GA-Serie: Lehrstellen-Check

So sieht die Arbeit eines Paketzustellers aus

DHL-Mitarbeiter Ben Frings-Ness (links) und Matthias Kirch sortieren die Pakete für die Auslieferung.

DHL-Mitarbeiter Ben Frings-Ness (links) und Matthias Kirch sortieren die Pakete für die Auslieferung.

Bonn. GA-Volontär Matthias Kirch hat den Paketboten Ben Frings-Ness einen Tag bei seiner Arbeit begleitet und den Job eines Zustellers genauer unter die Lupe genommen.

4,6 Millionen Pakete liefert die DHL deutschlandweit aus – nicht in einem Monat oder einer Woche, sondern an nur einem Tag. Der wachsende Versandhandel beschert dem Tochterunternehmen der Deutschen Post wie auch seinen Mitbewerbern gute Geschäfte. Da die Zahl der Pakete immer weiter steigt, vergrößert sich auch der Bedarf an Zustellern. Mit anderen Worten: Der Beruf hat Zukunft.

Dass die Arbeit als Zusteller mehr ist, als einfach nur Pakete auszuliefern, zeigt sich schon daran, dass es sich um einen Ausbildungsberuf handelt. Nach zweijähriger Ausbildung können sich die Absolventen als Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen bezeichnen. „In der zweijährigen Ausbildung erlernt man das Zustellen, aber auch alle Vorschriften, die dahinter stehen, sowie den richtigen Umgang mit Kunden. Es ist ein vielfältiger Beruf“, sagt Dieter Pietruck, Pressesprecher bei der DHL.

Wie der Arbeitsalltag eines Paketzustellers aussieht, erfahre ich bei einem eintägigen Schnuppertag an der Seite von Ben Frings-Ness. Der 43-Jährige ist seit zwei Jahren bei der DHL beschäftigt und hat schon Abertausende von Paketen ausgeliefert. Als ich um 9.15 Uhr in der Zustellbasis in der Friedrich-Wöhler-Straße in Auerberg aufschlage, ist Frings-Ness schon dabei, seinen Wagen mit Sendungen zu beladen.

Eine Tour durch Poppelsdorf

In der riesigen Halle werden die Pakete über eine Brücke befördert, durch ein komplexes System nach Adressen sortiert und auf den richtigen Ablageplatz, die sogenannten Paketrutschen, geliefert. Für mich geht es auf Tour durch Poppelsdorf, wo unter anderem zahlreiche Institute der Bonner Universität beliefert werden. Nach einer kurzen Einweisung von Frings-Ness beginnt für mich die Arbeit: Ich bekomme Sendungen in allen möglichen Größen und Formen in die Hand gedrückt und soll sie im Zustellfahrzeug deponieren. Klingt kinderleicht, hat aber seine Tücken, wie ich schnell feststellen muss. Denn Frings-Ness hat ein klares System, auf welchen Regalen er welche Straßen ablegt. „Das hier ist Meckenheimer Allee, das kommt da vorne hin“, sagt er und zeigt auf das entsprechende Fach. Nach zwei Minuten habe ich schon Pakete für einige Straßen einsortiert. Doch während mein Lehrmeister mit all seiner Routine dafür wenige Sekunden braucht, stehe ich beim ein oder anderen Paket noch immer etwas ratlos im Laderaum des Fahrzeugs.

 

Nach rund 45 Minuten sind alle 147 Sendungen dieses Tages verstaut, die Auslieferung kann beginnen. Wie schon beim Einladen hat Frings-Ness auch bei seiner Tour ein klares System: Statt einfach Straße für Straße abzufahren, überlegt er sich genau, wo er am besten zu welcher Uhrzeit ist. „Ich fange immer mit den Uni-Instituten an, weil die Sekretariate zum Teil ab dem Nachmittag nicht mehr besetzt sind. Zudem ist es sinnvoller, Privathaushalte erst später anzufahren, weil die Chance dann größer ist, den Empfänger anzutreffen“, erklärt er. Nicht nur beim Transport zwischen den verschiedenen Paketzentren, sondern auch bei der Zustellung ist eine gute Logistik also von großer Bedeutung, um möglichst viele Pakete an die Frau oder den Mann zu bringen.

17.000 Schritte an einem Arbeitstag

Los geht es für uns in der Wegelerstraße, wo das erste Uni-Institut mit einem Paket beliefert wird. Dass Frings-Ness den Bezirk nicht zum ersten Mal bearbeitet, wird direkt klar: Das Labyrinth von Gängen meistert er ohne Probleme und erreicht das Sekretariat schnellen Schrittes in nicht mal einer Minute – wie auch bei den nächsten Instituten. „An einem Arbeitstag lege ich immer zwischen 15 000 und 17 000 Schritte zurück und verbrenne währenddessen rund 1000 Kalorien“, sagt Frings-Ness. „Das ist auf jeden Fall besser als die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Da muss ich zahlen, hier werde ich quasi für den Sport bezahlt.“

 

Wie sportlich der Beruf ist, erfahre auch ich spätestens beim Stopp am Geografischen Institut. Dort müssen wir 18 Pakete mit jeweils 25 Kilo Gewicht abliefern. Während ich ihm die Sendungen aus dem Lieferwagen anreiche, stapelt Frings-Ness sie vor dem Eingang des Instituts. Bei den ersten Paketen läuft das alles noch problemlos, doch uns beiden steht der Schweiß auf der Stirn. „Da habe ich ja Glück, Dich heute dabei zu haben“, sagt Frings-Ness, ehe wir die Ladung mit der Sackkarre zum Sekretariat bringen. Später haben wir alle Institute abgeklappert und fahren die ersten Privathaushalte an. „Ich finde diesen Bezirk sehr angenehm, weil es zwischendurch immer wieder ruhige Straßen gibt, in denen ich runterkommen kann“, sagt Frings-Ness. Am späten Nachmittag haben wir unser Ziel erreicht: Abgesehen von wenigen Retouren und ein paar nicht zustellbaren Paketen ist der Lieferwagen leer – ein gutes Gefühl macht sich trotz aufkommender Müdigkeit breit. Der Tag als Zusteller hat mir gezeigt, dass der Beruf unterschätzt wird. Denn neben der nötigen Fitness steckt viel strategische Planung dahinter. Ein Job also, der einen in vielen Bereichen fordert.