Destillationskolben aus Meckenheim

"Unsere Glasbläser, das sind Künstler"

Meckenheim. Konzentriert drehen die Männer das Glas über den zischenden Gasflammen. Bis es zu glühen beginnt, weich und formbar wird. In millimetergenauer Handarbeit entstehen so bei der Meckenheimer Pilodist GmbH Destillationskolben.

"Unsere Glasbläser, das sind Künstler", sagt Geschäftsführer Jürgen Fischer. Bis zu einer Woche lang wird das Glas geblasen, bis ein Kolben mit all seinen Kanälen fertig ist. Als Herzstück findet er dann seinen Platz in den Destillationsanlagen, die Pilodist an Raffinerien in aller Welt ausliefert.

Fischer hat Pilodist erst vor zwei Jahren aus einem kleinen Gebäude in Bonn-Lengsdorf in den Meckenheimer Industriepark Kottenforst umgesiedelt. Für ihn ist es auch eine Rückkehr; denn hier, fast an gleicher Stelle, hatten seine Eltern ein Unternehmen für Labor- und Verfahrenstechnik, das 1995 in die Pleite schlitterte. Aus den Resten der Firma war Pilodist hervorgegangen, gegründet von zwei ehemaligen Mitarbeitern aus Fischers elterlichem Betrieb. Die Firma fristete jedoch ein Schattendasein. 2010 bot sich Fischer, der bei einem anderen Unternehmen als Manager arbeitete, die Gelegenheit, Pilodist zu kaufen und das Geschäft so wieder in die Familie zurückzuholen.

"Seitdem sind wir stürmisch gewachsen", berichtet der 59-Jährige. Der Umsatz sei von 200 000 auf jetzt drei Millionen Euro gestiegen. Fischer, dem gelernten Kaufmann, war schnell klar, dass er für das Nischengeschäft mit den Spezialapparaten vor allem weltweit gute Partner für den Vertrieb brauchte. Heute hat er Kontakte in mehr als 50 Ländern, und die Anlagen, mit denen Raffinerien das Rohöl auf bis zu 80 verschiedene Bestandteile hin analysieren können, gehen in alle Welt. "Raffinerien betreiben damit Qualitätskontrolle oder auch Forschung, entwickeln zum Beispiel neue Kraftstoffe."

Die Kisten am Ausgang der Meckenheimer Produktionshalle sind adressiert an Kunden in China, Russland, Aserbaidschan, Kanada, Spanien, Indonesien, Saudi Arabien, Indien und Venezuela. Von den rund 30 Anlagen, die Pilodist in diesem Jahr produziert, gehen Fischer zufolge mehr als 90 Prozent in den Export. Alles Einzelstücke, die nur nach Auftrag gefertigt werden.

Und Fischer sieht Potenzial für weiteres Wachstum. Der Markt sei mit schätzungsweise 20 Millionen Euro jährlich zwar klein. Derzeit nehme Pilodist vor allem den Wettbewerbern - vier ebenfalls mittelständische Konkurrenten gibt es Fischer zufolge in dem Geschäft weltweit - Marktanteile ab. Aber man könne neue Branchen wie die Pharma- und Riechstoffindustrie oder Getränkehersteller gewinnen. Auch die Ausstattung von Laboren an Universitäten sei lohnend. Erste Aufträge habe es bereits gegeben.

Das größte Problem für weiteres Wachstum: "Wir haben sukzessive Leute eingestellt, aber es ist sehr schwierig, Fachkräfte zu finden", erläutert Fischer. 21 Mitarbeiter hat das Unternehmen. "Wir suchen händeringend weiter Leute, Verfahrenstechniker etwa und Ingenieure, die unsere Anlagen beim Kunden installieren." Mit der Hochschule Bonn Rhein-Sieg ist Pilodist eine Kooperation eingegangen. Zwei Maschinenbau-Studenten schreiben über Projekte bei Pilodist ihre Bachelorarbeiten. Fischer hofft, so guten Nachwuchs binden zu können. Geht das Wachstum in dem Tempo weiter, stellt sich bald auch die Frage nach einer neuen Bleibe. Fischer: "Als wir vor zwei Jahren hierherzogen, war das Gebäude fast zu groß für uns. Jetzt ist es bald voll."