GA-Serie: Lehrstellen-Check

So sieht die Arbeit eines Anlagenmechanikers aus

Volontär Dennis Scherer hat einen Tag bei Beermann Sanitär und Heizung mit angepackt und die Arbeit kennengelernt.

Volontär Dennis Scherer hat einen Tag bei Beermann Sanitär und Heizung mit angepackt und die Arbeit kennengelernt.

Bonn. Wozu braucht ein Monteur eine Rohrgranate? Das hat Volontär Dennis Scherer erfahren, als er einen Tag lang mit den Mitarbeitern von Beermann Sanitär und Heizung unterwegs war.

Die „Rohrgranate“ zündet nicht richtig, also muss Rene Esch größere Geschütze auffahren. Erst mal hatte er den braunen Rohrreiniger in den Abfluss des Waschbeckens laufen lassen und es hatte so ausgesehen, als würde die Granate reichen: Aus den Abflüssen von Waschbecken und Badewanne brodelt die braune Brühe hoch. Ein beißender Geruch füllt das Badezimmer. Esch wartet eine Weile, dreht dann das Wasser auf – es läuft besser ab, aber nicht gut.

„Jetzt müssen wir die große Nummer fahren“, sagt er. Esch schraubt den Siphon des Waschbeckens ab, schiebt eine Feder, die vorne auf einer Bohrmaschine montiert ist, in das Rohr und gibt Gas.

Nach zwei, drei Minuten zieht er die Feder Stück für Stück wieder aus dem Rohr. An der Spitze hängen noch Reste von dem, was das Rohr verstopft hat. Aus Badewanne und Waschbecken läuft das Wasser wieder ungehindert ab. Esch packt zusammen, für heute hat er keine Aufträge mehr.

Ein Job für zwei

Rene Esch ist Monteur beim Bonner Betrieb Beermann Sanitär und Heizung. Einen Tag lang kann ich ihn bei der Arbeit begleiten. Los geht es um 7.30 Uhr auf dem Gelände der Firma in Tannenbusch. Die Monteure bekommen ihre Aufträge und beladen die Wagen. Als erstes muss Esch heute Heizkörper montieren – ein Job für zwei. Zusammen mit Celal Tokur packt er die schweren Heizkörper auf einen Anhänger.

Tokur hat neun Jahre als Einzelhandelskaufmann gearbeitet. „Aber das war mir zu langweilig“, sagt er. „Ich wollte was Neues probieren.“ Also machte er eine zweijährige Umschulung. Seit einem halben Jahr arbeitet er nun für Beermann. Als der Wagen beladen ist, machen wir uns auf den Weg zur Baustelle.

In Endenich müssen Esch und Tokur die Heizkörper in einem Anbau montieren, der gerade renoviert wird. Zusammen mit den beiden schleppe ich die Heizkörper eine kurze Treppe hinauf und manövriere sie durch die schmale Tür. Während Esch in einem Raum die Bohrlöcher an der Wand markiert, bekomme ich eine typische Azubi-Aufgabe. „Säg schon mal die Rohre ab, Oberkante Block 15 Zentimeter.“

Ich knie auf dem Boden und säge die Kappe ab, mit der die aus dem Boden ragenden Rohre verschlossen sind. Tokur zeigt mir, wie ich den Block darauf schraube, der die Rohre später mit dem Heizkörper verbindet. Dann fragt Esch: „Willst du bohren?“ Auch etwas, das sonst ein Azubi übernimmt. Ich bohre die Löcher für die Halterung der Heizkörper. Als beide hängen, ist unser Job erledigt.

Flexibel und kreativ sein

„Das ist noch gar nichts“, sagt Esch in der verdienten Pause, bevor es weiter geht. „Kritisch wird es, wenn es keinen Aufzug gibt und wir die Dinger in den zehnten Stock schleppen müssen.“ Seit er 19 Jahre alt ist, arbeitet er als Monteur. „Ich liebe diesen Beruf“, sagt der 46-Jährige.

„Die Flexibilität und die Kreativität, die es braucht.“ Außerdem lerne man nie aus. „Die Technik entwickelt sich ja weiter. Wir besuchen Lehrgänge und Fortbildungen.“ Eine Sache jedoch gibt es, die ihm gar nicht gefällt: „Bei Leuten den Abfluss frei zu machen.“ Da weiß er noch nicht, dass genau das später auf ihn zukommt.

 

Erst mal geht es weiter nach Bornheim, wo Esch und Tokur eine Heizungsanlage warten müssen. Auf der Fahrt sagt Esch: „Vernünftige Monteure zu finden, ist unheimlich schwer.“ Kaum einer wolle den Beruf noch machen. „Heute wollen alle studieren.“ Wer sich dreieinhalb Jahre zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ausbilden lassen wolle, empfiehlt er, sich einen kleinen Betrieb zu suchen. „Da bekommst du viel mehr Sachen zu sehen“, sagt er.

„Bei den großen Firmen werden die Azubis manchmal verschlissen. Dann fegen die nur und bohren Löcher.“ Für die Ausbildung sei es wichtig, kreativ zu sein und in Mathe etwas drauf zu haben. „In der Schule stehen Fächer wie Wirtschaftslehre, technisches Zeichnen oder Mathe auf dem Stundenplan.“

Diagnose: Flammenabriss

Bis vor ein paar Jahren haben sie bei Beermann noch selbst ausgebildet. „Wirtschaftlich sind die Azubis bis zum zweiten Jahr eigentlich untragbar“, sagt Esch, der für die Ausbildung zuständig war. „Ich gebe mein Wissen gerne weiter.“ Einer der Jungs, die bei Beermann von ihm gelernt haben, übernimmt nächstes Jahr den Betrieb, wenn Inhaber Reinald Meyers in Rente geht.

In Bornheim angekommen erinnert die geöffnete Anlage mit den ganzen Kabeln, Schläuchen und Ventilen ein bisschen an einen Patienten auf dem Operationstisch. „Kleiner Schlitz – großer Schraubendreher“, sagt Esch wie ein Arzt. Tokur reicht das Werkzeug an. Als Tokur alles wieder zusammengesetzt hat, schließt Esch ein Messgerät an, schaut sich die Werte an.

Etwas stimmt nicht. Schnell ist die Diagnose gestellt: Flammenabriss. Die Elektroden, die das Gas in der Anlage zum Brennen bringen, zünden auch dann weiter, wenn schon eine Flamme da ist. Behandlung: Eine neue Zündelektrode muss her.

Während Esch die beim Händler holt, machen Tokur und ich eine Zigarettenpause. „Rene ist wirklich ein guter Monteur, sehr kreativ, findet für alle Probleme eine Lösung“, sagt Tokur. „Der wird bei uns auch MacGyver genannt.“ Heute ist sein Erfindungsreichtum allerdings wenig gefragt. Mit dem Ersatzteil läuft die Heizung wieder einwandfrei.

Nun müssen die beiden nur noch nach Dransdorf, um dieses verflixte Rohr wieder frei bekommen. Kein Wunder, dass Esch – wie dem Sprengstoffexperte aus der Fernsehserie – als erstes die Rohrgranate einfällt.