Rheinische Obstbauern sehen sich bedroht

Türkische Kirschen machen heimischen Früchten Konkurrenz

Gute Ernte: Obstbauer Manfred Felten aus Meckenheim mit Kirschen der Sorte „Satin“.

Gute Ernte: Obstbauer Manfred Felten aus Meckenheim mit Kirschen der Sorte „Satin“.

Meckenheim. Heimische Obstbauern fühlen sich mit ihren Kirschen aus den Supermärkten verdrängt - und sehen sich im Wettbewerb gegen ausländische Anbieter benachteiligt.

Im Moment ist „Carmen“ an der Reihe. Die dicken roten Süßkirschen ziehen die Zweige der Bäume des Obsthofes Felten in Meckenheim nach unten. Erntehelfer aus Polen pflücken die reifen Früchte, was noch nicht dunkelrot ist, bleibt hängen. Zwölf Kirschsorten hat die Familie Felten angebaut, insgesamt rund 1500 Bäume. So reift jede Art zu einem anderen Zeitpunkt – Anfang Juni startet die Saison mit „Bellise“, zum Ende Mitte Juli kommt „Sweetheart“.

Der Großteil der Früchte wird in Feltens Hofladen verkauft, nur wenige Kisten gehen an andere Händler. Kaum Kirschen aus der Region finden ihren Weg in die Supermärkte. Denn die Konkurrenzprodukte aus der Türkei sind in der Regel billiger. „Der Verbraucher hat nicht einmal die Möglichkeit, auf deutsche Ware auszuweichen“, kritisierte Ferdinand Völzgen, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau Bonn/Rhein-Sieg am Mittwoch bei einem Treffen der Landwirte in Meckenheim. Auch wenn die Menge der heimischen Kirschen nicht ausreiche, um die Nachfrage zu decken, sollten Verbraucher zumindest die Möglichkeit haben, regionale Ware zu wählen, meint der Obstbauer.

Die rheinischen Landwirte sehen sich gegenüber ihren türkischen Kollegen nicht nur wegen der höheren Löhne im Wettbewerb benachteiligt. In der Türkei würden die Bäume zudem mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, die in Deutschland nicht zugelassen seien, so Völzgen. Das sehen Verbraucherschützer allerdings gelassener: „Nach dem aktuellen Pestizidreport des NRW-Umweltministeriums sind bei Süßkirschen die Unterschiede in der Belastung zwischen türkischer und deutscher Ware nur gering“, sagte Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale NRW.

Der Meckenheimer Manfred Felten schützt seine 1,5 Hektar Kirschanbau mit dichten Netzen und einem Foliendach. Sie halten zum einen den Regen ab, der die Früchte schnell platzen lässt. Zum anderen halten sie die Kirschessigfliege fern, die in kürzester Zeit ganze Ernten vernichten kann. „Durch die Netze brauchen wir deutlich weniger Pflanzenschutzmittel zu sprühen“ sagt der Landwirt. Das hat allerdings seinen Preis: 100.000 Euro habe er in die Anlage investiert, sagt Felten.

Seine hohen Investitionen fallen in eine Zeit des Wandels. Wegen des Klimawandels müssten die Obstbauern immer stärker auf hitzeresistente Sorten ausweichen, sagte Georg Boekels, Vizepräsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer. So würden im Rheinland verbreitete Apfelsorten wie Cox oder Elstar zu schnell weich, wenn sie langen Hitzeperioden ausgesetzt seien.

Für die Landwirte geht es dabei um langfristige Planungen: Ein Kirschbaum werde rund 15 Jahre genutzt, erst nach etwa vier Jahren trage er viele Kirschen, sagte Boekels. Um die Verwaltungskosten für die Anbauer niedrig zu halten, gehe der Trend auch in der Region zu immer größeren Höfen.

Im Rheinland gibt es nach Verbandsangaben noch rund 35 Betriebe, die Kirschen anbauen. Sie bewirtschaften eine Fläche von etwa 100 Hektar. Dazu kommt ein Anbaugebiet bei Koblenz. Sauerkirschen sind dabei vom Hauptanbauprodukt zur Nischensorte abgestiegen. Sie würden vor allem in Süddeutschland für die industrielle Verarbeitung und die Schnapsbrennerei angebaut, sagte Ralf Nörthemann von der Landwirtschaftskammer NRW. Bereits in den 1980er Jahren habe sich jedoch der Anbau und die Verarbeitung von Sauerkirschen weitgehend aus Deutschland nach Osteuropa verlagert.

In Meckenheim betreibt Manfred Felten noch ganz gegen den Trend eine kleine Fläche mit Sauerkirschbäumen. Der Einsatz der polnischen Erntehelfer lohnt sich hier offensichtlich nicht. Wer die Sauerkirschen haben will, muss selbst pflücken.