Siegburger Dohle-Handelsgruppe will mit "Hit"-Märkten wachsen

Familienunternehmen setzt 1,35 Milliarden Euro um - Geschäftsführer Christoph Clavadetscher: "Lebensmittel brauchen die Leute immer"

Siegburg. Finanzkrise hin, Rezession her: Am Lebensmittel-Einkauf hat sich in Deutschland offenbar nicht viel geändert. Lediglich eine "leichte Unsicherheit" bei der Kundschaft hat Christoph Clavadetscher ausgemacht.

Der Geschäftsführer der Siegburger Dohle-Handelsgruppe, die bundesweit 92 "Hit"-Märkte betreibt, hält seine Branche für relativ krisensicher: "Lebensmittel brauchen die Leute immer." Deshalb will die Supermarktkette mit 1,35 Milliarden Euro Jahresumsatz 2008 um rund zwei Prozent wachsen.

Umsatz habe das Siegburger Familienunternehmen in diesem Jahr vor allem durch die allgemeinen Lebensmittel-Preissteigerungen im Frühjahr und Sommer verloren. "Da reagieren die Kunden extrem sensibel", zieht Clavadetscher Bilanz. Nachdem etwa Milchprodukte nach den Bauernprotesten teurer geworden seien, hätten viele Verbraucher an Stelle von Butter Margarine gekauft.

Statt nach Bio-Ware und Premium-Produkten hätten die Kunden lieber zu günstigeren Lebensmitteln gegriffen. Nachdem die Preise für Lebensmittel nun wieder gesunken seien, habe sich die Nachfrage wieder normalisiert.

Die Dohle-Gruppe sieht sich auch daher für die Krise gut gewappnet, da sie sich stärker als andere Supermarktketten auf Lebensmittel konzentriert und wenig so genannte Non-Food-Ware vom Strumpf bis zum Toaster verkauft. "An diesen Dingen sparen die Menschen zuerst", sagt Clavadetscher. Vor allem durch die vielen Angebote der Discounter sei der Markt gesättigt: "Wer braucht schon mehr als eine Heckenschere?"

Positive Bilanz zieht der Manager nach den verlängerten Ladenöffnungszeiten. Die zusätzlichen Verkaufszeiten hätten für mehr Umsatz gesorgt. Allerdings richte das Unternehmen sich mit der Ladenöffnung nach der Nachfrage am einzelnen Standort. "Zum Teil schließen wir auch wieder um 19 Uhr."

Das Siegburger Familienunternehmen gibt sich trotz aller Wachstumspläne konservativ. Mehr als zwei bis drei neue "Hit"-Märkte im Jahr will die Dohle-Gruppe nicht eröffnen. "Unser Konzept ist vor allem auf städtische Regionen ausgerichtet", sagt Clavadetscher. 13 Supermärkte betreibt Hit im Großraum Bonn. In Ostdeutschland ist Dohle mit nur zwei Filialen vertreten. "Da ist die Konkurrenz der Discounter zu groß", sagt der Schweizer Clavadetscher, der seit knapp drei Jahren bei Dohle die Geschäfte lenkt.

Neben der süddeutschen Globus-Gruppe gilt Dohle als einziger Betreiber von klassischen Supermärkten in Familienbesitz zwischen Branchenriesen wie Rewe, Edeka und der Metro-Gruppe. Von den rund 6 000 Beschäftigten arbeiten 300 in der Siegburger Firmenzentrale. In diesem Jahr hat Senior-Chef Kurt Dohle den Vorsitz des Firmen-Beirats an seinen Sohn Klaus abgegeben. Die alleinige Geschäftsführung liegt mit Christoph Clavadetscher erstmals nicht mehr in Händen der Gründerfamilie.

Die Firmengeschichte In drei Generationen ist die Dohle-handelsgruppe vom Dorf-Laden zur Supermarkt-Kette herangewachsen. Jean Dohle gründete 1927 im Siebengebirgs-Örtchen Quirrenbach seinen Lebensmittelhandel. Sohn Kurt Dohle übernahm und weitete die Geschäfte nach der Heirat mit Maria Schröder deutlich aus. Denn sie brachte ebenfalls ein elterliches Einzelhandelsgeschäft mit in die Ehe - plus Kaffeerösterei und Likörfabrik. Mit Sohn Klaus sitzt heute die dritte Generation im Dohle-Beirat.