betonten die Gemeinsamkeit der Verankerung im ländlichen Raum und wollen ihr Geschäft in der Region ausweiten: „Unser Ziel ist es, der Platzhirsch zu werden“, sagte Stockhausen. Um das zu erreichen, schloss er weitere Zusammenschlüsse ausdrücklich nicht aus. VR-Bank Vorstandschef Martin Schilling rechnet nach eigenen Angaben damit, dass Genossenschaftsbanken langfristig auf ein Bilanzvolumen von zehn Milliarden Euro kommen müssen, um sich erfolgreich am Markt zu positionieren.