Geschäftskundentochter der Deutschen Telekom T-Systems baut 10.000 Stellen ab

T-Systems-Vorstandschef Adel Al-Saleh.

BONN. Bei T–Systems, der Geschäftskundentochter der Deutschen Telekom, steht in den kommenden Jahren ein starker Stellenabbau ins Haus. Weltweit sollen in den nächsten drei Jahren rund 10 000 Arbeitsplätze gestrichen werden, 6 000 davon in Deutschland.

„In drei Jahren möchte ich ein erfolgreiches Unternehmen haben, das 30 000 Mitarbeitern attraktive Arbeitsplätze bietet“, sagte T-Systems-Chef Adel Al-Saleh am Donnerstag auf einer Mitarbeiterversammlung in Bonn, an der die Beschäftigten anderer Standorte per Streaming teilnehmen konnten.

Derzeit hat T-Systems weltweit rund 37 000 Beschäftigte, 17 800 davon in Deutschland. Parallel zum Stellenabbau will  Al-Saleh 3000 neue Mitarbeiter einstellen, um Qualifikationen ins Unternehmen zu holen, die es derzeit nicht ausreichend gebe. T-Systems steckt seit Jahren in der Krise, weil klassische Geschäftsfelder wie die Übernahme von ausgelagerten IT-Abteilung großer Konzerne, sich in starkem Wandel befinden. Die Gewinnspannen sind gering, das Unternehmen macht Verluste. Stellenabbau hat es bereits mehrfach gegeben. Al-Saleh ist nach Bonn geholt worden, um die Sparte zu sanieren.

Er will das Unternehmen schnell als führenden Anbieter von digitalen Lösungen neu aufstellen. Das Sparprogramm soll noch 2018 beginnen. Zunächst sollen auf Management- und Verwaltungsebene in Deutschland 2000 Arbeitsplätze eingespart werden. Weitere 2000 Stellen würden von dort an andere Standorte wie Indien und die Türkei verlagert, die übrigen betroffenen Arbeitsplätze in Deutschland sollen durch Automatisierungs- und Digitalisierungsprozesse wegfallen. Die Managementebenen sollen von acht auf drei oder fünf reduziert werden. Von den derzeit 230 Niederlassungen in der Bundesrepublik sollen voraussichtlich nur 20 erhalten bleiben. Insgesamt will der Konzern 600 Millionen Euro einsparen. 300 Millionen Euro davon sollen zur Stärkung der Wachstumsfelder investiert werden, sagte ein T-Systems-Sprecher.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) kritisierte die Pläne: „Statt eine zukunftsfeste Neuausrichtung in Angriff zu nehmen, soll es ein einfallsloses Sparprogramm, einen Standortkahlschlag und eine massive Arbeitsplatzvernichtung geben. Für uns steht fest: Dafür reicht Verdi nicht die Hand“, sagte der IT-Bundesfachgruppenleiter der Gewerkschaft, Michael Jäkel. Die geplanten Maßnahmen seien unverantwortlich und gefährdeten das gesamte Geschäft der T-Systems.

Angesichts der Arbeitgeberpläne erhalte der am 31. Dezember 2018 auslaufende Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen einen neuen Stellenwert. „Gegen betriebsbedingte Kündigungen werden wir uns massiv zur Wehr setzen“, sagte Jäkel. Derzeit laufen für die Tarifbeschäftigten von T-Systems Lohntarifverhandungen. Bisher haben drei Runden stattgefunden. Ein Angebot der Arbeitgeber liegt noch nicht vor. Verdi fordert für die rund 11 000 tarifgebundenen Beschäftigten eine Entgelterhöhung von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

In mehreren Runden hatten Verdi-Vertreter und Betriebsräte mit Arbeitgebervertretern versucht, andere Lösungen zu finden. Doch diese Gespräche wurden Ende letzter Woche ohne Ergebnis beendet. Al-Saleh sagte auf der Mitarbeiterversammlung, dass er den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestalten will. Aber: Es gibt nicht viel Raum für Kompromisse.“

Zur Startseite