Swap-Geschädigte bei der Sparkasse

Sparkasse weist Vorwurf der Falschberatung zurück

Die Sparkasse Köln-Bonn hat offenbar mindestens einer dreistelligen Kundenzahl riskante Währungs- und Zinsprodukte verkauft.

KÖLN. Die Zahl der Kunden der Sparkasse Köln-Bonn, denen riskante Währungs- und Zinsprodukte verkauft worden sind, ist offenbar größer als bislang bekannt.

Der Münchener Anwalt Michael Leipold geht jetzt bundesweit von einer dreistelligen Kundenzahl aus, wobei das Swapvolumen im "hohen zweistelligen, vielleicht dreistelligen Millionenbetrag" liegen könnte. Er selbst vertrete allein zehn Kunden mit hohen einstelligen Millioneninvestments.

Swaps sind riskante Zinstauschgeschäfte, bei denen etwa die Verpflichtung, langfristig einen fest vereinbarten Zins zu zahlen, gegen einen kurzfristigen, variablen Zins getauscht wird. Es können auch Verbindlichkeiten in einer Währung in Kredite in einer anderen getauscht werden.

Aus einem Immobilienkredit, der in Euro aufgenommen wurde, kann so ein Kredit etwa in Schweizer Franken werden mit einem geringeren Zins. Davon profitiert der Kreditnehmer aber nur, wenn der Schweizer Franken gegenüber dem Euro stabil bleibt oder an Wert verliert. 2010 war der Franken aber erstarkt und Kunden mit einem derartigen Swap erlitten hohe Verluste.

Letztlich wettet der Kunde gegen die Bank, und die gewinnt oft. Viele Kunden sehen sich freilich nicht ausreichend beraten oder gar getäuscht und verlangen die Rückabwicklung der Verträge. Erst im Mai hat die Sparkasse Köln-Bonn einen Kunden nach einem jahrelangen Rechtsstreit entschädigt.

Etwa zwei Drittel der unzufriedenen Kunden, oft Ärzte oder Apotheker, hätten Swap-Geschäfte im Zusammenhang mit einer Immobilienfinanzierung abgeschlossen, schätzt Leipold. Bei einem Drittel gebe es Swaps bei kreditfinanzierten Renten- und Lebensversicherungen.

Dabei werden etwa eine Lebensversicherung abgeschlossen, sowie eine Rentenversicherung, die sofort zahlt und deren Rendite über den Kreditzinsen liegen soll. Alternativ kann das Geld auch in einen Investmentfonds fließen. Aus Erträgen von Rentenversicherung oder Fonds und einer Steuerersparnis sollen die Zinsen beglichen werden. Der Kredit wird nicht getilgt, sondern soll am Ende der Laufzeit komplett zurückgezahlt werden.

Wenn das funktioniert, bekommt der Kunde nach zehn oder 15 Jahren eine Rente aus der Lebensversicherung ohne oder nur mit geringem eigenen Beitrag. Das funktionierte aber oft nicht. Der Einbruch am Aktienmarkt 2000 bis 2003 führte etwa dazu, dass Fonds oder Rentenversicherung nicht die erhofften Renditen erzielten, Anleger also mit eigenem Geld für die Zinsen aufkommen mussten. Ist dann der Kredit noch mit einem Swap kombiniert, kann es ganz empfindliche Verluste geben.

Ein Anbieter einer derartigen Rente soll laut Leipold Berater geschult haben, "ihre Kunden bei der Sparkasse Köln-Bonn abzuliefern". Sie seien auf Kunden zugegangen, um ihnen dann eine vermeintlich bessere Finanzierung anzubieten, hinter der dann ein Swap-Geschäft gestanden hätte. Die Sparkasse Köln-Bonn betont dagegen, das Institut habe über einzelne Vermittler Angebote erhalten, die Finanzierungen bestehender Rentenmodelle abzulösen.

In Einzelfällen sei die Ablösung nach sorgsamer Bonitätsprüfung auch zustande gekommen. Und einige dieser Kunden hätten sich später noch zum Abschluss eines Swap-Geschäfts entschieden. Dabei seien sie umfassend beraten und über Chancen und Risiken aufgeklärt worden. Das Institut habe sich an der Vermögenssituation der Kunden und deren Interessen orientiert. Bei möglichen Kundenbeschwerden prüfe das Institut den betreffenden Fall mit der gebotenen Sorgfalt.

In den Augen Leipolds verhält sich die Sparkasse allerdings weniger kundenfreundlich als andere Institute. Andere Banken versuchten Swapfälle leise abzuwickeln, so Leipold. Die Sparkasse Köln-Bonn gehe dagegen auch mit Klagen gegen Kunden vor.