Opfer der Hitzewelle Siegburger Konditorei Fassbender erneut insolvent

Konfiserie Fassbender – hier in der Sternstraße – steckt wieder in Zahlungsschwierigkeiten.

Bonn. Zehn Jahre nach der Zahlungsunfähigkeit ist die Siegburger Konditorei Fassbender wieder in Nöten. Ein Grund für die wirtschaftlichen Probleme ist auch die Hitzewelle.

Die Siegburger Traditionskonditorei Fassbender ist zehn Jahre nach der ersten Insolvenz erneut in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Wie das Unternehmen am Montag auf Anfrage mitteilte, beantragte es selbst das Insolvenzverfahren beim Bonner Amtsgericht.

Gründe für die wirtschaftlichen Probleme seien der heiße Sommer und die Folgen des Großbrandes aus dem Jahr 2015. Der Verkauf in den Ladenlokalen in Siegburg, Bonn, Bad Honnef und Köln läuft derzeit weiter.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht den Steuerberater Thomas Steger aus Sankt Augustin, der bereits das erste Insolvenzverfahren geleitet hatte. Aus der damaligen Insolvenz hatte 2009 der ehemalige Prokurist Stefan Geiger den Betrieb übernommen. Als Geschäftsführer modernisierte Geiger die Produktion, die in das Industriegebiet Siegburg zog, außerdem ließ er alle Ladenlokale sanieren beziehungsweise renovieren.

Ein neuer Investor ist willkommen

Steger sagte dem General-Anzeiger: „Wir halten uns alle Optionen offen. Natürlich ist auch ein neuer Investor willkommen.“ Die Konditorei Fassbender, die seit 1910 am Siegburger Marktplatz präsent ist, macht ihr Hauptgeschäft in den Wochen um Weihnachten und Ostern herum. Der Sommer sei traditionell die verkaufsärmere Zeit, obwohl Fassbender dann auch hochwertige Eisspezialitäten und leichte Früchtetartes anbiete. Die außergewöhnlichen Hitzetage der vergangenen Wochen hätten den Umsatz aber teilweise bis zu 50 Prozent einbrechen lassen.

In Verbindung mit den Kosten, die das Unternehmen nach dem Großfeuer 2015 zu tragen hatte, sei es nun aber zahlungsunfähig geworden. Der Brand war im Frühjahr in der zentralen Produktions- und Verpackungshalle in Siegburg ausgebrochen. Auslöser war eine defekte Kühltruhe. Laut Steger trug die Versicherung nur einen Teil der Kosten, Fassbender selbst blieb auf einem sechsstelligen Euro-Betrag sitzen. Noch zu Jahresbeginn habe das Unternehmen nicht über den notwendigen Finanzpuffer verfügt, um die Umsatzausfälle der vergangenen Monate auffangen zu können, hieß es.

Die 135 Beschäftigten einschließlich der Aushilfen und Auszubildenden wurden bereits auf Betriebsversammlungen über die Insolvenz informiert. Über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit seien ihre Löhne und Gehälter gesichert.

Filialen saniert und renoviert

Bei den Filialen hat es seit 2008 Veränderungen gegeben: So zog die Produktion vom Markt 12 in Siegburg in das Industriegebiet, wo außerdem das Geschäft Fassbender to go eröffnet wurde. 2012 kam das Café Bottler in der Vivatsgasse in der Bonner Fußgängerzone direkt am Sterntor hinzu. In Siegburg gehört das Literaturcafé in der Stadtbücherei seit 2014 zu den Fassbender-Filialen.

Das wichtigste Lokal neben dem Stammhaus in Siegburg ist das Café in der Kölner Mittelstraße. In der Domstadt betreibt Fassbender außerdem das Café Jansen in den Obermarspforten. Erste Niederlassung in Bonn war das Geschäft in der Sternstraße, das dort 1995 eröffnet wurde. Im März 2008 übernahm Fassbender das Café Jansen in Bad-Honnef, das nur zufällig namensgleich mit dem Kölner Geschäft ist.

Aus Siegburg in die ganze Welt

Die meisten Produkte im Hause Fassbender wie Trüffelpralinés, Mandelkrokant Caracas und Nougatspitzen stammen aus eigener Erzeugung. Der Anteil der bloßen Handelsware sei relativ gering, so das Unternehmen, das sich unter Geschäftsführer Geiger in „Fassbender Genussmanufaktur“ umbenannte. Seit über 40 Jahren werden die Confiserieartikel auch in die ganze Welt versandt, inzwischen über einen Onlineshop.

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