Verdi ist sauer

US-Gewerkschaft gegen Telekom

T-Mobile - hier ein Geschäft des Unternehmens in Illinois - sieht sich in den USA mit Vorwürfen von Arbeitnehmern konfrontiert.

BONN. Bonner Konzern spricht von Kampagne: "T-Mobile USA ist extrem beliebter Arbeitgeber". Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist sauer auf die Deutsche Telekom, und das schon seit Jahren. Es geht nicht um Deutschland, da läuft die Zusammenarbeit mit dem Konzern nach eigenen Angaben sehr gut. Nein, es geht um die Tochter T-Mobile USA.

Am Donnerstag, bei der Jahreshauptversammlung der Deutschen Telekom in Köln, will ein ehemaliger Beschäftigter und heutiger Aktionär, Blake Poindexter, von seinen Erfahrungen im Unternehmen berichten. Es sind keine guten Erfahrungen, wie Verdi sagt. Sie wirft der Mobilfunktochter eine "gewerkschaftsfeindliche Unternehmenspolitik" vor.

Poindexter ist extra aus den USA an den Rhein gereist. Er ist Mitglied bei der US-Gewerkschaft CWA, die gemeinsam mit Verdi in der Sache gegen die Telekom mobilisiert. Der Hauptvorwurf lautet, T-Mobile USA behindere massiv die organisierte Interessenvertretung ihrer rund 38.000 Mitarbeiter.

Es herrsche ein Klima von "Einschüchterung und Angst". Lediglich im US-Staat Connecticut ist es 15 Technikern gelungen, die CWA als ihre Gewerkschaft zu wählen. Die Tarifverhandlungen, die sie führen, ziehen sich laut Verdi allerdings auch schon seit neun Monaten ergebnislos hin.

Eine Sprecherin der Deutschen Telekom am Konzernsitz Bonn wies die Vorwürfe am Dienstag als bloße "Polemik" zurück. "Es gibt diese Einschüchterungen nicht." Die CWA habe gegen den Konzern überhaupt nichts in der Hand. Ihr Argument: Die Gewerkschaft habe vor der höchsten US-amerikanischen Arbeitsrechtsbehörde bereits zahlreiche Verfahren verloren.

Lediglich in drei Fällen sei der Streit in einem Vergleich geendet. Das Problem sei, dass CWA von T-Mobile die freiwillige Anerkennung als gewerkschaftliche Vertretung der Beschäftigten erwarte. Nach US-Recht müssten die Tarifparteien aber gewählt werden.

CWA wirft allerdings der Mobilfunktochter vor, Anwälte allein mit dem Ziel zu engagieren, die Gewerkschaftsarbeit im Betrieb zu verhindern. In Vier-Augen-Gesprächen würden Beschäftigte von Managern massiv unter Druck gesetzt.

Unterstützung finden die Gewerkschafter nun bei ehemaligen US-Arbeitsministern und Rechtswissenschaftlern. In einem offenen Brief an die Telekom in Bonn heißt es: "Das US-amerikanische Recht schreibt in keinster Weise vor, dass Sie die Bemühungen der Arbeitnehmer nach einer Arbeitnehmervertretung behindern, noch gestattet es T-Mobile USA ein derartiges Vorgehen." Das Verhalten der Telekom-Tochter widerspreche auch der Sozialcharta des Bonner Unternehmens.

Deshalb fordere man die Telekom auf, ihre "guten Arbeitspraktiken auch in den USA anzuwenden". Die Telekom-Sprecherin sagte, es handele sich nur um einen "weiteren Baustein einer Kampagne". T-Mobile USA sei ein "extrem beliebter Arbeitgeber". Die Beschäftigten wollten keine Institution in Form einer Gewerkschaft zwischengeschaltet haben.