IHK-Umfrage

So ist die Stimmung der Unternehmen in Bonn

Bonn Innenstadt: Der Münsterplatz mit dem Beethovendenkmal. Der stationäre Einzelhandel sieht sich der Konkurrenz durch neue Geschäfte am Hauptbahnhof ausgesetzt.

Bonn Innenstadt: Der Münsterplatz mit dem Beethovendenkmal. Der stationäre Einzelhandel sieht sich der Konkurrenz durch neue Geschäfte am Hauptbahnhof ausgesetzt.

Bonn. Handelskonflikte und hausgemachte Probleme trüben das Geschäftsklima. Der IT-Branche hingegen geht es sehr gut.

Ein anhaltender Boom in der Informations- und Kommunikationswirtschaft, neue Tiefstände im Gastgewerbe – das Ergebnis der Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg fällt sehr disparat aus. „Das Wachstum wird in diesem Jahr deutlich unter den guten Werten der Vorjahre liegen“, heißt es im Wirtschaftslagebericht, den die IHK am Dienstag in Bonn der Presse vorstellte. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Dienstleistungen und Industrie

Dienstleistungen: Sie ist die weitaus bedeutendste Branche in der Region, die noch wenig unter den Handelskonflikten und der Wachstumsschwäche zu leiden hat. Vier von zehn befragten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte, nur zehn Prozent mit einer Verschlechterung. 31 Prozent wollen die Investitionen erhöhen, fast 38 Prozent das Personal aufstocken. Der Fachkräftemangel gilt als Hauptrisiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille sagte, dass die freie Mobilität der Arbeitnehmer in der Europäischen Union angesichts des Fachkräftemangels „von essenzieller Bedeutung“ für die Unternehmen sei.

Industrie: Der Geschäftsklimaindex war nach einem Höchststand von mehr als 139 Punkten vor einem Jahr stetig gesunken, konnte sich seit Januar aber von knapp 104 auf gut 108 Punkte verbessern. Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäfte, nicht einmal jedes fünfte mit einer Verbesserung. Die Investitionsbereitschaft geht deutlich zurück, die Anzahl der Unternehmen, die ihre Investitionen ausbauen wollen, ist geringer als derjenigen, die sie kürzen wollen. Neben den Handelskonflikten und dem drohenden Brexit stehen die Autozulieferer vor der Frage, wie sie sich auf die E-Mobilität vorbereiten. „Sie würde bei den Zulieferern zu deutlichen Veränderungen des Geschäftsmodells führen“, erklärte Hille, weil ein E-Auto viel weniger und andere Komponenten benötigt als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Einzelhandel und Information

Einzelhandel: Der Geschäftsklimaindex sinkt noch weiter von knapp 113 auf gut 105 Punkte. Als Hauptrisiko gilt die sinkende Inlandsnachfrage. Hille sagte, die Unsicherheit bei den etablierten Einzelhandelsgeschäften sei groß angesichts der neuen Verkaufsflächen am Hauptbahnhof. Die Frage sei, inwiefern der Wettbewerb das Geschäft belebt oder nur mehr inhabergeführte Läden letztlich das Handtuch werfen, also aufgeben.

Information und Kommunikation: Diese Branche erreicht beim Geschäftsklimaindex mit 143 Punkten den besten Wert, der sich damit auch gegenüber dem Jahresbeginn (136 Punkte) erhöht. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen erwartet in den kommenden Monaten eine Verbesserung des Geschäfts, jedes vierte Unternehmen will mehr investieren. Fast die Hälfte der Firmen will auch mehr Personal einstellen. Hille sprach vom politischen Ziel, aus Bonn nicht nur das Herz der Cybersicherheit in Deutschland, sondern Europas zu machen.

Gastgewerbe und Verkehr

Gastgewerbe: Wie schlecht die Stimmung in der Branche ist, zeigt sich am Umstand, dass der Geschäftsklimaindex unter die Marke von 100 Punkten fällt, nämlich auf gut 95. Das bedeutet, dass die negativen Einschätzungen bei allen Kriterien die positiven überwiegen. Ein Grund sei, dass bei einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums auch weniger Tagungen und Kongresse stattfänden, erklärte Hille. Unklar sei, wie sich die geplanten Neueröffnungen von Hotels in Bonn auswirkten.

Verkehr: Der Geschäftsklimaindex hält sich mit 113 Punkten auf dem Niveau zu Jahresbeginn, worin sich laut Hille auch die leicht verbesserte Lage in der Industrie widerspiegelt. Der drohende Brexit sowie Diskussionen über Citymaut und Fahrverbote verunsicherten die Branche und würden bei ihrer Umsetzung die Kosten erhöhen, was am Ende die Gewinne drücke. Energiepreise und ihre Besteuerung seien ebenfalls ein Thema.