Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs

Spirituosen-Händler nach Festnahme in Bonn in U-Haft

Unternehmer Christian Lutz Schoenberger ist umstritten.

Unternehmer Christian Lutz Schoenberger ist umstritten.

Bonn. Der umstrittene Spirituosen-Unternehmer Christian Schoenberger hatte auch Kontakt zu Von-Floerke-Gründer Schirrmacher. Schoenberger war im Bonner Hotel Kameha festgenommen worden.

Tagelang suchte die Hamburger Staatsanwaltschaft den Unternehmer Christian Lutz Schoenberger per Haftbefehl. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug mit Getränkehandel in zehn Fällen. Durch Zufall wurde der 32-Jährige Anfang November im Bonner Hotel Kameha festgenommen – weil ihn einer seiner mutmaßlich geprellten Lieferanten beim Essen am Nachbartisch erkannt hatte und die Polizei rief. Jetzt sitzt der Hamburger in Untersuchungshaft.

In Bonn ist Schoenberger kein Unbekannter: Unter anderem steht er in Kontakt zu Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher. Dieser wird derzeit von Kunden stark kritisiert, weil er in seinem Online-Shop bestellte Spirituosen auch Wochen nach der Bestellung nicht ausgeliefert hat. Geschäftliche Beziehungen dementieren sowohl Schoenberger als auch Schirrmacher – allerdings waren sie mehrfach gemeinsam im Bonner Nachtleben unterwegs. Im Gespräch mit dem General-Anzeiger räumte Schirrmacher ein, mit dem umstrittenen Hamburger zumindest per E-Mail in Kontakt gestanden zu haben. Er habe mehr über „die Vorwürfe gegen den Unternehmer herausfinden“ wollen. Nach Details zu diesen Hintergründen gefragt, verweist Schirrmacher mittlerweile auf seine Anwälte.

In der Spirituosenbranche ist Schoenberger genauso bekannt wie umstritten. Mit Internetseiten wie stardrinx.de, welovedrinks.de oder xird.de verkaufte er in großen Mengen Alkohol – lieferte die Bestellungen aber nicht immer an die zahlenden Kunden aus. Das hatte bereits Ermittlungen der Justiz zur Folge, zuletzt im Frühjahr. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wollte gegen ihn ein Verfahren wegen gewerbsmäßigen Betrugs eröffnen, was die Richter mangels Beweisen ablehnten. Als Begründung führten sie damals an, dass keine klare Betrugsabsicht zu erkennen gewesen sei. Vielmehr sei Schoenberger, der einen Getränke-Onlinehandel im großen Stil aufbauen wollte, von den Bestellungen überrumpelt worden.

Schoenberger bestreitet einen Betrug, auch nach der erneuten Festnahme. „Er weist jegliche Vorwürfe von sich. Er ist vielleicht kein guter Unternehmer, aber sicherlich kein Betrüger. Kein Kunde blieb auf seinem Geld sitzen“, erklärt sein Anwalt Kemal Su. Allerdings hat ihm das Bezirksamt Hamburg-Nord schon 2013 per Gewerbeuntersagung verboten, als Geschäftsführer tätig zu sein.

„Der aktuellen Festnahme liegt ein Haftbefehl zugrunde, der wegen des dringenden Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges in zehn Fällen erlassen wurde“, sagt der Hamburger Oberstaatsanwalt Carsten Rinio. Die Taten sollen sich im Mai und Juni 2015 ereignet haben. Der Schaden: 19.000 Euro. Als Haftgrund nahm das Amtsgericht in Hamburg Fluchtgefahr an, da Schoenberger zurzeit über keinen festen Wohnsitz verfüge.

Auch ein Bonner Unternehmen erhebt Vorwürfe gegen Schoenberger: Bei Siegfried-Gin soll er nach Unternehmensangaben Ware für rund 6000 Euro bestellt, aber nie gezahlt haben. „Wir gaben die Forderung an ein Inkassounternehmen weiter, die aber wieder zurückkam“, sagt Geschäftsführer Raphael Vollmar. Schoenberger war schlichtweg nicht aufzufinden. Vollmar erstattete Anzeige bei der Polizei und erfuhr dabei von dem Haftbefehl. Als Schoenberger ihm dann durch Zufall am 9. November beim Essen im Restaurant Yunico, das im Kameha Grand Hotel liegt, begegnete, rief er die Polizei. Die wiederum rückte mit sechs Beamten an und stellte Schoenberger noch im Hotel. Er räumt zwar „rechtliche Streitigkeiten“ ein. „Es ist aber fraglich, ob sie strafrechtlicher Natur sind“, so Anwalt Su.

In den vergangenen Wochen war Schoenberger häufig in Bonn und im Rheinland unterwegs. Auf seinem Instagram-Account veröffentlichte er Bilder aus dem Kameha und mit Schampus auf der Tribüne des Kölner Rheinenergie-Stadions. Für die Gründerszene pikant: Darunter ist auch ein Foto seines Laptops, dessen Bildschirm die Internetseite von David Schirrmacher zeigt. Auch wenn Schoenberger vor Paletten mit hochwertigen Getränken posiert und im Internet einen Neustart ankündigt: „Er plant keinen Neuanfang, erst einmal werden wir die rechtlichen Dinge klären“, sagt Su. Und: „Es ist nicht strafbar zu posen.“

Branchenkenner bewerten sowohl das Spirituosengeschäft von Schoenberger als auch das von Schirrmacher als „nicht wirtschaftlich“. Demnach sei es zumindest fragwürdig, wie solche großen Mengen Alkohols zu Preisen angeboten werden könnten, die teilweise unter den Einkaufspreisen für Händler lägen.