Nachhaltigkeit von Ferienreisen

Unternehmerforum in Bonn diskutiert über Folgen des Tourismus

Völlig überfüllte Strände sind ein Problem an beliebten Reisezielen.

Völlig überfüllte Strände sind ein Problem an beliebten Reisezielen.

Bonn. Beim Misereor-Unternehmerforum in Bonn diskutierten Experten über Folgen des Tourismus für ärmere Länder. Einhellige Meinung: Der Tourismus schafft Perspektiven.

Tourismus und Terrorismus – zwischen den beiden Begriffen gibt es eine verheerende Verbindung. Denn welche Folgen Anschläge auch aus wirtschaftlicher Sicht auf beliebte Reiseziele haben, zeigten in der jüngsten Vergangenheit die Beispiele Ägyptens und der Türkei. „Terrorismus kann den Tourismus zum wirtschaftlichen Einbruch bringen“, sagte Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor beim jährlich stattfindenden Unternehmerforum des Hilfswerks. Dort stand dieses Mal die Frage von Fluch und Segen des Tourismus für ärmere Länder im Mittelpunkt.

Welche positiven Einflüsse der Tourismus im Allgemeinen für ein Land hat, darauf verwies in der Telekom-Zentrale an der Friedrich-Ebert-Allee Stefanie Berk, die Vorsitzende der Geschäftsführung von Thomas Cook Touristik: „Im Durchschnitt beträgt der Anteil des Tourismus an der Wirtschaftsleistung eines Landes zehn Prozent“, sagte Berk. In einigen Ländern könne dieser Anteil sogar bei bis zu 40 Prozent liegen. „Viele Menschen leiden also darunter, wenn die Tourismuszahlen zurückgehen“, sagte Berk weiter. Ähnlich formulierte es Kai Pardon, Inhaber des Touristikanbieters Reisen mit Sinnen: „Die Ärmsten der Armen profitieren vom Tourismus, zum Beispiel durch Arbeitsplätze.“

Nachholbedarf sieht Pardon aber bei der Nachhaltigkeit von Reisen. „Nachhaltigkeit ist eine Qualitätssäule. Allerdings ist der Tourist oft noch nicht sensibel dafür, da Komfort, das Preis-Leistungs-Verhältnis oder die Sicherheit wichtiger sind“, so Pardon, der nachhaltiges Reisen ins Zentrum seines Unternehmens gerückt hat.

Kann Tourismus Terrorismus verhindern?

Noch einen Schritt weiter ging Harald Zeiss: Der Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz meinte, ein „Weiter so“ dürfe es im Tourismus nicht geben. Er formulierte drei Thesen, wie sich die Branche in Zukunft verändern müsse. „Erstens müssen sich die Destinationen besser managen“, sagte Zeiss und spielte damit auf eine bessere Koordinierung der Besucherströme etwa bei Touristenattraktionen an. Zweitens müssten die Produkte besser werden, womit er einen geringeren Kerosinverbrauch bei Flugzeugen oder weniger Dieselverbrauch von Kreuzfahrtschiffen meinte. Die letzte These richtete er schließlich an die Reisenden selbst: „Nicht alles, was man machen kann, muss man auch machen.“ Zeiss zielte damit unter anderem auf eine Eislaufbahn auf den Malediven ab.

Mit Blick auf die Sicherheit in Ländern ging es beim Unternehmerforum auch um die Frage, ob der Tourismus zu dieser beitragen und eventuell sogar Terrorismus verhindern könne. „Der Terrorismus entsteht vor allem durch Perspektivlosigkeit und eine empfundene Demütigung“, sagte Gerhard Schindler, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Deshalb sei es wichtig, dass der Tourismus die Einheimischen an der Wertschöpfungskette beteilige.

Auch Schindler verwies darauf, dass die Reisebranche für viele Menschen Perspektiven schaffe – finanziell weit mehr als die Entwicklungshilfe: „Die Tourismusausgaben übertreffen die staatlichen Entwicklungshilfen um ein Vielfaches.“