GA-Serie "Lehrstellen-Check"

So sieht die Arbeit eines Fruchtsafttechnikers aus

Azubi Jonas Kemper erklärt Volontärin Katharina Weber, was alles in einem Pfirsichsaft drinsteckt.

Azubi Jonas Kemper erklärt Volontärin Katharina Weber, was alles in einem Pfirsichsaft drinsteckt.

Hennef. GA-Volontärin Katharina Weber hat sich als Fachkraft für Fruchtsafttechnik ausprobiert. Im Werk von Eckes Granini in Hennef stellen diese speziellen Lebensmitteltechniker Säfte und Limonaden her.

Deutschland ist Saftweltmeister. In keinem anderen Land wird laut dem Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie so viel Fruchtsaft und -nektar getrunken wie hier. Im vergangenen Jahr sollen es 32 Liter pro Kopf gewesen sein, die beliebteste Sorte: Apfelsaft. Aber wer sorgt eigentlich dafür, dass die Frucht am Ende trinkfertig in der Flasche landet?

Die Antwort auf diese Frage findet man zum Beispiel in Hennef. Versteckt zwischen den Bäumen des Bröltals liegt ein Werk des Getränkeherstellers Eckes-Granini. Zu den etwa 250 Mitarbeitern gehören die Fachkräfte für Fruchtsafttechnik. Ein Beruf, den es schon „ewig“ gebe, den aber kaum jemand kenne, meint Mitarbeiter und Ausbilder Olaf Dorten. Ein guter Grund für mich, einen Tag lang selbst in die Rolle des Fruchtsafttechnikers zu schlüpfen.

In Dortens Büro erwarten mich der Industriemeister für Fruchtsaft und Getränke, Jens Walterscheid, und die Auszubildende Jana Jeremies. „Hygiene ist besonders wichtig“, erklärt Walterscheid. Die erste Amtshandlung ist deswegen, einen Schutzkittel und ein rotes Haarnetz an- sowie Uhren und Schmuck auszuziehen.

Äpfel werden vor Ort gepresst

Jana Jeremies wollte nach ihrem Fachabitur mit Schwerpunkt Ernährung und Hauswirtschaft eigentlich Fachkraft für Lebensmitteltechnik werden. „Aber Freunde haben gesagt, ich soll mich doch hier bewerben“, erzählt die 20-Jährige aus Overath. Nach ein paar Schnuppertagen war ihr der Ausbildungsvertrag sicher.

Ihre erste Station hatte sie in der Kelterung – dort, wo die Früchte zu Saft werden. „Da durfte ich die Pressen bedienen“, erinnert sie sich. Äpfel werden bei Eckes-Granini vor Ort gepresst, die meisten Früchte kommen jedoch in Form eines Konzentrats ins Werk. Unsere erste Aufgabe an diesem Tag ist daher das „Ausmischen“, Konzentrat und Wasser zu Saft zu vermischen.

Dazu gehen wir in die Saftaufbereitung, meist nur SAB genannt. Im Eingangsbereich der riesigen Halle stapeln sich Säcke voller Zutaten in Regalen bis unter die Decke. In der Luft liegt der intensive Geruch nach Früchten, überall brummen Maschinen laut vor sich hin. Im nächsten Bereich stehen drei große, metallene Tanks à 65 000 Liter. Vor den Tanks laufen am Verteiler, einer Art Schaltzentrale, alle Rohre zusammen: Konzentrat und Wasser kommen hier an, später fließt der fertige Saft Richtung Abfüllung ab.

Ein Beruf mit viel Bewegung

Zunächst muss das richtige Rohr an unseren Tank 39. Jana zeigt mir, wie man die großen Muttern mit dem Hakenschlüssel löst und festschraubt. Mit körperlicher Anstrengung müssen Fruchtsafttechniker umgehen können: Festsitzende Muttern können teils nur mit viel Kraft geöffnet werden. „In unserem Beruf ist man viel auf den Beinen und man muss auch mal anpacken“, erzählt Jana. Doch im Ernstfall helfen die Kollegen. „Man fühlt sich nicht alleingelassen. Wir unterstützen uns.“

In der Halle nebenan verbinde ich den Tank für süßes Orangensaftkonzentrat (OSK) mit einer Pumpe – und merke: Wasserscheu darf ein Fruchtsafttechniker nicht sein. Als ich das Rohr abschraube, fließt mir literweise Restwasser über die Füße. Jana stellt den Zähler ein: 10.000 Liter Wasser, 4000 Liter OSK, noch ein Knopfdruck und alles fließt Richtung Tank 39.

