100 Jahre Anuga

So steht es derzeit um die Lebensmittelbranche

Mal in Schleifen-, mal in Muschelform, mal dick, mal dünn – Bio-Pasta auf der Anuga 2015.

Mal in Schleifen-, mal in Muschelform, mal dick, mal dünn – Bio-Pasta auf der Anuga 2015.

Köln. Die Lebensmittelmesse Anuga wurde erstmals 1919 veranstaltet - jetzt feiert sie ihren ersten dreistelligen Geburtstag. Trotz erwarteter Bestmarken ist die Branche nur verhalten optimistisch. Wir klären die wichtigsten Fragen.

100 Jahre gibt es jetzt schon die Allgemeine Nahrungs- und Genussmittelausstellung – kurz Anuga. Und zur Jubiläumsausgabe vom 5. bis zum 9. Oktober erwartet die Kölner Messe neue Bestmarken. Rund 7500 Aussteller werden erwartet aus über 100 Ländern. Sie zeigen ihre Produkte und Dienstleistungen wohl mehr als 165.000 Fachbesuchern aus über 190 Ländern. Im Vorfeld der Messe zeigte sich die Lebensmittelbranche aber nur verhalten optimistisch.

Was drückt auf die Stimmung der Branche?

Handel, Industrie und Gastronomie beklagen einen Mangel an Nachwuchs und an Fachkräften. Dabei biete die Ernährungsindustrie spannende und krisen- und zukunftssichere Jobs, so Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Essen müssten die Menschen schließlich immer. Sorgen macht ihm auch der drohende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Zollkosten von 382 Millionen Euro im Jahr könnten auf die Ernährungsindustrie zukommen bei einem harten Brexit.

Wie der Handel beobachtet die Industrie ein verändertes Konsumverhalten. Die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte nimmt zu. Und die kaufen anders ein. Der Trend zu fertigen oder vorgefertigten Produkten nehme zu. Es wird etwa portioniertes Obst gekauft statt loser Äpfel oder einer Melone. So sinkt tendenziell die Absatzmenge. Gleichzeitig steigt der Umsatz, weil die bequemeren Produkte teurer sind. Und die Gastronomie wünscht sich flexiblere Arbeitszeitregelungen.

Wie läuft es bei der Lebensmittelindustrie?

Nach einer Stagnation im abgelaufenen Jahr kletterte der Umsatz der deutschen Ernährungsindustrie im ersten Halbjahr um 1,5 Prozent auf 89,5 Millionen Euro. Der Absatz sei stabil geblieben, steigende Preise hätten für das Wachstum gesorgt, so Minhoff.

Das Inlandsgeschäft wuchs dabei stärker als der Export, der aber für 33 Prozent des Umsatzes sorgt. Fraglich sei, ob sich der Wachstumstrend im zweiten Halbjahr fortsetze. Die Branche mit 608.533 Beschäftigten in 6119 Betrieben hat ihre Geschäftserwartungen deutlich zurückgenommen, zumal sich bei den Verbrauchern Unsicherheiten hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung ergeben.

Welche Geschäfte macht der Lebensmittelhandel?

Im ersten Halbjahr hat der Lebensmitteleinzelhandel Waren im Wert von 108,2 Milliarden Euro verkauft, so Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands BVLH. Das waren 1,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet der BVLH Erlöse von 221,6 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von 2,2 Prozent. Der Handel bleibe stabil, auch wenn die Konjunktur an Fahrt verliere.

Wie steht die Gastronomie da?

„Es geht uns gut“, sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbands. Die Reise- und Ausgehfreude sei ungebrochen. Sie erwartet eine neue Rekordzahl von 480 Millionen Übernachtungen im laufenden Jahr. Die Branche habe 2018 einen Jahresnettoumsatz von fast 90 Milliarden erzielt, darunter 48,3 Milliarden in Restaurants und Kneipen.

Im ersten Halbjahr habe die Branche den Umsatz nominal um 2,2 Prozent und real um 0,5 Prozent gesteigert. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 2,2 Prozent auf 1,11 Millionen. Mit Minijobbern und mithelfenden Familienangehörigen würden 2,4 Millionen beschäftigt.