Kunststoffmaschinen

Sankt Augustiner Firma Hennecke im Wachstum

Sankt Augustin. Die Sankt Augustiner Firma Hennecke verkauft ihre Kunststoffmaschinen vor allem ins Ausland. Eine Übernahme in Italien soll Wachstumskurs vorantreiben.

Wenige Meter hinter der Fabrikhalle des neuen Technologiezentrums grasen die Kühe, eine hölzerne Fußgängerbrücke führt ins idyllische Pleisbachtal. Doch dörflich ist hier nur die Umgebung: In Sankt Augustins kleinstem Ortsteil, Birlinghoven, produziert das Unternehmen Hennecke Maschinen, mit denen Kunden aus aller Welt Kunststoffprodukte herstellen – unter anderem für Matratzen, Dämmplatten und Autoteile. „In fast jedem Haushalt in Deutschland gibt es Produkte, die auf unseren Maschinen entstehen“, sagt Hennecke-Marketingleiter Torsten Spiller.

Der Maschinenbauer aus dem kleinen Ort hat große Pläne. In den nächsten drei Jahren soll der Umsatz um etwa ein Drittel auf 200 Millionen Euro im Jahr wachsen. Ein wichtiger Schritt dahin sei die Übernahme des italienischen Maschinebauers OMS zum Jahreswechsel, sagt Hennecke-Geschäftsführer Rolf Trippler. Das Unternehmen mit 35 Millionen Jahresumsatz stellt, wie Hennecke, Maschinen zur Produktion sogenannter Sandwichpanele her, das sind Bauplatten aus dem Kunststoff Polyurethan und Metall. „Hennecke und OMS ergänzen sich, daher wird es keinen Stellenabbau nach der Übernahme geben“, sagt Trippler. Sparen wolle man vor allem durch den gemeinsamen Einkauf.

Die Maschinen zur Herstellung von Panelen sind nur ein Produkt von Hennecke. Das Unternehmen baut Anlagen für ganz unterschiedliche Anwendungen des Kunststoffes Polyurethan: Sie fertigen unter anderem Badewannen, Ladenböden für den Autokofferraum und Polster für Motorradhelme. „Polyurethan ist sehr leicht, trotzdem stabil und dämmend“, sagt Trippler. Weltweit steige der Verbrauch jedes Jahr um vier bis fünf Prozent, weil immer wieder neue Anwendungen für das Material entwickelt würden. Die Automobilindustrie setze den Kunststoff zunehmend ein, um Gewicht zu sparen und damit den Spritverbrauch ihrer Autos zu senken. Für die Produktion des Kleinwagens Smart hat Hennecke eine Maschine entwickelt, die das Fahrzeugdach aus Polyurethan mit einem Papierkern herstellt. Viele Produkte würden gemeinsam mit den Kunden entwickelt, so Trippler. „Gefragt sind nicht mehr nur einzelne Maschinen, sondern Systemlösungen.“ Auch deshalb habe Hennecke den Standort Birlinghoven im Jahr 2015 deutlich erweitert. 8,7 Millionen Euro wurden dort nach Unternehmensangaben seit 2013 investiert. Heute gehört Hennecke mit 380 Beschäftigten an dem Standort zu den größten Arbeitgebern in Sankt Augustin, betreibt ein Werk in China und Vertriebsniederlassungen in aller Welt.

So rund lief das Geschäft mit den Kunststoffmaschinen des 1945 in Sankt Augustin gegründeten Traditionsunternehmens nicht immer. Vor zehn Jahren verkaufte der Bayer-Konzern seine damalige Tochter an den Finanzinvestor Adcuram. Der krempelte das Geschäft in Birlinghoven erst einmal komplett um, rund 30 Stellen wurden gestrichen.

Doch der Neustart ist offenbar gelungen, Hennecke hat seinen Umsatz in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Mitarbeiterzahl soll weltweit von heute rund 550 weiter steigen. Im vergangenen Jahr verkaufte Adcuram das Unternehmen an den Schweizer Investor Capvis, der sich auf Branchenführer aus dem Mittelstand spezialisiert hat. Und auch wenn 90 Prozent der Hennecke- Maschinen ins Ausland geliefert werden, vor allem in die USA und nach Asien, sagt Geschäftsführer Trippler: „Unser Hauptsitz bleibt in Birlinghoven.“