Umstrittener Fahrdienst

Uber kündigt Start im Rheinland an

Düsseldorf. Der Chef des Taxikonkurrenten kündigt bei Münchner Digitalkonferenz den Start seines Unternehmen in Köln und Düsseldorf an. In den USA sei Uber bereits der größte Essen-Lieferdienst.

An Tag zwei der Münchner Digitalkonferenz DLD ging es ums Grundsätzliche: wie kann Europas Digitalwirtschaft der Vorherrschaft Amerikas begegnen? Lassen die großen Konzerne noch Luft für andere? Und was macht eigentlich Uber.

Zunächst sorgte ein seltener Auftritt von drei deutschen Digital-Unternehmern für Spannung, deren Firmen zu den „Unicorns“ zählen, also mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet werden. Die Dominanz der US-Techfirmen zwinge deutsche Firmen „uns auf unsere Themen, die uns ausmachen“ zu konzentrieren, sagte Robert Gentz, Gründer und Chef des Online-Modehändlers Zalando. Für sein Unternehmen bedeute das „Fashion und Lifestyle.“ Die Berliner wollen künftig stärker den Markt für dekorative Kosmetik beackern, kündigte Gertz an.

Christopher Muhr, der für das operative Geschäft zuständige Manager der Auto1 Group (unter anderem wirkaufendeinauto.de), gab sich ebenfalls gelassen. „Unser stärkster Konkurrent sind wir selbst.“ Die Deutschen müssten sich stärker um Technologie und Software als um Handel kümmern. Auto1 ist mit 2,9 Milliarden Euro das aktuell wertvollste deutsche Startup.

Unlängst hatte sich der japanische Tech-Investor Softbank mit 460 Millionen Euro an der Firma beteiligt, die in 30 Ländern aktiv ist, mit 35.000 Gebrauchtwagenhändlern zusammenarbeitet und pro Monat 40.000 Autos über eigene Plattformen verkauft. „Unser Deutschland-Geschäft ist profitabel, aber uns geht es erst mal um Wachstum“, sagt Muhr. Und da gibt es Potenzial. Der Markt für den Handel von gebrauchten Autos wird in Europa auf 400 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Der letzte ausgewiesene Umsatz von Auto1 lag 2016 bei 1,5 Milliarden Euro.

Marc Samwer, Serienunternehmer und Miteigentümer von „Rocket Internet“, beobachtet mit Sorge, dass die Finanzierung für Unternehmen, die sich mit E-Commerce-Geschäftsmodellen in die Märkte von Amazon bewegen, schwerer wird. „Die Zurückhaltung der US-Investoren ist spürbar.“ Gentz forderte eine engere Verflechtung der europäischen Märkte, um auf die weltweit wachsenden US-Firmen zu reagieren. Darauf ging kurz darauf die neue EU-Digitalkommissarin Mariya Gabriel bei ihrem ersten Auftritt auf einer deutschen Konferenz ein. Die EU werde „schneller agieren“, versprach sie und kündigte eine Offensive bei den Themen Künstliche Intelligenz, Blockchain und Cybersicherheit an.

Das Geschäft laufe weltweit „überraschend gut“

Europa müsse schnell einen einheitlichen digitalen Markt errichten, aber die neue digitale Realität „produziere auch Ungerechtigkeiten und Konflikte“, vor allem in der Arbeitswelt. „Wir werden die digitale Revolution nicht erfolgreich gestalten, wenn wir die politischen Fragen außer Acht lassen.“ Das Politische war dann auch das große Thema bei der bestbesuchten Diskussion der Konferenz.

Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi beklagte im Interview mit „Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch eine „gewisse Regulierungen, die in der nächsten Dekade keinen Sinn mehr machen“. Damit spielte der Chef des Taxikonkurrenten auf arbeitsrechtliche Vorgaben für Chauffeure in Deutschland an. Er kündigte außerdem für 2018 den Start in weiteren deutschen Städten neben München und Berlin an. Wie am Rande der Konferenz zu erfahren war, gehören Düsseldorf und Köln dazu.

Das Geschäft laufe weltweit „überraschend gut“, sagte er. In den USA sei Uber bereits der größte Essen-Lieferdienst. Noch nicht so gut laufe es „bei der Profitabilität“, fügte er schmunzelnd hinzu. Die Schlagzeilen aus der Vergangenheit – von Affären, Fahreraufständen und sexueller Belästigung – will der neue Mann an der Spitze von Uber vergessen machen. „Wir haben uns auf eine Art und Weise verhalten, die falsch und unangebracht war. Wir starten jetzt neu. Dieses Mal richtig, auch wenn es länger dauert.“ Man dürfe Grenzen austesten, aber nicht überschreiten.