Stärkung für den Standort

SGL Group investiert in Bonn

Wird ausgebaut: Der Bonner Standort der SGL Group an der Drachenburgstraße in Mehlem.

Wird ausgebaut: Der Bonner Standort der SGL Group an der Drachenburgstraße in Mehlem.

Bonn. Für 25 Millionen Euro baut der Kohlenfaserspezialist eine neue Halle und größere Fertigungskapazitäten. Die Nachfrage der Autoindustrie ist gestiegen.

Die SGL Group investiert über vier Jahre hinweg rund 25 Millionen Euro in die Erweiterung ihrer Fertigungskapazitäten am Standort Bonn. Neben neuen Produktionsanlagen entsteht auf dem Gelände an der Drachenburgstraße in Mehlem auch eine neue Halle. Derzeit wird zur Vorbereitung ein altes Gebäude abgerissen. Bis 2020 soll die Kapazitätserweiterung abgeschlossen sein. Die Nachfrage der Automobilindustrie an Bauteilen auf Basis von Spezialgraphiten sei in der jüngsten Zeit stark gestiegen.

„Mit der Investition in die Kapazitätserweiterung und in hochmoderne und effiziente Produktionssysteme bauen wir unsere Position im Marktsegment Mobilität deutlich aus und stärken den Standort Bonn“, sagte Burkhard Straube, Leiter des Geschäftsbereichs Graphite Materials & Systems (GMS) der SGL Group. 744 Mitarbeiter sind für die SGL Group in Bonn tätig. Dazu kommen noch 60 Leiharbeiter. Damit hat das Unternehmen den Standort bereits deutlich ausgeweitet: Vor anderthalb Jahren gab es dort 620 Beschäftigte.

Das Unternehmen hat gerade einen Großauftrag von „Rheinmetall Automotive – Pierburg“ erhalten. Die SGL Group liefere Pierburg das Herzstück für die Vakuumerzeugung in der Bremskraftunterstützungspumpe von Pierburg. Das jährliche Auftragsvolumen liegt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Autozulieferer Pierburg fertigt auch Abgasrückführsysteme oder Antriebsmodule.

„Unsere Lösungen kommen verstärkt dort zum Einsatz, wo klassische Materialien aufgrund immer komplexer werdender Anforderungen an ihre Grenzen stoßen. Entscheidend sind hier vor allem geringe Reibwerte, Temperaturbeständigkeit und eine hohe Lebensdauer“, so Werner Müller, Produktgruppenleiter bei der SGL Group. Spezialgraphite würden sowohl für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben als auch mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren gebraucht. Sie leisteten einen Beitrag zu höherer Energieeffizienz und geringerem CO2-Ausstoß. Die Projekte würden zusammen mit Kunden entwickelt. Der von SGL gefertigte Werkstoff Karbon ist extrem leicht und soll helfen, effiziente Fahrzeuge zu produzieren. Das Wiesbadener Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet, war auf Sparkurs und hat seine Verwaltung an die verkleinerte Konzernstruktur angepasst. Diese Programme sind nach Unternehmensangaben mittlerweile abgeschlossen.

Sparprogramme abgeschlossen

2016 hatte das Unternehmen 4000 Mitarbeiterinnen und einen Umsatz von 769,8 Millionen Euro Euro. SGL hatte das Geschäft mit Graphitelektroden an den japanischen Chemiekonzern Showa Denko verkauft. In den neun Monaten 2017 lag der Umsatz aus fortgeführten Aktivitäten bei 642,1 Millionen Euro. Das war 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Verlust vor Ertragsteuern lag bei 10,6 Millionen Euro. Die SGL Group gilt als einer der weltweit größten Hersteller von Carbon, Graphit und Verbundmaterialien für Anwendungen in verschiedenen Industriezweigen. 2016 hatte die SGL Group bereits Investitionen in die Modernisierung von Produktionsanlagen am Bonner Standort in Höhe von 3,5 Millionen Euro bekannt gegeben.

BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ist an SGL Carbon mit knapp 28 Prozent beteiligt, weitere Großaktionäre sind BMW mit 18,3 Prozent und VW mit knapp zehn Prozent.

Vor 108 Jahren begann die spätere Ringsdorf Werke GmbH mit der Produktion von Graphitelementen. Der Werkstoff diente zur Herstellung hochfeuerfester und chemisch beständiger Laborgeräte, von Bleistiften und Elektroden.

Die Gründerfamilie gab in den 1960er Jahren Anteile an Hoechst und Siemens ab. Anfang der 1990er Jahre wurde das Unternehmen mit einer US-Firma fusioniert und in SGL Carbon umbenannt.