Warum das Wasser dem Saft bei der Herstellung erst entzogen und später wieder hinzugefügt wird? „Das Konzentrat ist viel haltbarer als der Saft und wir sparen Transportkosten“, erklärt Walterscheid. Aus einem Container, der 25 Tonnen Konzentrat fasst, könnten sie rund 150.000 Liter Saft herstellen.

Nicht nur produzieren, sondern auch probieren

Während die Flüssigkeiten in den Tank laufen, gehen wir zur „Sensorik“. Apfel, Orange, Pfirsich – hübsch aufgereiht stehen dort Flaschen und Gläser voller Saft und Nektar auf einem Tresen. „Wir müssen das, was wir produzieren, auch probieren“, sagt der Ausbilder. Das sei entscheidend für die Qualitätssicherung. Morgens und abends verkosteten Kollegen die zuletzt hergestellten Säfte und angelieferten Rohzutaten.

Um falsche Aromen identifizieren zu können, gibt es einmal im Jahr eine Sensorikschulung. Ich, untrainiert, probiere einen milden Apfelsaft: Schmeckt mild. Und nach Apfel – scheint alles in Ordnung zu sein.

Mittlerweile ist der O-Saft in Tank 39 fertig. Über ein Ventil zapfe ich ein Glas ab – das nennt sich „Probenziehen“. Im Labor bestimmen Jana und ich mit zwei Messgeräten den Citronensäuregehalt und den Brix-Wert, also das Verhältnis von Wasser und Zucker. Eine Liste mit Referenzwerten bestätigt uns: alles im Rahmen. Jetzt muss der Saft nur noch in die Flasche. Azubi Jonas Kemper aus Ruppichteroth führt mich durch die Abfüllung, wo Maschinen wie „Füller“, „Schließer“ und „Inspektor“ das vollautomatisch übernehmen. „Pro Stunde befüllen wir 27.000 Flaschen“, weiß Walterscheid, unter der Woche 24 Stunden am Tag.

Hier heißt es für die Azubis vor allem, den Abfüllprozess zu überwachen und bei Fehlern einzugreifen, mal Etiketten oder Klebstoff nachzufüllen. „Was Azubis angeht, ist der Betrieb echt super“, meint Kemper (21). Von Anfang an habe er „voll mitmachen“ dürfen. Weitere Stationen sind die Logistik und das hauseigene Klärwerk.

Ein Job mit Zukunft

„Das Schöne an diesem Beruf ist, dass man etwas für andere macht“, sagt Jeremies. Den eigenen Saft im Supermarkt zu sehen, fühle sich gut an. Eins müssten angehende Azubis aber wissen: „Wir haben deutschlandweit Blockunterricht in der Berufsschule in Geisenheim.“ In der Stadt nahe Wiesbaden verbrächten die Azubis jeweils mehrere Wochen am Stück. Eckes-Granini zahle in dieser Zeit zusätzlich zum Gehalt Unterkunft, Verpflegung und Spesen.

Ausbilder Dorten kümmert sich in Bröl aktuell um drei Fruchtsaft-Azubis. Nachwuchssorgen plagten das Unternehmen nicht, sagt er. Es herrsche weder ein Bewerbermangel noch -überschuss, insgesamt gebe es auch nur wenige Ausbildungsbetriebe und Stellen. „Deutschlandweit gibt es ungefähr 40 bis 50 Azubis pro Jahrgang“, weiß Dorten. Aber: Trinken muss man immer. Getränke sind laut Walterscheid ein Zukunftsmarkt: „Der Markt wird viel Neues bringen, weil der Verbraucher immer Neues erwartet.“ Mit der Übernahme sehe es daher gut aus: „Wir bilden aus, damit unsere Azubis nachher bei uns bleiben.“

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