GA-Serie "Lehrstellen-Check"

So sieht die Arbeit eines Drogisten aus

GA-Redakteur Laszlo Scheuch füllt gemeinsam mit der Auszubildenden Jenny Limbach ein Regal mit Duschprodukten auf.

GA-Redakteur Laszlo Scheuch füllt gemeinsam mit der Auszubildenden Jenny Limbach ein Regal mit Duschprodukten auf.

BONN. Zwischen Hustenbonbons und Duschgel: Für die Serie "Lehrstellen-Check" war GA-Redakteur Laszlo Scheuch einen Tag beim Drogeriemarkt dm in Bonn im Einsatz und hat sich über die Ausbildung zum Drogisten informiert.

"Wir machen den Unterschied" steht in großen roten Lettern auf dem weißen T-Shirt von Denise Schäfer. Die 23-Jährige ist eine von drei Auszubildenden in der Filiale der Drogeriekette dm in der Bonner Karlstraße und somit meine Kollegin für einen Tag. Für den GA-Lehrstellen-Check tauche ich ein in den Beruf des Drogisten.

Meine erste Aufgabe: Unter dem kritischen Blick von Schäfer helfe ich, einen Tisch mit mehreren Ebenen mit Saisonware neu zu gestalten. Ältere Ware kommt auf das unterste Fach, darüber frisch eingetroffene Artikel: "Ganz oben richten wir die neue Saisonware ein - in diesem Falle Artikel zum Valentinstag", erklärt die 23-Jährige.

Etwas unbeholfen versuche ich, Spiegel möglichst dekorativ zu positionieren. Gar nicht so leicht, sollen sie schließlich nicht etwa die kleinen Herzen aus Stein verdecken. "Da muss man schon kreativ sein. Meine Mutter ist Kindergärtnerin, das habe ich wohl von ihr", sagt Schäfer und lacht.

Dass die junge Frau heute im zweiten Lehrjahr ihrer Ausbildung ist, war vor einigen Jahren noch nicht zwingend absehbar. Ein Studium der Chemie und Physik brach die Abiturientin ab, weil es ihr zu trocken war. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut hat. Schäfer: "Mir fehlte die Arbeit mit Menschen, hier habe ich täglich Kundenkontakt."

 

Etwas weniger Kundenkontakt hat an diesem Morgen Diyar Hussen. Der 25-Jährige ist seit 9 Uhr im Laden und arbeitet wie alle Auszubildenden im Acht-Stunden-Schichtdienst. Arbeitsbeginn könne da durchaus auch schon um 6 Uhr sein, erzählt er, während er über eine App auf seinem Diensthandy Produkte einer Online-Bestellung scannt.

"Die Produkte der Bestellung habe ich mir vorher im Laden zusammengesucht. Wenn ich sie jetzt scanne, sagt mir die App genau, ob ich die richtige Menge habe und ob noch etwas fehlt", sagt Hussen und kommt dabei fast ins Schwärmen: "Mit der App kann man eigentlich keinen Fehler machen." Eine Feststellung, die ich wenig später bestätigen kann. Ich scanne allerlei Halsbonbons und Holundertee. Es ist Erkältungszeit, auch in den Warenkörben bei dm.

Die gescannten Produkte packe ich anschließend in Kartons, die später vom Paketdienst abgeholt werden. "Hierbei ist wichtig, dass du darauf achtest, ob in der Bestellung Gefahrstoffe wie beispielsweise Haarspray sind", erklärt mir Hussen. Tatsächlich enthält mein Paket auch Trockenshampoo, das als Gefahrgut vor dem Versand in Folie eingewickelt werden muss.

Unter 19 Schülern der einzige Mann

Zwei Männer, die sich als Drogisten die Arbeit teilen, sind eher die Ausnahme. Als Mann ist Hussen in seiner Ausbildung klar in der Unterzahl. Im Bad Godesberger Friedrich-List-Berufskolleg, das er ein bis zwei Mal pro Woche besucht, ist er laut eigener Aussage in seiner Klasse unter 19 Schülern der einzige Mann. "Das macht mir nichts", sagt er und lacht. Dass der Beruf vornehmlich Frauen anzieht, weiß auch Filialleiter Florian Schwenk zu berichten: "Nur etwa 15 Prozent der Drogisten sind Männer."

Dass ein Großteil der Produkte, die Hussen täglich in den Händen hält, für Damen gedacht ist, stört ihn ebenso wenig. Wie seine Kollegin schätzt er die breit gefächerten Aufgaben: "Nach meinem Abitur im Irak habe ich dort eine Ausbildung im IT-Bereich gemacht. Auf Dauer war mir die Arbeit im Büro aber zu langweilig - ich wollte mehr Abwechslung."

Die bekommt er in der Drogerie allemal. "Wir setzen unsere Lehrlinge vielfältig ein und ich lasse sie durchaus auch mal Aufgaben von mir übernehmen", sagt Schwenk. Der 32-Jährige ist bereits ein wahres dm-Urgestein, begann vor 16 Jahren selbst als Auszubildender. Heute ist er seit vier Jahren Filialleiter. Angesichts seines persönlichen Werdegangs ist es wenig überraschend, dass ihm vor allem die Weiterbeschäftigung seiner Lehrlinge nach der Ausbildung am Herzen liegt. "Bei guten Leistungen hat jeder die Chance, übernommen und weiter gefördert zu werden", berichtet er.

Ein Ziel, das auch Jenny Limbach verfolgt. "Ich möchte nach meiner Ausbildung gern auch noch den Handelsfachwirt machen", erzählt sie. Dass sie die duale Ausbildung zur Drogistin absolviert, nennt sie die "beste Entscheidung, die ich treffen konnte".

Am heutigen Morgen füllt sie mit mir die Regale mit neuer Ware auf. Während ich teilweise noch länger suchen muss, wo die "Ultra Sensitive Duschcreme" hinkommt, hat die 24-Jährige einen Überblick, als wäre sie in ihren eigenen vier Wänden. Und sollte dieser doch einmal verloren gehen, sei sie im Kreis der Kollegen stets gut aufgehoben. "Wir Azubis werden sehr gut betreut. Dadurch traut man sich natürlich auch, mal etwas bei Kollegen oder der Filialleitung nachzufragen", berichtet sie. Für Limbach ist die Ausbildung bald beendet, sie ist im dritten Lehrjahr. Bis es so weit ist, trägt sie weiter dazu bei, dass der Betrieb in der Karlstraße gewohnt reibungslos abläuft.