Steyler Bank in Sankt Augustin wirbt mit "ethischen Geldanlagen"

Die rote Liste ist lang: Alkohol, Atomenergie, Glücksspiel, Kinderarbeit, Pornografie und Rüstungsgüter gehören zu den Ausschlusskriterien. "Wir investieren auf keinen Fall in Unternehmen, die mit diesen Dingen zu tun haben", sagt Norbert Wolf.

Sankt Augustin. Die rote Liste ist lang: Alkohol, Atomenergie, Glücksspiel, Kinderarbeit, Pornografie und Rüstungsgüter gehören zu den Ausschlusskriterien. "Wir investieren auf keinen Fall in Unternehmen, die mit diesen Dingen zu tun haben", sagt Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Bank in Sankt Augustin.

Auch auf jegliche Spekulationen, etwa mit Aktien oder Rohstoffen, verzichtet das Geldinstitut. Es ist in Deutschland einzigartig: Mit den Steyler Missionaren (siehe Kasten) als Eigentümern steht die Ordensbank allen Kunden offen und richtet ihre Geschäfte nach ethischen Grundsätzen aus.

Steyler Missionare

Die Steyler Missionare sind der siebtgrößte katholische Männerorden weltweit. Ihre rund 6 000 Mitglieder widmen sich in 70 Ländern dem Einsatz für Arme und der Bewahrung der Schöpfung. In Sankt Augustin betreiben die Steyler Missionare ein "Missionshaus". Dazu gehören neben der Bank ein völkerkundliches Museum, ein Priesterseminar, eine Buchhandlung und eine Hochschule des Ordens. Er ist benannte nach dem Gründungsort Steyl in den Niederlanden, der offizielle Name der Missionare lautet Societas Verbi Divini, lateinisch für "Gesellschaft des Göttlichen Wortes".

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Räume der Bank neben der Klosteranlage kaum von denen jedes anderen Kreditinstituts: draußen ein Geldautomat, die Glastür öffnet sich automatisch zum Empfangsraum, Teppich dämpft die Schritte und hinter den Tresen stehen Tische mit Stühlen für das Gespräch mit dem Bankberater bereit.

Es sind die Kleinigkeiten, die einen anderen Eindruck vermitteln. Im Plexiglas-Ständer am Eingang liegt der "Geschäftsbericht der guten Taten" aus und warnt: "Gottes Schöpfung in Gefahr". Im Büro des Geschäftsführers hängt ein Kruzifix neben afrikanischen Holzschnitzereien. Deutlich wird die Abgrenzung zu herkömmlichen Banken, wenn es um die Geschäftstätigkeit geht.

Der wichtigste Unterschied: Der erwirtschaftete Gewinn fließt an die Steyler Missionare und damit auch an wohltätige Projekte des Ordens. 1,1 Millionen Euro Betriebsergebnis vor Steuern hat die Bank im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Weitere rund 2,5 Millionen Euro für die Arbeit des Sankt Augustiner Ordens stammen aus Spenden der Bankkunden, die zum Teil ihre Zinseinnahmen den Missionaren überlassen oder sie beim Erbe bedenken.

Dafür versprechen die Steyler Transparenz bei der Verwendung der Gelder. Das war allerdings nicht immer so. 1980 gerieten die Steyler Missionare in Zusammenhang mit der Flick-Affäre in die Schlagzeilen. Das Kloster diente damals als Geldwäsche-Betrieb. Von den absetzbaren Spenden ging ein Großteil an den Absender zurück, ein sogenanntes "Kick-Back-Geschäft", das damals für Furore sorgte.

Heute führen neben 250 gemeinnützigen Organisationen und Stiftungen rund 16 000 private Anleger ein Konto bei der Steyler Bank. "Unser typischer Kunde ist mindestens 45 Jahre alt und stammt aus einer christlich-katholisch geprägten Familie", sagt Wolf. 15 Prozent der Kontoinhaber der Steyler Bank kommen aus der Region Bonn.

Diesen Anteil will die Bank in den nächsten drei Jahren auf 30 Prozent steigern. "Immer mehr Menschen denken darüber nach, was die Banken eigentlich mit dem Geld tun, was sie bei ihnen anlegen." Die Finanzkrise habe diesen Trend verstärkt, so der Steyler-Bank-Chef. 2008 und 2009 habe das Institut die größten Zuwächse seit seiner Gründung 1964 verzeichnet.

"In der Regel wachsen wir jedes Jahr um fünf bis zehn Prozent", so Wolf. Bei 50 Mitarbeitern lag die Bilanzsumme 2010 knapp unter 300 Millionen Euro. Die Bank behauptet, bei "wettbewerbsfähigen Konditionen" mehr als die herkömmlichen Institute das Wohl des Kunden zum Ziel zu haben.

"Unsere Mitarbeiter erhalten keine verkaufsabhängigen Provisionen, und wir haben auch keine Vertriebspartnerschaften, um bei der Beratung unabhängig zu bleiben", so Wolf. Die Bank wolle nicht, dass sich ihre Kunden überschulden. Daher werde bei Krediten schon einmal geprüft, ob die Ausgabe auch langfristig sinnvoll sei.