Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Geschäftsführer der IHK Koblenz

Die IHK Koblenz, die auch für die Kreise Ahrweiler und Neuwied zuständig ist, erlebt unruhige Zeiten. Kräftig rumort hatte es schon während der Wahl zur Vollversammlung im November - bis hin zum Vorwurf der Wahlmanipulation und damit verbunden dem Austausch von Schlössern im IHK-Haus in Koblenz.

Koblenz. Die Industrie- und Handelskammer Koblenz (IHK), die auch für die Kreise Ahrweiler und Neuwied zuständig ist, erlebt unruhige Zeiten. Kräftig rumort hatte es schon während der Wahl zur Vollversammlung im November - bis hin zum Vorwurf der Wahlmanipulation und damit verbunden dem Austausch von Schlössern im IHK-Haus in Koblenz.

Die Auseinandersetzungen gipfelten im Abgang des langjährigen Hauptgeschäftsführers Hans-Jürgen Podzun Anfang Dezember und einer Strafanzeige des Präsidiums gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft Koblenz wegen des Verdachts der Untreue Mitte Januar.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte laut IHK-Präsident Manfred Sattler "der verärgerte Mitarbeiter eines Mitglieds". Daraufhin hatte das Präsidium Wirtschaftsprüfer mit der Untersuchung der Geschäftsführung beauftragt und nach Vorliegen des Berichts Anzeige erstattet.

Von zunächst sieben Anklagepunkten hat sich einer in Luft aufgelöst: Podzun soll für seine private Geburtstagsfeier in dem der IHK als Verein angegliederten Gastronomischen Bildungszentrum (GBZ) nicht bezahlt haben. Untersucht werden dagegen externe Auftragsvergaben ohne Vergleichsangebote, was Podzun bestreitet. Vergleichsangebote hätten vorgelegen, Ausnahmen seien begründet und dokumentiert.

Ferner soll Podzun gegenüber dem GBZ, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist, ohne Beratungsvertrag Beratungsleistungen abgerechnet haben. Laut Podzun handelt es sich um eine "Erfolgsprämie". Die Rechnung habe er gestellt, um einen Buchungsbeleg zu schaffen. Er räumt ein: Statt Beratungsrechnung hätte es besser "Prämienrechnung" geheißen.

Es geht auch um private Nutzung von Dienstwagen nebst Fahrer - laut Podzun im Vertrag von 1993 vereinbart. Für Irritationen sorgen Fernreisen mit Ehefrau in puncto Wein auf Kosten des GBZ. Hier sieht Podzun Klärungsbedarf mit der Staatsanwaltschaft. An das GBZ soll Podzun Weine aus seinem eigenen Keller möglicherweise überteuert verkauft haben.

Er dagegen spricht von Spottpreisen für Raritäten. Weiterer Knackpunkt sind Investitionskostenzuschüsse der IHK für das GBZ, deren zweckentsprechende Verwendung die IHK nicht geprüft habe. Laut Podzun waren die Zuschüsse von der Vollversammlung beschlossen und ein Verwendungsnachweis im Einzelnen nicht notwendig.

Während die Staatsanwaltschaft untersucht, wuchern Spekulationen etwa über die Höhe der Reisekosten und der von Podzun verlangten Preise für seinen Wein. Und das IHK-Präsidium ist eifrig dabei, Pflöcke aus der Ära Podzun auszureißen und neue zu setzen. So verkündete Sattler das Aus für die besondere Weinförderung samt Kammerweinkür und Kammerweingala.

Die Aufgabe soll die Landwirtschaftskammer übernehmen. Stichworte für neue Schwerpunkte sind unter anderem Informations- und Kommunikationstechnologie, Dienstleistungen, Medizintechnologie und Medizintourismus sowie Personalentwicklung und ein Programmen für Schulabgänger nebst Nachhilfe.

Dabei stehen Präsidium und Präsident auf tönernen Füßen. Denn die Wahl, bei der im Gegensatz zu früheren Jahren nicht 14 000, sondern 23 000 Stimmen abgegeben wurden, ist aus 23 der 37 Wahlgruppen angefochten worden. Ein Formfehler, entstanden beim Umgang mit den Reservestimmzetteln, könnte sie "angreifbar" machen, sagte Sattler.

Das soll bis Ablauf der Einspruchsfrist am 7. Februar geklärt werden, damit am 14. Februar die Vollversammlung entscheiden kann, ob die 400 000 Euro teure Wahl komplett wiederholt werden muss. In der Schwebe ist zudem das Schicksal des Präsidenten. Denn Sattler war nicht wieder in die Vollversammlung gewählt worden, die das Präsidium und den Präsidenten aus eigenen Reihen bestimmt. Dennoch hofft er auf Wiederwahl.