Verluste aus Swapgeschäften

Sparkasse KölnBonn unter Druck

Ärger mit Kunden: Das Hauptquartier der Sparkasse KölnBonn in Köln.

KÖLN/BONN. Die Sparkasse KölnBonn gerät wegen des Verkaufs hochriskanter Währungs- und Zinsprodukte unter Druck. Nach Informationen dieser Zeitung klagen bundesweit Kunden - überwiegend Ärzte und Apotheker - wegen hoher Verluste aus diesen sogenannten Swaps gegen die Bank oder bemühen sich in außergerichtlichen Vergleichsverhandlungen um Schadenersatz.

Insgesamt geht es um einen mindestens zweistelligen Millionenschaden. Zu Jahresbeginn hatte ein Kölner Geschäftsmann gegen den Vorstand der Sparkasse Anzeige wegen Betrugs, Nötigung und Untreue gestellt. Der Geschäftsmann hatte nach Angaben seines damaligen Düsseldorfer Anwalts Joerg Andres Immobilien erworben und zunächst klassisch finanziert.

Später seien ihm von der Sparkasse Swaps angeboten worden, um Zinsen zu sparen. Dabei seien ihm jedoch Millionenverluste entstanden. Die Sparkasse KölnBonn hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Dem Kunden sei das Risiko bekannt gewesen. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben allerdings nach wie vor gegen Mitarbeiter der Sparkasse.

Bei dem Fall handelt es sich offenbar nur um die Spitze eines Eisbergs. Andres vertritt nach eigenen Angaben weitere Swap-Geschädigte des Kölner Instituts. "Bei diesen Geschäften muss die Bank die Anleger unmissverständlich darauf hinweisen, dass sie sich an einem Glücksspiel beteiligen", sagte Andres.

Das gehe aus einem Urteil des Oberlandesgerichts München hervor. Der nach eigenen Angaben auf Swapverträge spezialisierte Münchner Rechtsanwalt Michael Leipold vertritt "etwa zehn Geschädigte der Sparkasse KölnBonn, überwiegend Ärzte oder Apotheker".

Die Fälle ähnelten sich insofern, als den Kunden zur Ablösung ihrer Renten- oder Immobilienfinanzierung ein variables Darlehen verbunden mit einer Zins- oder Wechselkurswette, meist auf Schweizer Franken, verkauft worden sei. Die zwischen 2005 und 2009 abgeschlossenen Verträge mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren hätten für die Kunden ein "unbegrenztes Verlustrisiko", so Leipold. Bei den Kunden der Sparkasse, die er vertrete, gehe es zusammen um rund 15 bis 20 Millionen Euro. Die Kunden forderten die Rückabwicklung der Verträge.

"Interessant ist dabei, dass die Sparkasse anscheinend in ganz Deutschland Verträge vertrieben hat", sagte Leipold. So vertrete er Kunden der Sparkasse KölnBonn unter anderem aus Westfalen, Bayern und Hessen.

Zur Zahl der Kunden, denen solche Swap-Verträge verkauft wurden, machte die Sparkasse KölnBonn keine Angaben. Die Sparkasse habe die fraglichen Produkte aber nicht im Massengeschäft angeboten, betonte ein Sprecher des Instituts.

Die betreffenden Individualkunden seien "über die mit dem Geschäft verbundenen Chancen und Risiken vollumfänglich aufklärt und mit entsprechenden Detailinformationen zu dem Geschäft ausgestattet" worden.

Swap

Ein Swap (engl. Tausch) ist ein Austausch von Forderungen oder Verbindlichkeiten in gleicher oder fremder Währung mit dem Ziel, einen Finanzierungs- oder Zinsvorteil zu erlangen. Bei der Sparkasse KölnBonn konnten Kunden Immobilien statt in Euro in Schweizer Franken finanzieren.

Sie wetteten in diesem Fall auf einen Kursrückgang der Schweizer Währung - was die Darlehenssumme in Euro umgerechnet nach unten gedrückt hätte. Hinterlegt wurde dieses Geschäft mit einer Zinswette in Form eines variablen Darlehens. Allerdings zog der Kurs des Schweizer Franken wegen der Eurokrise kräftig an.