Spaghetti mit Salat können Probleme bereiten

Job und Etikette (GA-Serie: Teil 2): Bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz oder eine Beförderung sind fachliche Kenntnisse nicht allein ausschlaggebend - Es zählen gute Manieren und das Verkaufen der eigenen Leistung

Bonn. Ein neuer Job, eine weitere Sprosse auf der Karriereleiter oder eine Lohnerhöhung - früher oder später geht es im Berufsleben um solche erfreulichen Dinge. Doch wer die Regeln, die zum Ziel führen, nicht kennt, kann die letzten Meter auch verstolpern und macht eine Bauchlandung.

Gute fachliche Kenntnisse allein reichen nicht aus, um den begehrten neuen Job zu bekommen. Es zählen das richtige Verkaufen der eigenen Leistung und gute Manieren. "Firmen nehmen bei Bewerbern viel eher fachliche als soziale Defizite in Kauf", weiß Hans-Joachim Schade vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn aus zahlreichen Untersuchungen.

Die Firmen machen nämlich die Erfahrung, dass sich fachliches Wissen am Arbeitsplatz relativ schnell vermitteln lässt, soziale Defizite aber nur schwer wieder aufzuholen sind. Wer einmal in einem Geschäft unfreundlich bedient wurde und sich daraufhin vorgenommen hat, "hier kaufe ich nie wieder ein", kann abschätzen, welche Folgen schlechtes Benehmen von Mitarbeitern für ein Unternehmen haben kann.

Für die Niederkasseler Unternehmenstrainerin und Etikette-Beraterin Gabriele Krischel sind es relativ einfache Gesetze, die den Erfolg im Berufsleben erleichtern. "Ich erlebe immer wieder, dass Menschen vor anderen Nägel kauen, beim Gähnen die Hand nicht vor den Mund nehmen oder sich geräuschvoll die Nase putzen", sagt Krischel.

Wer dann noch Haare und Zähne nicht sauber hält, scheidet unter anderem schon deshalb für eine Beförderung aus, auch wenn seine fachliche Kompetenz in der Firma unumstritten ist. Vorstellungsgespräche sind eine besondere Klippe, die es zu umschiffen gilt. Zur Auswahl der richtigen Kleidung geben die Firmenbroschüre oder der Internet-Auftritt Hinweise.

Krischel: "Dort sind oft Leute abgebildet, an deren Auftreten man sich orientieren kann." Ein für manche Personalchefs unverzeihlicher Fehler ist es, wenn das Handy des Bewerbers während des Gesprächs klingelt. Ein schlaffer, feuchtkalter Händedruck kann die Einstellung ebenso gefährden wie übereinandergeschlagene Beine, bei denen die Knie über die Tischkante ragen.

Wichtig sei es auch, den Small-Talk zu Gesprächsbeginn in die richtigen Bahnen zu lenken. Wer beispielsweise bei der Anfahrt im Stau gestanden und anschließend Schwierigkeiten hatte, einen Parkplatz zu finden, sollte auf die Frage "Hatten Sie eine gute Anreise?" trotzdem kein Lamento anstimmen.

Krischel: "Die negative Stimmung kann dann auch das restliche Gespräch beeinflussen."

Die Psychologin Margret Hilger aus Köln rät dazu, seine Außenwirkung vor dem Gespräch zu prüfen. Etwa dadurch, indem man beobachtet, wie andere mit einem umgehen. Wer gelangweilt, gereizt oder muffelig wirkt, hat nicht die besten Chancen und sollte an sich arbeiten.

Krischel empfiehlt auch, vor einem Vorstellungstermin das Frage-und-Antwort-Spiel mit dem Partner oder Freunden zu üben. Es gebe drei wichtige Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch gestellt werden, sagt der Berliner Psychologe Jürgen Hesse: "Erstens nach der Motivation, dann die Frage danach, warum die Firma Sie nehmen sollte und die Überfrage: Wer sind Sie?" Hier spielt vor allem das Verhalten eine Rolle.

"Beim Vorstellungsgespräch wird der Bewerber von Anfang an beobachtet", sagt Hesses Partner Christian Schrader. "Ein typischer erster Fehler ist, dass Bewerber nicht freundlich grüßen." Aufmerksamkeit und Höflichkeit zu übertreiben, könne auch ein Fehler sein, meint Krischel. Denn es könne immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Stößt etwa der Bewerber aus Versehen ein Glas um und ruft dann unwillkürlich "Mist!", bricht die Fassade zusammen.

Krischel: "Vor allem Anderen kommt es darauf an, man selbst zu bleiben". Findet das Bewerbungsgespräch in einer Kantine oder einem Restaurant statt, empfiehlt sie, auf Gerichte wie Salat oder Spaghetti zu verzichten, weil diese relativ schwierig zu handhaben seien. Wenn auch gutes Benehmen entscheidend für das berufliche Fortkommen ist, noch viel entscheidender ist es, auf sich aufmerksam zu machen.

"Befragt danach, was letztlich den Ausschlag für eine Einstellung oder Beförderung gegeben habe, geben Firmen der fachlichen Qualifikation zehn Prozent Anteil, dem Benehmen und Image 30 Prozent und dem Auf-Sich-Aufmerksam-Machen 60 Prozent Anteil", sagt Krischel. Dass Frauen seltener in Führungspositionen kommen, liege auch daran, dass sie in der Regel größere Skrupel hätten als Männer, die eigene Leistung an die große Glocke zu hängen.

Literaturtipps: Petra Begemann: Der große Business-Knigge. Eichborn-Verlag, 19,90 Euro. Inge Wolff: Umgangsformen. Bassermann-Verlag, 10 Euro. Heidemarie Müller: Sicher auf glattem Parkett. Gollenstein-Verlag, 21 Euro. Jürgen Hesse/ Hans Schrader: Praxisbuch Small Talk. Eichborn-Verlag, 12,90 Euro.

Weitere Informationen unter www.knigge-rat.de.

(Siehe auch Teil 1 der Serie "Für Chefs voll daneben: zu viel nackte Haut")