Müsli mit Grüntee und Speck aus Siegburg

Siegburger Unternehmen CIF beliefert Lebensmittelindustrie

In der Versuchsküche: Stefan Braun probiert den Grundstoff für einen Protein-Shake. FOTO: HOLGER ARNDT

In der Versuchsküche: Stefan Braun probiert den Grundstoff für einen Protein-Shake. FOTO: HOLGER ARNDT

Siegburg. Die Spezialisten der Cif GmbH beliefern die Lebensmittelindustrie mit außergewöhnlichen Rezepturen und Mischungen: Vom veganen Kakao bis zur Panade fürs Fischfilet.

Stefan Braun kann sich nicht immer aussuchen, was er isst. Probieren ist sein Job. Und der kann eine echte Herausforderung sein. Zuletzt tüftelte der gelernte Bäcker und Lebensmitteltechniker in seiner Siegburger Versuchsküche an einem Müsli der Sorte „Grüner Tee und Speck“. „Das war ein Auftrag für den asiatischen Markt“, sagt der Unternehmer. „Wir richten uns nach dem Geschmack der Kunden.“

Die Siegburger Creative Foods GmbH (Cif) ist Spezialist für ausgefallene Mischungen. Das Unternehmen liefert der Lebensmittelindustrie Zutaten und Fertigprodukte. „Wir verarbeiten alles, was getrocknet und gemahlen ist“, sagt Geschäftsführer Braun. Das Angebot reicht vom Pulver für Fisch-Panade mit Wasabi über sojafreie Bindemittel für Dönerfleisch bis zu Porridge-Mischungen und veganem Kakaopulver.

In der Fabrikhalle auf dem Siegburger Phrix-Gelände stapeln sich die Säcke mit Zutaten bis unter die Decke: „Wir haben hier alleine zwölf unterschiedliche Weizenmehle in speziellen Aussiebungen, die etwa beim Anrühren nicht klumpen“, erklärt Braun. Sein weißer Kittel ist von einem feinen rötlichen Staub überzogen. „Ich entwickele gerade für einen Auftraggeber ein Pulver aus getrockneten und gemahlenen kanadischen Saskatoon-Beeren“, erklärt der 43-Jährige.

Integrative Arbeitsplätze

Im Jahr 2004 ist Braun als Betriebsleiter bei CIF eingestiegen, die einen Umsatz in einstelliger Millionenhöhe erwirtschaftet. Jetzt befindet er sich im Übernahmeprozess. Der Firmengründer will sich aus Altersgründen zurückziehen. „Es ist einfach eine spannende Branche“, sagt Braun. „Es werden derzeit viele neue Lebensmittel entwickelt und die großen Supermarktketten sind viel offener geworden, auch Neuheiten von Start-ups ins Programm zu nehmen.“ Ein Trend sei zum Beispiel Kokoszucker, der leicht nach Honig schmeckt, als Süßmittel. „Aber auch vegane Produkte bleiben gefragt“, sagt der Siegburger.

Manche davon sieht der Lebensmitteltechniker allerdings kritisch: „Vor allem bei Fleischersatz wie einem veganen Schnitzel finden sich auf der Zutatenliste jede Menge Zusatzstoffe“, sagt er. „Dann doch lieber das Original.“ So haben die Siegburger für einen Kunden Pulver aus getrocknetem Schinken entwickelt. „Damit kann man Gerichte wie Tütensuppen ohne künstliche Ersatzstoffe würzen“, sagt Braun. Aus der Markteinführung wurde jedoch nichts: „Leider war am Ende die Herstellung zu teuer.“ In der Siegburger Fabrikhalle verkosten, mahlen, mischen und verpacken 25 Mitarbeiter die Produkte der Cif GmbH. Durch einen Kontakt zu der benachbarten Behindertenwerkstatt hat Braun entdeckt, dass in der Produktion Menschen mit Handicap gute Arbeit leisten. „Wir haben mehrere hoch motivierte Mitarbeiter in integrativen Arbeitsplätzen, und das funktioniert hervorragend“, sagt Braun.

In der Lebensmittelbranche komme es vor allem auf eine schnelle Umsetzung von Ideen an. „Rezepte können leicht kopiert werden“, sagt Braun. Unternehmensgründer müssten ihre Ideen zügig umsetzen und auf den Markt bringen, damit sie die Konkurrenz auf Abstand halten. Manchmal müssen dabei auch die Siegburger Spezialisten passen. Zwei seiner Auftraggeber seien mit ihren Geschäftsideen in der TV-Gründer-Show „Höhle der Löwen“ aufgetreten. Bei einem der Anbieter sei die Zahl der Bestellungen nach dem Fernsehauftritt so rasant gestiegen, dass Braun ihn an einen größeren Hersteller verweisen musste.