"Industriegeschichte in der Region"

Seit 1878 baut Steimel in Hennef Maschinen

HENNEF. Hinter den verputzten Wänden des Besprechungszimmers verbergen sich die Fliesen einer Metzgerei aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wo sich vor fast 150 Jahren die Hennefer zum Kegeln trafen, sitzen heute Techniker am Computer und entwickeln Pumpen. Und in den Werkshallen sind High-Tech-Geräte an alten Eisensäulen mit kunstvollen Ornamenten montiert.

Ein Rundgang durch das Firmengebäude der Hennefer Maschinenfabrik Gebrüder Steimel gleicht einer Zeitreise von den Anfängen der Industrialisierung bis in die moderne computergesteuerte Produktion. Schließlich fertigt das Unternehmen seit 136 Jahren am selben Standort an der Frankfurter Straße, mittlerweile im Stadtzentrum.

"Hennef ist um uns herum gewachsen", sagt Geschäftsführer Thomas Manth. Dabei ist Steimel seiner Produktpalette seit mehr als einem Jahrhundert weitgehend treu geblieben. Nach wie vor stellt das Unternehmen Pumpen und Zentrifugen her - früher liefen die Geräte im Handbetrieb, heute mit moderner Technik.

Angefangen hat alles mit Eisenwaren für die umliegenden Bauernhöfe: Heuwender, Häckselmaschinen, Rübenschneider und Jauchepumpen. Johann Steimel gründete 1878 seine Fabrik für Geräte, die die harte Arbeit der Landwirte vereinfachen sollten. Dafür mussten die Arbeiter in der Maschinenfabrik schuften: In den Anfangsjahren gab es noch keinen Strom. Dampfmaschinen erzeugten Kraft, die mit Transmissionsriemen auf Maschinen übertragen wurde.

"Der Lärm muss enorm gewesen sein, die Lichtverhältnisse waren schlecht", schreibt der frühere Steimel-Geschäftsführer Norbert Peth in einer Chronik des Unternehmens. Erst nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1889 entwickelte sich ein Produkt zum Verkaufsschlager der Hennefer: die Milchzentrifuge, mit der die Bauern an der Sieg die Milch selber zu Rahm und Butter verarbeiten konnten, die sie an die Dorfbewohner verkauften.

Die Fabrik war gut ausgelastet: 42 Mitarbeiter beschäftigte Steimels Witwe Helene bereits im Jahr 1891 in dem Unternehmen, das auf den Namen "Johann Steimel selig Erben" umgetauft worden war. Zur gleichen Zeit erhielt der Betrieb den ersten Telefonanschluss Hennefs. Rufnummer: 1.

Doch das florierende Geschäft mit den Milchbauern sollte nicht von Dauer sein: 1930 wurde den Landwirten per Gesetz verordnet, ihre Milch an staatlich kontrollierte Molkereien weiterzuverkaufen. "Das war wohl die kritischste Phase in der Firmengeschichte", heißt es in der Chronik. Erst Jahre später gelingt es Steimel, mit neuen Produkten wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen. Das Unternehmen verkaufte sogenannte Kreiselpumpen, mit denen Häuser ohne öffentlichen Wasseranschluss mit Grundwasser versorgt wurden.

Vor dem Zweiten Weltkrieg profitierte Steimel von der Aufrüstung in Deutschland: Das Unternehmen baute unter anderem hoch spezialisierte Seewasserpumpen, die in Schiffsmotoren eingesetzt wurden. Den Krieg überstand Steimel offenbar weitgehend unbeschadet. Die wichtigsten Maschinen hätten Mitarbeiter vor dem Zugriff der Alliierten im nahgelegenen Hanfbachtal versteckt, heißt es. Seitdem entwickelt Steimel seine Pumpen und Zentrifugen ständig weiter.

Heute zählen zu den Kunden des Unternehmens mit rund 200 Mitarbeitern vor allem Automobilzulieferer und Maschinenbauer. Siemens etwa kühlt mit Pumpen aus Hennef die Getriebe seiner Windkraftanlagen. Viele Kunden nutzen die Zentrifugen von Steimel, um kostbare Schmierstoffe von Metallspänen nach dem Fräsen zu trennen.

Selbst die Süßwarenbranche kauft Zentrifugen aus Hennef, auch wenn dieser Umsatz nur einen geringen Anteil für Steimel ausmacht: Das Modell "Schoko-Polar" trennt bei Bruchwaren und Produktionsfehlern die Schokolade etwa von Keksen, Nüssen oder Rosinen. Die Hersteller können sie dann einschmelzen und weiterverwenden.

Wie seit 136 Jahren entstehen die Produkte weitgehend in Handarbeit an der Frankfurter Straße. "Wir sind in einem Nischenmarkt mit kleinen Stückzahlen tätig", sagt Geschäftsführer Manth, mit dem seit vergangenem Jahr erstmals ein Manager, der nicht zur Familie gehört, an der Spitze von Steimel steht. Mit rund 27 Millionen Euro Jahresumsatz habe sich das Unternehmen von den Folgen der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 wieder erholt, sagt er.

Die Eigentümer, mittlerweile in vierter Generation, seien vor allem an der langfristigen Entwicklung von Steimel interessiert. Im Jahr 2023 solle das 150-jährige Bestehen des Unternehmens als Familienbetrieb gefeiert werden. Bis dahin dürften sich noch einige Museumsstücke im Labyrinth der traditionsreichen Werksgebäude finden.